Tschechische Republik

Die Tschechische Republik blickt wie Deutschland auf 600 Jahre Wissenschaftstradition. Wirtschaftlich setzen beide Länder auf industrielle Branchen, vor allem den Maschinen- und Automobilbau. Neu sind die enormen tschechischen Anstrengungen, Forschung und Innovation zu fördern. Von der Stärke beider Länder in Wissenschaft und Wirtschaft soll der Europäische Forschungsraum profitieren.

Panoramablick über Prag © Daniel Geyer / DLR

© Daniel Geyer / DLR

Förderung der Zusammenarbeit

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt mit verschiedenen Förderbekanntmachungen die Zusammenarbeit deutscher Einrichtungen mit tschechischen Partnern.

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Politischer Rahmen

Die deutsch-tschechische Forschungskooperation hat eine lange Tradition. Sie basiert auf dem Abkommen über die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit vom 2. November 1990, das ursprünglich zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik geschlossen wurde.

Den aktuellen Rahmen der Zusammenarbeit bildet der im Juli 2015 unterzeichnete Strategische Dialog zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik. Konkrete Ansatzpunkte der Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Entwicklung sind:

  • Umsetzung einer bilateralen FuE-Konferenzreihe
  • Erfahrungsaustausch zu FuE zwischen Regierungsstellen beider Länder
  • Stärkere Beteiligung tschechischer Einrichtungen bei BMBF-Förderinstrumenten

Im Februar 2019 hat die tschechische Regierung eine neue Innovationsstrategie beschlossen, die bis 2030 gelten bzw. umgesetzt werden soll. Unter dem Titel „Das Land für die Zukunft“ setzt sich die Tschechische Republik das Ziel, 2030 zu den Innovationsführern in Europa zu gehören. So soll bis 2030 die FuE-Quote am BIP von 3,0 % erreicht sein. Die Tschechische Republik sieht sich dank einer Kombination von industriellen Traditionen, Forschungshintergrund und unternehmerischen Fähigkeiten bestens gerüstet, dieses Ziel zu erreichen.

Die Strategie unterteilt sich in neun thematische Pfeiler, u.a.:

  • FuE - Finanzierung und Evaluierung von Forschung und Entwicklung
  • Technologie – Polytechnische Bildung
  • Start-ups – Nationale Start-up- und Spin-off-Entwicklung
  • Digitalisierung – Digitaler Staat, digitale Produktion und Dienstleistungen
  • Exzellenz – Innovations- und Forschungszentren

Jeder dieser Pfeiler benennt die Anfangssituation, die Einzelziele und Wege bzw. Werkzeuge zur Zielerreichung.

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

In den Jahren 2013 und 2015 veröffentlichte das BMBF einen „Ideenwettbewerb zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Donauanrainerstaaten“ („Donauraumbekanntmachung“). Ein Drittel der geförderten Projekte wurde mit tschechischen Partnern durchgeführt. Der Fachschwerpunkt der Kooperation liegt im Bereich Umwelt- und Produktionstechnologien sowie Gesundheitsforschung.

An bisherigen Horizont-2020-Projekten mit tschechischer Beteiligung sind deutsche Akteure mit etwa 70 % sehr stark vertreten, damit auf gleichbleibend hohem Niveau wie schon im 7. Forschungsrahmenprogramm. Deutschland ist vor Frankreich und Italien das eindeutig wichtigste Partnerland bei tschechischen Beteiligungen an Horizont 2020. Den thematischen Schwerpunkt der gemeinsamen Projekte bilden die Themenfelder Transport, gefolgt von Energie und IKT.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Das BMBF und das tschechische Bildungs- und Forschungsministerium MŠMT starteten 2015 eine deutsch-tschechische Konferenzreihe zur Vernetzung mit den tschechischen Exzellenzzentren und stellten sie in den Rahmen des Strategischen Dialogs. Die Auftaktveranstaltung im Februar 2015 in Prag adressierte die Themenfelder Materialphysik, Informations-/Kommunikationstechnologien und Umweltforschung. Im Januar 2017 fand die zweite Konferenz, mit Thematik Energiespeicherung und -versorgung, in Erlangen statt, erneut nahmen ca. 100 Fachleute aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft beider Länder teil.

Im Rahmen der BMBF-Bekanntmachung „Auf- und Ausbau gemeinsamer Forschungsstrukturen“ (2014) lagen Projektvorschläge mit tschechischen Partnern an zweiter Stelle. Mit fünf der 15 bewilligten Vorhaben stellen Projekte mit tschechischen Einrichtungen den größten Anteil aller beteiligten Länder.

In Ergänzung des Strategischen Dialogs wurde im Oktober 2015 vereinbart, die Zusammenarbeit zwischen BMBF und dem tschechischen Ministerium für Handel und Industrie (MPO) zu Forschung, Entwicklung und Innovation im Bereich Industrie 4.0 zu intensivieren. Nach ersten bilateralen Workshops im April und Oktober 2016 lief zwischen Februar und Mai 2017 eine erste bilaterale Bekanntmachung des BMBF und der Technologieagentur TA CR. Insgesamt wurden 9 Vorhaben zur Förderung seit Januar 2018 ausgewählt. Die Bekanntmachung wurde im Juli und August 2018 in einer zweiten Runde erneut aufgelegt.

Besondere Einrichtungen/ Forschungslandschaft

Im Rahmen der EU-Förderphase 2007-2014 ist eine moderne tschechische Forschungsinfrastruktur entstanden. Mit Hilfe von EU-Strukturfördermitteln wurden acht europäische Exzellenzzentren sowie 40 regionale Forschungszentren in Tschechien auf- bzw. ausgebaut. Die Exzellenzzentren, zumeist in Nachbar- und Trägerschaft von Hochschul- und/oder Akademieinstituten angesiedelt, sind den Themenfeldern Laserphysik, Großrechneranlagen, Nanotechnologien und Gesundheit gewidmet.

Bedeutendste Einrichtungen sind dabei „ELI Beamlines“ als tschechische Teilanlange der von „Extreme-Light-Infrastructure“, der ersten und bisher einzigen europäischen Forschungsinfrastrukturanlage, die nur in den neuen osteuropäischen Beitrittsländern errichtet und betrieben wird. Außerhalb Prags ist mit dem CEITEC das Nanotechnologie- bzw. Umweltzentrum in Brünn angesiedelt, in Ostrau steht mit „IT4Innovations“ die zentrale Großrechneranlage für die tschechische Forschungslandschaft.

Kooperationen im Rahmen der EU

Die Tschechische Republik war in der ersten Phase des EU-Teaming-Programms an drei der 31 ausgewählten Projekte beteiligt. Das Projekt zur Nanotechnologie NANOMATCON der Technischen Universität Liberec erfolgte mit deutscher Beteiligung (Fraunhofer-Institute für Silicatforschung ICS, Würzburg bzw. für Internationales Management und Wissensökonomie IMW, Leipzig). In der zweiten Phase ist die Tschechische Republik bei einem von 10 Projekten vertreten. Das Lasertechnologievorhaben „HILASE CoE“ wird vom Physikinstitut der Akademie der Wissenschaften koordiniert.