Rumänien

Im Zuge des EU-Beitritts Rumäniens hat sich Deutschland zu einem seiner wichtigsten Partner entwickelt. Deutsche Fachleute und Technologien werden intensiv nachgefragt, vor allem wenn es darum geht, die rumänische Forschungsinfrastruktur an die EU heranzuführen. Rumänien besitzt traditionelle Forschungsstärken in der Grundlagenforschung und im ingenieurwissenschaftlichen Bereich.

Rumänische Akademie der Wissenschaften

© Ralf Hagedorn / DLR

Förderung der Zusammenarbeit

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt mit verschiedenen Förderbekanntmachungen die Zusammenarbeit deutscher Einrichtungen mit rumänischen Partnern.

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Politischer Rahmen

Die deutsch-rumänische Forschungskooperation hat eine lange Tradition. Die bilaterale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie basiert auf dem Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Rumänien über wissenschaftliche Forschung und technologische Entwicklung vom 29.06.1973.

2014 hat die rumänische Regierung ihre Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsstrategie 2014-2020 verabschiedet. Die drei zentralen strategischen Ziele gelten der

  • Steigerung wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit durch Innovation,
  • Steigerung des rumänischen Beitrags zum Wissensfortschritt und
  • Steigerung der Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft.

Als Kernziel ist die Erhöhung des BIP-Anteils für FuE-Aufwendungen auf 2% bis 2020 definiert, was ein Wachstum des BIP um 12% bis 2025 nach sich ziehen soll. Die ambitionierten Einzelziele gelten zum Beispiel der Steigerung von Publikationsintensität (Verdreifachung) und Patentanmeldungen (Verzehnfachung). Nationale Forschungsstärken werden im Zuge regionaler intelligenter Spezialisierung (RIS3) in den Bereichen Bioökonomie, Informationstechnologien, Energie, Umwelt sowie Ökotechnologien gesehen. Wichtigste gesellschaftliche Herausforderung – auch in Bezug auf die forschungspolitischen Prioritäten – ist der Bereich Gesundheit.

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

In den Jahren 2013 und 2015 veröffentlichte das BMBF einen „Ideenwettbewerb zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Donauanrainerstaaten“ („Donauraumbekanntmachung“). Die Hälfte der geförderten Projekte wurde mit rumänischen Partnern durchgeführt. Der Fachschwerpunkt der Kooperation liegt im Bereich Produktionstechnologien und Gesundheitsforschung.

An bisherigen Horizont-2020-Projekten mit rumänischer Beteiligung sind deutsche Akteure mit etwa 70 % sehr stark vertreten, das ist deutlich mehr als im 7. Forschungsrahmenprogramm. Deutschland ist nach Italien das zweitwichtigste Partnerland bei rumänischen H-2020-Beteiligungen. Den thematischen Schwerpunkt der gemeinsamen Projekte bildet die Energieforschung.

Höhepunkte der Kooperation

Ein wichtiger Meilenstein der jüngeren Zusammenarbeit war ein Innovationsworkshop des BMBF in Bukarest. Die Veranstaltung im November 2015 diente dem Ziel, neue Kooperationsmöglichkeiten in den Feldern rumänischer Forschungsstärken – Maschinenbau, Informations- und Kommunikationstechnologien, Umwelt- sowie „Key Enabling“-Technologien – zu erschließen. Sechs deutsche Forschungseinrichtungen und Unternehmen stellten ihr Forschungsspektrum vor und standen anschließend für Einzelgespräche im Rahmen eines Brokerage-Arrangements zur Verfügung. Organisiert wurde der Workshop gemeinsam vom DLR Projektträger und von der AHK Rumänien.

Besondere Einrichtungen

Als Leuchtturm für die Zusammenarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften gilt das New Europe College Bukarest (NEC), das 1994 vom rumänischen Philosophie-Professor Andrei Pleşu gegründet wurde. Name und Anschubfinanzierung leiten sich aus dem New Europe Preis ab, der Pleşu im Anschluss eines Studienaufenthalts am Wissenschaftskolleg Berlin von einer internationalen Jury 1993 verliehen wurde. Gründungsidee war, eine Einrichtung zu geistes- und sozialwissenschaftlicher Spitzenforschung in Rumänien einzurichten und so den Forschungsstandort Rumänien durch internationale Verknüpfungen an die Weltspitze heranzuführen.

Für den Aufbau des NEC hat sich Deutschland ideell und finanziell stark engagiert. Das BMBF förderte zwischen 2001 und 2016 den wissenschaftlichen Betrieb. Weitere deutsche Förderer wie der Stifterverband der deutschen Wissenschaft, die Thyssen- und die VolkswagenStiftung waren und sind ebenfalls beteiligt. Über bis heute insg. 13 NEC-Programme wurden jährlich im Schnitt 30 Stipendiaten gefördert, das Almuni-Netzwerk besteht heute aus über 500 ehemaligen Absolventen. 2014 errangen Stipendiaten des NEC zwei ERC-Grants. Damit gingen erstmals ERC-Preise nach Rumänien.

Auch der Aufbau des Bulgarisch-Rumänischen Interuniversitären Europazentrums (BRIE) wurde von deutscher Seite maßgeblich unterstützt. BRIE ist eine Institution für regionale Zusammenarbeit mit Sitz in Ruse (Bulgarien) und Giurgiu (Rumänien). Das BRIE wurde im Jahr 2000 von der deutschen Hochschulrektorenkonferenz (HRK) als Projekt im Rahmen des Stabilitätspaktes für Südosteuropa initiiert und setzt seit 2002 Bildungs- und Forschungsprojekte auf der Basis regionaler und transnationaler Zusammenarbeit um. Das BRIE - bewusst in einer Grenzregion aufgebaut - kooperiert mit deutschen Universitäten, die sich ebenfalls in Grenzregionen befinden: TU Chemnitz und Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder.

Ein erfolgreiches Einzelprojekt des BRIE ist BRAINS (Bulgarian-Romanian Area Identies: Neighbourhood Study), das von deutscher Seite mitinitiiert und mit EU-Strukturfördergeldern umgesetzt wurde. Auf Basis von Befragungsstudien bulgarischer und rumänischer Bürger und von Analysen deutsch-polnischer und deutsch-tschechischer Beispiele guter Praxis für europäische Integration wurde das Projektkonzept RO-BUL-NA (Romanian-Bulgarian Neighborhood Area) abgeleitet, um in der oft als entlegen wahrgenommenen Region langfristig eine gemeinsame Identität der Bewohner zu schaffen.

Kooperationen im Rahmen der EU

Das europäische Projekt Extreme Light Infrastructure (ELI), eine Laser-Großforschungseinrichtung, wird derzeit in tschechisch-ungarisch-rumänischer Kooperation errichtet. Es ist die erste Forschungsinfrastruktur, die ausschließlich in den neueren Beitrittsländern Mittel- und Südosteuropas aufgebaut und betrieben wird. Sie wird eine Laserleistung erbringen, die den Wert heutiger Laseranlagen um den Faktor Tausend übersteigt. Rumänien wird mit der Nuklearphysikanlage (ELI-NP) den technisch komplexesten Pfeiler der Dreiländeranlage stellen.

Die Anlage entsteht in Magurele bei Bukarest, nahe des für Rumänien beteiligten Nationalinstituts für Physik und Nukleartechnologie „Horia Holubel“ (IFIN-HH) bzw. des Nationalinstituts für Laser, Plasma und Strahlungsphysik (INFLPR). Die rumänische Regierung erwartet sich von der europäischen Laseranlage auch einen wichtigen Beitrag zur Umkehr des „Brain Drains“. Das Projekt hat bereits einige rumänische Spitzenforscher zur Rückkehr in ihr Heimatland bewogen, um dort die Entwicklungsarbeiten voranzubringen.