Frankreich

Frankreich ist unter den EU-Ländern der wichtigste Kooperationspartner Deutschlands. Auf zahlreichen Gebieten und verschiedenen Ebenen wird intensiv zusammengearbeitet: zwischen Ministerien, Forschungs-, Bildungs- und Wissenschaftsorganisationen und in Projekten. Zwischen Deutschland und Frankreich haben sich in den letzten 60 Jahren außergewöhnlich umfangreiche Kooperationen entwickelt.

Der Eiffelturm in Paris

© TonyBaggett / iStock / Thinkstock

Fördermöglichkeiten

Die Fördermöglichkeiten in der deutsch-französischen Zusammenarbeit sind vielfältig und werden durch verschiedene Institutionen meist themenspezifisch angeboten. Informationen zu den Fördermöglichkeiten sollten im Einzelfall beim Internationalen Büro oder bei der Förderberatung des Bundes erfragt werden. Aktuelle Fördermöglichkeiten zur Kooperation mit Frankreich sind auf unserem Portal "Kooperation international" unter Bekanntmachungen abrufbar.

Aktuelles

Beim Deutsch-Französischen Ministerrat am 31.05.2021 in Berlin tagten das deutsche und das französische Kabinett gemeinsam. Dabei bekräftigten sie ihre Entschlossenheit, noch enger zusammenzuarbeiten und sich gemeinsam für ein starkes, zukunftsorientiertes und souveränes Europa einzusetzen. Deutschland und Frankreich entwickeln gemeinsam Lösungen für die wichtigsten zukunftsweisenden Themen wie Cybersicherheit, neue Kommunikationstechnologien und Künstliche Intelligenz. Aber auch die Themen Quantencomputing, Gesundheit, Klima und eine nachhaltige Energieversorgung spielen eine große Rolle in der Kooperation. Herausragende Beispiele aus der Vielzahl der Projekte und Initiativen sind das gemeinsame Engagement im Deutsch-Französischen Zukunftswerk und die neu startende deutsch-französische Zusammenarbeit in Westafrika. Mehr erfahren…

Das Internationale Büro im DLR Projektträger unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung bei der deutsch-französischen Kooperation und insbesondere bei Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Veranstaltungen.

Politischer Rahmen

Abkommen und Vereinbarungen

Die deutsch-französische Zusammenarbeit beruht auf dem „Kulturabkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Französischen Republik“, das 1955 in Kraft getreten ist. Am 22. Januar 1963 wurde der Elysée-Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich geschlossen. Ferner bestehen eine Reihe von Abkommen und Vereinbarungen, die seitdem sowohl zwischen den Ministerien mit Forschungszuständigkeit als auch zwischen den großen deutschen und französischen Forschungsorganisationen geschlossen wurden.

Mit dem Vertrag von Aachen, den Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Macron am 22. Januar 2019 unterzeichneten und der im Januar 2020 in Kraft trat, haben beide Länder die Bedeutung dieser Kooperation noch einmal bekräftigt und klargestellt, dass die Zusammenarbeit der beiden Staaten künftig noch intensiver wird. 

Deutsch-französische Ministerräte

Den politischen Rahmen für die bilaterale Zusammenarbeit bilden die deutsch-französischen Ministerräte. Dort erfolgt eine regelmäßige Koordinierung auf höchster politischer Ebene hinsichtlich der deutsch-französischen Zusammenarbeit in den Schwerpunktthemen Bildung, Forschung und Innovation.

Beim deutsch-französischen Ministerrat am 16. Oktober 2019 in Toulouse wurde die Vertiefung der Zusammenarbeit in Bildung, Forschung und Innovation erneut bekräftigt und die „Deutsch-Französische Erklärung von Toulouse“ verabschiedet. Als Prioritäten der Zusammenarbeit wurden dabei die stärkere Vernetzung der Bildungssysteme und Hochschulen sowie der gemeinsamen Forschung festgelegt. Weitere wichtige Themen der Zusammenarbeit sind die Forschung für den Klimaschutz, die Europäischen Hochschulallianzen und Künstliche Intelligenz, für die eine gemeinsame Roadmap zum Aufbau eines virtuellen Forschungs- und Innovationsnetzwerkes unterzeichnet wurde. Auch der Austausch von Schülerinnen und Schülern sowie Auszubildenden und Studierenden ist eine der Prioritäten.

Der letzte deutsch-französische Ministerrat fand am 31.05.2021 in Berlin (virtuell) mit einem Treffen des deutschen und des französischen Kabinetts statt. Dabei wurden die gut voranschreitende Umsetzung des Vertrags von Aachen gewürdigt, neue prioritäre Vorhaben in die Liste der Umsetzungsprojekte aufgenommen und die Deutsch-Französische Erklärung von Berlin verabschiedet. Im Rahmen des Ministerrates tauschten sich die beiden Forschungsministerinnen auch bilateral zu wichtigen Kooperationsthemen im Bereich der Forschung und Innovation aus.

Weitere hochrangige Gespräche der neuen Bundesforschungsministern Bettina Stark-Watzinger mit der französischen Forschungsministerin Vidal sowie dem französischen Bildungsminister Blanquer fanden am 24.01.2022 am Rande der informellen Tagung der EU-Forschungsministerinnen und -minister in Paris statt.

Einen guten Überblick über die intensiven deutsch-französischen Beziehungen in der Forschungs- und Bildungszusammenarbeit bietet die Broschüre „50 Jahre Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Forschung, Technologie und Innovation“, die anlässlich des 50jährigen Jubiläums zur Unterzeichnung des Elysée-Vertrags 2013 publiziert wurde (siehe „Höhepunkte der bilateralen Kooperation“).

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Die Schwerpunkte der bilateralen Kooperation ergeben sich vor allem aus der deutsch-französischen Agenda2020, dem gemeinsamen Maßnahmenplan von 2012 sowie der deutsch-französischen Erklärung von 2014. Eine wichtige Rolle spielen die jährlich stattfindenden Deutsch-Französischen Ministerräte und die dabei verabschiedeten Gemeinsamen Erklärungen. Auch der 2020 in Kraft getretene Vertrag von Aachen setzt Schwerpunkte für die Kooperation. Inhaltlich werden diese Prioritäten durch die Foren zur deutsch-französischen Forschungskooperation unterlegt, die seit 2002 regelmäßig stattfinden (siehe „Höhepunkte der bilateralen Kooperation“).

Institutionelle Kooperation

Centre Marc Bloch

Das Centre Marc Bloch (CMB) ist ein deutsch-französisches Forschungszentrum für Sozialwissenschaften, das Ende 1992 gegründet wurde und interdisziplinär ausgerichtete Forschung und Nachwuchsförderung in den Geistes- und Sozialwissenschaften mit Forschungsthemen Mittel- und Osteuropas betreibt. Seit 2011 ist das CMB durch einen Kooperationsvertrag als „An-Institut“ eng mit der Humboldt-Universität zu Berlin verbunden. Im März 2015 erhielt das CMB eine eigene Rechtspersönlichkeit als eingetragener Verein in paritätischer deutsch-französischer Trägerschaft.

Deutsch-Französische Hochschule

Eine weitere wichtige binationale Institution ist die Deutsch-Französische Hochschule (DFH), die 1997 anlässlich des deutsch-französischen Gipfels von Weimar gegründet wurde. Die DFH ist ein zentraler Akteur in der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich im Bereich der Hochschulbildung. Ihr Kerngeschäft besteht darin, deutsch-französische Studiengänge zu initiieren, zu evaluieren und finanziell zu fördern. Die DFH fördert auch den wissenschaftlichen Nachwuchs über deutsch-französische Doktorandenkollegs und wissenschaftliche Veranstaltungen. Zurzeit kooperiert die DFH mit 208 deutschen und französischen Hochschulen, die 186 grenzüberschreitende Studienprogramme verschiedener Fachrichtungen anbieten. An ihnen nehmen rund 6.400 Studierende und 350 Doktorandinnen und Doktoranden teil.

Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung

Im Rahmen der Berufsbildungszusammenarbeit ist es erklärtes Ziel, die Lernendenmobilität zwischen Deutschland und Frankreich unter Nutzung des europäischen Bildungs- und Jugendprogramms Erasmus+ und von ProTandem, der deutsch-französischen Agentur für den Austausch in der beruflichen Bildung, weiter zu stärken. Ziel der von ProTandem ermöglichten Austausche ist es, den Teilnehmenden einen Aufenthalt im jeweils anderen Land zu ermöglichen. Dabei sollen Kompetenzen in beruflichen, sprachlichen sowie kulturellen Bereichen gestärkt werden. Seit 1980 konnte über das Programm der Austausch von etwa 110.000 Auszubildenden gefördert werden.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Foren zur deutsch-französischen Forschungskooperation

Von herausragender Bedeutung in der bilateralen Kooperation sind die seit 2002 stattfindenden Foren zur deutsch-französischen Forschungskooperation. Aufgabe der Foren ist es, auf hochrangiger Ebene eine Abstimmung über forschungs- und innovationspolitische Strategien und Prioritäten Deutschlands und Frankreichs zu erreichen. Nach den Foren in Paris (2002, 2008, 2014), Potsdam (2005) und Berlin (2011) fand im Juni 2018 das 6. Forum zur deutsch-französischen Forschungskooperation in Berlin statt. Daran nahmen über 150 Personen teil, darunter hochrangige Leitungsmitglieder aller deutschen und französischen Forschungs- und Mittlerorganisationen, Hochschulrektoren sowie hochrangige Expertinnen und Experten. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und ihrer französischen Amtskollegin Frédérique Vidal eröffneten das Forum und unterzeichneten eine gemeinsame Absichtserklärung mit einem Maßnahmenpaket mit den Themenschwerpunkten Gesundheit- und Energieforschung, IT-Sicherheitsforschung sowie Geistes- und Sozialwissenschaften.

Hintergrundinformationen zur Forschungslandschaft

Französische Ministerin für Hochschulwesen, Forschung und Innovation ist seit dem 17.05.2017 Frédérique Vidal. Das Forschungsministerium (Ministère de l'Enseignement supérieur, de la Recherche et de l’Innovation, MESRI) ist zuständig für die Vorbereitung und Umsetzung der Politik in den Bereichen Hochschulwesen, Forschung und Technologie. Für die Bildungspolitik zuständig ist das Ministerium für Nationale Bildung, Jugend und Sport (Ministère de l'Éducation nationale, de la Jeunesse et des Sports, MENJS) unter Bildungsminister Jean-Michel Blanquer.

Im November 2020 wurde das Gesetz über die Programmplanung für die Forschung und Hochschulbildung für 2021 bis 2030 („Loi de programmation de la recherche pour les années 2021 à 2030“) mit einem entsprechenden Finanzrahmen von 25 Milliarden Euro sowie begleitenden Reformen verabschiedet.

Wichtigste Forschungsorganisation ist das Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique), das dem Forschungsministerium unterstellt ist und sich der Grundlagenforschung widmet. Das CNRS beschäftigt 32.000 Mitarbeitende und ist in acht Fachbereiche untergliedert: Kern- und Teilchenphysik, Ingenieurwissenschaften, Geowissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Lebenswissenschaften, Chemie, Physikalische und Mathematische Wissenschaften, sowie Kommunikations-, Informationswissenschaften und Technologie.

Förderung in Frankreich

Die institutionelle Förderung von Forschung und Entwicklung obliegt in Frankreich dem  Ministerium für Hochschulbildung, Forschung und Innovation (MESRI). Die wettbewerbliche Projektförderung von Grundlagenforschung sowie Forschung und Entwicklung wird durch die Nationale Agentur für Forschungsförderung (ANR), die Bank für öffentliche Investitionen (BPIfrance) und die Agentur für ökologischen Wandel (ADEME) durchgeführt. Darüber hinaus unterstützen Mittlereinrichtungen wie die Cluster Pôles de Compétitivité und die regionalen Forschungs- und Technologiebeauftragten die regionale Standortpolitik. Frankreich unterhält zudem eines der weltweit größten Programme zur steuerlichen Förderung industrieller Forschung und Entwicklung, den „Crédit d‘impôt recherche“.

Kooperation auf europäischer Ebene

Frankreich und Deutschland spielen in den Forschungsförderprogrammen der Europäischen Union eine herausragende Rolle. Im EU-Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020 laufen im Bereich Neue Materialien und Nanotechnologie 90 Prozent der Projekte mit deutsch-französischer Beteiligung, in den Bereichen Gesundheit und Verkehr sind es 80 Prozent aller Projekte.

Auch auf strategischer Ebene arbeiten beide Länder als Motoren für Europa eng zusammen, beispielsweise bei der Gestaltung des Europäischen Forschungsraumes und in vielen Gremien der EU-Mitgliedsstaaten. Deutschland und Frankreich sind an einer Vielzahl von großen europäischen Initiativen und Netzwerken wie Joint Programming Initiativen, ERA-Netzen, European Technology Platforms (ETPs), European Infrastructure Consortia (ERICs) und Knowledge and Innovation Communities (KICs) beteiligt.