Griechenland

Für Deutschland und Griechenland ist die bilaterale Forschungskooperation innerhalb Europas ein wichtiges Element nationaler Forschungspolitik. Entscheidende Impulse geben die gemeinsamen Forschungs- und Innovationsprogramme sowie die Kooperation in der Berufsbildung.

Universität von Athen

Universität Athen © entrechat / iStock / Thinkstock

Fördermöglichkeiten

Deutsch-Griechisches Forschungs- und Innovationsprogramm

Beide Ministerien fördern in diesem Programm Projekte aus Geistes- und Sozialwissenschaften, Materialforschung, Optische Technologien, Bioökonomie, Gesundheitsforschung und Energieforschung. Ein Ziel des Programms ist es, die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in diesen Feldern zu stärken und konkret kleine und mittlere Unternehmen (KMU) einzubinden.

Darüber hinaus sollen exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in beiden Ländern frühzeitig und verantwortlich in internationale Projekte integriert werden. so soll auch dem „Brain Drain“ in Griechenland entgegengewirkt werden. Wesentliche Kriterien für die zu fördernden Projekte sind sowohl ihr wissenschaftlicher Mehrwert als auch ihre Anschlussfähigkeit an die europäischen Forschungsrahmenprogramme.

Die zweite gemeinsame Ausschreibung des deutsch-griechischen Forschungs- und Innovationsprogramms war bis zum 3. März 2017 geöffnet. 24 gemeinsame Projekte sind im 1. Halbjahr 2018 gestartet. Weitere Meilensteine des Programms sind: Eine Statuskonferenz (midterm-meeting) ist für die 2. Hälfte 2019 in Griechenland vorgesehen und eine Abschlussveranstaltung im 1. Halbjahr 2021 in Deutschland.

Politischer Rahmen

Gemäß des Koalitionsvertrages der Bundesregierung für die 18. Legislaturperiode soll die deutsche Wissenschaft weiterhin eine aktive Rolle übernehmen, um das europäische Wissenschafts- und Innovationssystem zu stärken. Ein Fokus liegt dabei auf gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten, besonders mit von der Wirtschaftskrise stark betroffenen EU-Mitgliedstaaten.

Die aktuellen Formate der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) greifen diese Vorgaben auf. Damit soll die Internationalisierung und Europaorientierung deutscher Einrichtungen in Bildung und Forschung gestärkt und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden. Durch die Fokussierung auf Schwerpunktthemen gegenseitigen Interesses – insbesondere in den Themenbereichen der Hightech-Strategie der Bundesregierung und in den thematischen Prioritäten des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation Horizont 2020 – soll die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene ausgebaut werden.

1978 wurde der WTZ ein rechtlicher Rahmen gegeben, der in der Folge um einzelne Abkommen ergänzt wurde. Jüngste Ergänzungen sind die Deutsch-Griechische Partnerschaftsinitiative vom 05. März 2010 sowie das Übereinkommen (MoU) zur beruflichen Bildung vom 10. Dezember 2012, bekräftigt Anfang 2017 für weitere vier Jahre. Es handelt sich dabei um eine direkte Reaktion der beiden Partner auf die schwierige wirtschaftliche Situation in Europa seit 2009.

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Die gemeinsam für das deutsch-griechische Forschungsprogramm identifizierten fachlichen Schwerpunkte in der WTZ sind:

  • Gesundheitsforschung,
  • Bio-Ökonomie,
  • Energie,
  • Geistes- und Sozialwissenschaften mit einem Schwerpunkt auf der Finanz- und Wirtschaftskrise,
  • Forschung für die Digitalisierung von personennahen Dienstleistungen und für IKT-Anwendungsdienstleistungen,
  • Nanotechnologie,
  • Photonik.

Besondere Bedeutung findet hierbei, dass aus den gemeinsamen Projekten Erkenntnisse und verwertbare Forschungsergebnisse hervorgehen sollen, die zu neuen Technologien, Produkten und/oder Dienstleistungen führen. Langfristig soll dies zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und des Innovationspotentials der Partner in Griechenland führen.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Im Rahmen der Deutsch-Griechischen Partnerschaftsinitiative der Bundesregierung (DGP) vom 05. März 2010 arbeitet das BMBF im Bereich der Forschung und beruflichen Bildung in gemeinsamen Forschungskooperationen erfolgreich mit Griechenland zusammen.

Gemeinsames deutsch-griechisches Forschungsprogramm

Das erste deutsch-griechische Forschungsprogramm vom 21. März 2013 zielte auf eine themenübergreifende bilaterale Forschungsförderung ab. Die überwältigende Anzahl von über 400 eingereichten Projektskizzen auf beiden Seiten bestätigte diesen Ansatz. Ferner zeigte sich auch das weiterhin hohe Kooperationsinteresse in Wissenschaft und Forschung in beiden Ländern.

In einer gemeinsamen Auswahlsitzung wurden 23 Forschungsprojekte ausgewählt.

Während der Griechisch-Deutschen Forschungs- und Innovationstage in Athen im Dezember 2015 mit mehr als 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden sowohl eine Bilanz des ersten "Deutsch-Griechischen Forschungsprogramms" gezogen als auch die Perspektiven des Nachfolgeprogramms besprochen. Der griechische Vizeminister Costas Fotakis und der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel überreichten jungen Nachwuchsteams aus Energie und Gesundheit Preise für die beste Projektpräsentation. Mit den Preisen war im Juni 2016 für sechs deutsche und griechische Nachwuchswissenschaftler eine Reise zu Spitzenforschungseinrichtungen in beiden Ländern verbunden.

Berufliche Bildung

Mit der Konstituierung der deutsch-griechischen Arbeitsgruppe für berufliche Bildung ist ein regelmäßiger Dialog zwischen dem BMBF und dem griechischem Bildungsministerium, Sozialpartnern und Kammern beider Länder sowie der Deutschen Botschaft, der Deutschen Auslandsschule, der Deutsch-Griechischen-Versammlung u.a. etabliert worden. Grundlage der Zusammenarbeit ist das Memorandum, das Deutschland im Dezember 2012 mit sechs europäischen Ländern zur Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung geschlossen hat.

In den zurückliegenden vier Jahren hat Deutschland die griechische Seite tatkräftig dabei unterstützt, Perspektiven für eine an den Bedarfen des Arbeitsmarktes ausgerichtete Berufsausbildung in Griechenland auszuloten. Mit den beiden BMBF-Projekten, „MENDI“ und „VETnet“, wurden Kapazitäten aufgebaut, die innovative und konstruktive Beiträge zu den griechischen Reformvorhaben in der beruflichen Bildung leisten können.