Sozio-ökonomische Methoden für eine integrative Naturschutzplanung im multi-ethnischen Südkaukasus

Das Projekt soll kaukasische Wissenschaftler/innen befähigen, detaillierte sozio-ökonomische Analysen vorzunehmen, die solche Folgen im Sinne einer integrativen Naturschutzplanung ex ante identifizieren und verhindern helfen. (German text only)

Wiese

Sommerweide Lake Arpi, Armenien © Talin Kalatas

Allgemeine Informationen

  • Partnerland/-region: Südkaukasus
  • Laufzeit: bis 31.07.2014
  • Partnereinrichtungen: International Center for Environmental Research, Georgien
  • Weitere Informationen: https://en.wikiversity.org/wiki/CIVICS

Aufgabe/Ziel der Fördermaßnahme

Der Südkaukasus ist ein prioritärer „Hotspot“ der biologischen Vielfalt in der gemäßigten Zone. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR verarmte die ländlichen Bevölkerung; Nutzungseinschränkungen im Zuge der Einrichtung von Großschutzgebieten sind schwierig durchzusetzen; im schlimmsten Fall wirken die Nutzungseinschränkungen als enteignungsgleiche Eingriffe. Ethnisch differierende Muster der Landnutzung können die Wirkung der Kaukasusstrategie der Bundesregierung bei der Ausweisung von Schutzgebiete beeinträchtigen. Das Projekt soll kaukasische Wissenschaftler/innen befähigen, detaillierte sozio-ökonomische Analysen vorzunehmen, die solche Folgen im Sinne einer integrativen Naturschutzplanung ex ante identifizieren und verhindern helfen.

Besondere Ergebnisse und Erfolge der Maßnahme

  • Gewinnung qualitativer und quantitativer Daten, die belegen, dass Einschränkungen der Weiderechte im Sommer die Bevölkerung im ganzen Projektgebiet erheblich belasten.
  • Potenzial zur Intensivierung und Diversifizierung der Produktion außerhalb der Schutzzonen, womit eine Reduzierung der Konflikte zwischen Naturschutz und Landwirtschaf möglich wäre.
  • Veröffentlichung der Ergebnisse für lokale wie überregionale mit der Schutzgebietsplanung befasste Stellen.
  • Gründung des Projektportals „Caucasus Virtual Institute of Conservation Science and Education, CIVICS“ im Rahmen der Wikiversity zur Erleichterung der internationalen und interdisziplinären Zusammenarbeit und Ausbildung.
  • Verbreitung der Projektergebnisse und Anbahnung von Folgeaktivitäten in Veranstaltungen vor Ort.

Einsatz der Ergebnisse

Zusammen mit Wissenschaftlern aus Georgien (GE), Armenien (AM) und Azerbeidschan (AZ) werden seit 2012 vier Fallstudiengebiete untersucht: die Schutzgebiete in Lagogekhi (GE) und in Zaqatala (AZ) sowie die Nationalparks von Lake Arpi (AM) und Samtskhe-Javakheti (GE). Unter der Betreuung der deutschen Partner in den einzelnen Ländern führten kaukasische Wissenschaftler/innen intensive Gespräche mit Mitarbeiter/innen der Regional- und Nationalparkverwaltungen, der vor Ort tätigen Nicht-Regierungsorganisationen und betroffenen Landnutzern. Zudem wurden Wertschätzungen für Weideland und für Fortbildungen im Bereich ländlicher Einkommensalternativen erhoben. Der Zugang zu Sommerweiden schälte sich als ein kritischer Punkt der Schutzgebietsplanung heraus. Während die Zusammenarbeit mit der ortsansässigen Bevölkerung – mit Unterschieden – akzeptabel gelingt, bleibt es schwierig, die saisonalen Hirten und ihre Herden zu integrieren. So nutzen in Samtskhe-Javakheti ethnisch azerische Hirten Sommerweiden inmitten ethnisch armenischer Dörfer.

Mehrwert der internationalen Zusammenarbeit

Die Forschungspartnerschaft gründet sich auf gemeinsam geplante und durchführte Forschungen, die durch die Vermittlung spezifischer Methoden ergänzt wurden. Die erarbeitete Methodik wurde als "Werkzeugkasten" für weitere Anwendungen seitens der kaukasischen Projektpartner bereitgestellt. Durch die Einbindung international sichtbarer Göttinger Arbeitsgruppen wurde die Qualität der Qualifizierungsmaßnahmen und die Intensität der wissenschaftlichen Kooperation sichergestellt. Die Göttinger Capacity Building-Komponenten werden weiterhin in Zusammenarbeit mit dem Göttinger Center for Tropical and Subtropical Agriculture and Forestry (CeTSAF) durchgeführt. In dieser Kombination aus methodisch anspruchsvoller Forschung in regionalen Pilotanwendungen und Capacity Building handelt es sich um einen neuen, viel versprechenden Kooperationsansatz.