Iran

Nach Aufhebung der langjährigen Sanktionen gegen den Iran durch die Europäische Union im Jahr 2015 stehen die Wiederbelebung und Intensivierung der Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Forschung im Mittelpunkt des gegenseitigen Interesses. Die deutsch-iranische Forschungskooperation basiert auf einer Jahrhunderte zurückreichenden Tradition.

Theran in winter

Teheran im Winter © Alexander / Fotolia

Förderung der Zusammenarbeit

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Zusammenarbeit deutscher Einrichtungen mit iranischen Partnern durch verschiedene Fördermaßnahmen.

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Seit 1977 besteht ein beidseitig anerkanntes Abkommen zur Kooperation in Wissenschaft und Technologie. Die inhaltliche Grundlage der Zusammenarbeit ist die ausdifferenzierte Forschungslandschaft des Iran mit – auch im internationalen Vergleich – hochqualifizierten Wissenschaftlern. Zugleich wird Deutschland von iranischer Seite als einer der weltweit wichtigsten Wissenschaftspartner gesehen und genießen die deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Iran großes Ansehen.

Politischer Rahmen

Die bilaterale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie basiert auf dem Abkommen zwischen Deutschland und Iran über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung vom 21. November 1977. Die in dem Abkommen formulierten Grundsätze der Kooperation wurden in den vergangenen Jahren durch eine ganze Reihe von "Declarations of Intent" zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und verschiedenen iranischen Partnerministerien konkretisier. So unterzeichneten das BMBF und das iranische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Technologie (MSRT) im Jahr 2016 Absichtserklärungen zur Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung sowie in beruflicher Bildung. Mit dem iranischen Ministerium für Energie (MoE) wurde im Jahr 2017 eine Absichtserklärung zur Kooperation in den Bereichen Wasser, Abwasser und Energieeffizienz unterzeichnet. Ebenfalls im Jahr 2017 wurde mit dem Ministerium für Gesundheit und medizinische Forschung (MoHME) eine Absichtserklärung zur Kooperation in medizinischer Ausbildung und Forschung unterzeichnet.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Durch wechselseitige Delegationsreisen, gemeinsame Veranstaltungen verschiedener Formate und nicht zuletzt durch Förderbekanntmachungen zur Unterstützung der deutsch-iranischen Forschungszusammenarbeit werden das Abkommen und die Absichtserklärungen ausgestaltet und umgesetzt.

Höhepunkt des Jahres 2016 und zugleich Initialzündung zur Wiederaufnahme kooperativer Beziehungen in Wissenschaft und Forschung war die im Herbst des Jahres durchgeführte, hochkarätig besetzte Delegationsreise nach Iran unter Leitung von Staatssekretär Schütte. Vorangegangen war eine vorbereitende Abteilungsleiterreise nach Iran.

Höhepunkte des Jahres 2017 waren die im Mai 2017 wieder aufgenommenen regelmäßigen Deutsch-Iranischen WTZ-Gespräche. Die erste Sitzung in Bonn stand ganz im Zeichen der Wiederbelebung und Intensivierung der deutsch-iranischer Partnerschaft. Zur Unterstützung der sich entwickelnden Kooperation wurden verschiedene Maßnahmen etwa zur Entwicklung der gemeinsamen Berufsausbildungsprogramme, zur Pflege des direkten Austausches oder zur Förderung der bilateralen Mobilität beschlossen. Im September 2017 eröffnete iMOVE mit dem Büro in Teheran die nach Delhi und Shanghai dritte internationale Kontaktstelle zur Unterstützung deutscher Bildungsanbieter beim Markteintritt in Iran und zur Lenkung der Nachfrage nach deutschen Bildungsprodukten und Dienstleistungen aus Iran nach Deutschland.

Höhepunkt des Jahres 2018 war der Tag der deutschen Wissenschaft in Teheran und Isfahan. Ziel der Veranstaltung war es, den iranischen Wissenschaftlern die deutsche Forschungsinfrastruktur näher zu bringen sowie neue bilaterale Forschungsprojekte zu initiieren. Unter Leitung des BMBF waren deutsche Forschungs- und Mittlerorganisationen, Universitäten und Hochschulen mit 58 Teilnehmern vertreten. Hiermit handelte es sich zugleich um eine der größten bislang vom BMBF geführten Delegationen überhaupt. Dieses eindrucksvolle Zeugnis für das breite Interesse der deutschen Forschungslandschaft an Kooperationen mit Iran wurde von den iranischen Gastgebern gespiegelt: Etwa 550 Iraner nahmen an der Veranstaltung teil und repräsentierten einen Querschnitt durch die iranische Forschungslandschaft.

Ein weiterer Höhepunkt war die gemeinsame Infotour von BMBF und DFG nach Iran im September 2018. Unter den deutschen Teilnehmern waren die VolkswagenStiftung, der DAAD und der DLR-PT, von iranischer Seite beteiligten sich das MSRT, das MoHME sowie die iranische nationale Wissenschaftsstiftung (INSF) an der Veranstaltungsreihe. Mit dem Ziel der weiteren Intensivierung der deutsch-iranischen Beziehungen in Wissenschaft und Forschung wurde an herausragenden iranischen Hochschulen über Möglichkeiten der deutsch-iranischen Forschungskooperation und der ebenso ausdifferenzierten deutschen wie iranischen Forschungsförderung informiert. Im Zuge der Veranstaltungsreihe wurden die Tehran University, die Universität Yazd, die Ferdowsi Universität Mashhad sowie die Universität von Guilan (ehemals Deutsch-Iranische Universität) besucht.

Im Mai 2019 richtete das BMBF einen mehrtägigen Workshop für ausgesuchte Teilnehmer des Wissenschaftsministeriums MSRT, des Ministeriums für Energie und Wasser MoE sowie des dem MoE zugeordneten NRI Forschungsinstituts aus. Ziel des Workshops war die Vermittlung zeitgemäßer Formen des Forschungsmanagements.

Der für Anfang Dezember 2019 geplante Iranische Tag der Wissenschaft in Deutschland musste angesichts der Ereignisse im Land verschoben werden. Das BMBF verweist in diesem Kontext auf die Erklärung des Auswärtigen Amtes zu den Geschehnissen im Iran. Aufgrund der aktuellen epidemiologischen Situation im Zusammenhang mit dem Corona Virus und der damit einhergehenden Einschränkungen steht die Neuterminierung der Veranstaltung derzeit noch aus. Über einen neuen Termin wird rechtzeitig informiert. Dessen ungeachtet gehört der Bereich Wissenschaft weiterhin zu den geeigneten und zu fördernden Bereichen der bilateralen Zusammenarbeit mit dem Iran. Diese werden weiterverfolgt.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Die Forschungskooperation mit Iran erfolgt entsprechend der thematischen Schwerpunktsetzung des BMBF und in Ausgestaltung der mit den iranischen Partnerministerien unterzeichneten Absichtserklärungen. Im Fokus steht hier die Forschung zu Umweltfragen, zu Risiken und Naturkatastrophen, zu nachhaltigen Energiesystemen, zur Biodiversität und Bioökonomie sowie zu Gesundheitsthemen.

Im Dezember 2018 veröffentlichte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die erste gemeinsame Deutsch-Iranische Förderbekanntmachung zur bilateralen Förderung projektbezogener Mobilität. Die zur Förderung ausgewählten Projekte werden auf iranischer Seite je nach thematischer Ausrichtung vom MSRT oder dem MoHME gefördert. Mit der Umsetzung der Projekte sind auf deutscher wie iranischer Seite die jeweiligen Projektträger betraut. In Deutschland ist dies der DLR-PT, im Iran das Zentrum für internationale Wissenschaftliche Kooperation (CISC) für das MSRT und das Nationale Institut für Gesundheitsforschung (NIMAD) für das MoHME. Insgesamt wurden 26 bilaterale Projektanträge aus den Themenbereichen Umwelt-, Biodiversitäts-, Bioökonomie- und Gesundheitsforschung zur Förderung ausgewählt.

Erfolgsprojekte

Ein wichtiger thematischer Fokus der deutsch-iranischen Zusammenarbeit liegt im Bereich der Risiko- und Katastrophenforschung. Neben Naturkatastrophen werden hier auch epidemiologische Risiken mitgedacht. Aus diesem Schwerpunkt ist mit Start im April 2020 das Projekt INCREASE-HEALTH-CORONA hervorgegangen. Das Projekt zielt auf die Durchführung von Echtzeitanalysen nationaler und internationaler Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19. Unter Beachtung verschiedener Skalen und komplexer damit verbundener Risiken und Vulnerabilitäten (ökonomisch, sozial, kulturell) werden Praktiken zur Bekämpfung der Epidemie umfassend und auf verschiedenen Maßstabsebenen analysiert. Hieraus werden Erfolgsbeispiele identifiziert. Unter Beachtung ökonomischer, sozialer und kultureller Effekte werden diese kultur- und wirtschaftssensibel auf Iran übertragen und hieraus Entscheidungshilfen formuliert.

Zum Themenfeld der Wasserwirtschaft fördert das BMBF unter anderem das Projekt „Integriertes Wasserressourcen-Management im Iran“. Hierdurch leistet das Bundesministerium einen Beitrag zur Entwicklung einer nachhaltigen Wasserwirtschaft in dem von Wassermangel stark betroffenen Einzugsgebiet des Zayandeh Rud im Zentraliran. Seit 2010 erarbeitet und implementiert ein deutsch-iranisches aus Wissenschaftlern, Unternehmen und Regierungsinstitutionen bestehendes Konsortium Maßnahmen, um die Wassernutzung entlang des Flusses nachhaltig zu gestalten und ein deutsch-iranisches Schulungszentrum für den Wassersektor aufzubauen.