Chile

Chile baut in den kommenden Jahren seinen Rohstoffsektor weiter aus. Deutschland und Chile haben deshalb eine Rohstoffpartnerschaft geschlossen. Das südamerikanische Land ist seit 2019 Zielland der Fördermaßnahme „CLIENT II – Internationale Partnerschaften für Nachhaltige Innovationen“. Chile besitzt ein großes Potenzial an hochqualifizierten Wissenschaftlern und verfügt über sehr gute Forschungseinrichtungen.

Molybdän-Abbau in Chile

Optimierung der Gewinnung von Molybdän in chilenischer Kupferminen © Helmholtz-Institut für Ressourcenforschung in Freiberg

Förderungsmöglichkeiten für Chile

Im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit in Bildung und Forschung wird der Wissenschaftleraustausch in Kooperationsprojekten zwischen Deutschland und Chile durch verschiedene Förderinstrumente unterstützt.

Weitere Informationen zur Deutsch-Chilenischen Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ) finden Sie hier.

Politischer Rahmen

Chile, seit Mai 2010 OECD-Mitglied, ist eines der wirtschaftlich prosperierendsten und politisch stabilsten Länder in Lateinamerika. Die chilenische Wirtschaft weist üblicherweise starke Wachstumsraten auf, die von der Inlandsnachfrage und den hohen Kupferpreisen getragen werden. Chile besitzt circa 40 Prozent der weltweit existierenden Kupfervorkommen. Die aktuelle Regierung unter Präsident Sebastian Piñera setzt seit März 2018 die Reformpolitik der Vorgängerregierung im Bildungsbereich größtenteils fort. Hierzu gehört die Gründung eines neuen Wissenschaftsministeriums (Ministerio de Ciencia, Tecnología, Conocimiento e Innovación) im Jahre 2018. Erster Minister ist der Neurobiologe Andrés Couve Correa.

Grundlage der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Chile ist das am 1. Oktober 2012 unterzeichnete neue bilaterale WTZ-Abkommen. Das Abkommen ersetzt das am 28. August 1970 geschlossene Regierungsabkommen. Es soll den veränderten politischen Rahmenbedingungen, vor allem der demokratischen Entwicklung in Chile Rechnung tragen sowie die Entwicklungen der bilateralen WTZ der letzten 40 Jahre reflektieren.

Die Forschungspolitik wird auf chilenischer Seite vom Ministerium für Wissenschaft, Technologie, Wissen und Innovation (MINCIENCIA) und von der Nationalen Agentur für Forschung und Entwicklung (ANID) umgesetzt. In der Gegenfinanzierung der bilateralen Projekte ist die Behörde der wichtigste fachliche Partner. Auf deutscher Seite ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung für die WTZ mit Chile zuständig. Es wird dabei vom Internationalen Büro im DLR Projektträger unterstützt.

Staatspräsident Präsident Sebastian Piñera hat neben den Bildungsreformen eine Stärkung der angewandten Forschung in Unternehmen sowie der Fachausbildung in seinem Regierungsprogramm begonnen, um so die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu erhöhen.

Schwerpunkte der deutsch-chilenischen Zusammenarbeit

Sowohl der Blick in das Weltall als auch die Erforschung des antarktischen Kontinents findet im Verbund mit internationalen Partnern von Chile aus statt. Leistungsfähige Großgeräte wie Teleskope und Forschungssatelliten bringen wichtige Forschungsergebnisse auf einige der drängendsten Fragen der Astrophysik. Das BMBF finanziert 26 Prozent der Kosten der Europäischen Südsternwarte (ESO) mit ihren Standorten Santiago, Paranal, La Silla und Chajnantor in Chile. Damit ist Deutschland der größte Beitragszahler innerhalb der 11 beteiligten europäischen Länder.

Auf den Kommissionssitzungen legt das BMBF im Dialog mit dem chilenischen Außenministerium (MINREL) gemeinsam mit dem chilenischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie, Wissen und Innovation (MINCIENCIA) und mit der Nationalen Agentur für Forschung und Entwicklung (ANID) die Schwerpunktthemen für die Kooperation fest. Die WTZ mit Chile konzentriert sich auf die Bereiche Meeres- und Polarforschung, Bergbau und Rohstoffgewinnung, Gesundheitsforschung, Biotechnologie, grundlagenorientierte Forschung zu erneuerbaren Energien, Umweltwissenschaften und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen sowie auf die Zusammenarbeit in der Hochschul- und beruflichen Bildung.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Katastrophen rechtzeitig erkennen

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterhält mit Unterstützung des BMBF das Verbundprojekt „RIESGOS 2.0 - Multi-Risiko Analyse und Informationssystemkomponenten für die Andenregion“, dass auf Vorläufer-Projekt RIESGOS aufbaut. Anhand innovativer Forschungsmethoden werden komplexe Multi-Risiko Situationen und damit verbundenen kaskadierenden Effekte in ausgewählten Regionen in Chile, Ecuador und Peru analysiert.

Das System integriert terrestrische Beobachtungsnetze der Seismologie und Geodäsie mit marinen Messverfahren und Satellitenbeobachtungen. Hauptpartner auf chilenischer Seite ist das Exzellenzzentrum für Naturgefahren „National Research Center for Integrated Natural Disasters Management – CIGIDEN“, bestehend aus vier chilenischen Universitäten. Da das System auch für andere Katastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbruch, Überschwemmungen, Feuer und Erdrutsche ausgebaut werden soll, sind weitere Forschungen nötig. Hintergrund für das Projekt ist der große Tsunami von 2010 in Chile.

Tsunami-Frühwarncenter Chile Tsunami-Frühwarncenter Führung
DLR-Projekt „RIESGOS “. Projektteilnehmer im Frühwarnzentrum der SHOA (Hydrografischer Dienst der chilenischen Armee)

Das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) betreiben seit 1991 die deutsche Forschungsstation GARS O’Higgins (German Antarctic Receiving Station) in der Antarktis. Seit Anfang 2010 befinden sich ganzjährig Kampagnenteams vor Ort. Maximal zehn Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker arbeiten in GARS O’Higgins. Der Betrieb der Station erfolgt in enger Kooperation mit dem Chilenischen Antarktis-Institut (INACH).

Nachhaltiger Umgang mit Rohstoffen

Die chilenische Regierung wird in den nächsten Jahren weiter in den Bergbausektor investieren. Sie will den Abbau und die Nutzung von Rohstoffen optimieren und umweltfreundlicher gestalten. Dazu benötigt sie unter anderem verbesserte technische Kenntnisse und gut ausgebildete Fachkräfte. Deutschland wiederum hat Interesse, sich den Zugang zu Rohstoffen in Chile zu sichern. Vor diesem Hintergrund haben Deutschland und Chile eine Rohstoffpartnerschaft geschlossen. Die gemeinsamen Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet werden weiter ausgebaut.

Unter dem Dach des Förderprogramms „CLIENT II - Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen“ des Bundesforschungsministeriums werden fünf Forschungsprojekte mit Chile gefördert: Neben zwei Projekten zur Risikobewertung in der Andenregion laufen außerdem Projekte zu Rohstoffeffizienz, Wasser und Natur-Risiken im Fokus.

Unter dem Dach von Fraunhofer Chile Research (FCR) ist das Exzellenzzentrum „Center for Solar Energy Technologies (CSET)“ mit Unterstützung der chilenischen Wirtschaftsförderbehörde CORFO gegründet worden. Es handelt sich um eine Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. Es sollen vor allem Solartechnologien im Norden Chiles durch die Konstruktion von verschiedenen Pilotanlagen erprobt werden. Der offizielle Start des Photovoltaik-Projekts „AtaMoS-Tec“ fand am 19. Januar 2018 in Antofagasta statt. Ausländische Partner sind außerdem das CEA INES (Frankreich) und das ISC Konstanz (Deutschland). Das Fraunhofer CSET will damit zur Generierung von Innovationen, zur Etablierung einer chilenischen Solarwirtschaft sowie zur umfassenden Implementierung der Solarenergie in den wichtigsten Industriesektoren Chiles beitragen.

Förderung der Zusammenarbeit mit Chile

Zur Unterstützung der Vernetzung werden Förderbekanntmachungen des BMBF vom Internationalen Büro im DLR Projektträger gemeinsam mit dem chilenischen Partner ANID veröffentlicht. Die Förderung ermöglicht es Forschergruppen aus Deutschland und Chile, in gemeinsamen Projekten zusammenzuarbeiten und Forschungsphasen im jeweils anderen Land zu realisieren.

Außerdem werden von Seiten des für die Zusammenarbeit mit Chile zuständigen Länderreferats Mittel für Anbahnungsaktivitäten, Workshops, den Wissenschaftleraustausch und für die Nachwuchsförderung aufgewendet. Maßnahmen zur Werbung für den Studien- und Forschungsstandort Deutschland gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Aus den Fachprogrammen des BMBF werden zudem weitere Forschungsvorhaben gefördert. Auch DAAD und DFG haben spezifische Förderprogramme mit chilenischen Partnern.

Die Rolle des Internationalen Büros

Die bilaterale Kooperation der Regierungen sowie der Forschungs- und Entwicklungs-Institutionen wird in Deutschland auch vom Internationalen Büro (IB) unterstützt.

Deutsch-Chilenische Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit (WTZ)

Im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit in Bildung und Forschung zwischen Deutschland und Chile wird der Wissenschaftleraustausch in internationalen Kooperationsprojekten gefördert. Auf Antrag können Zuschüsse gewährt werden zu Mobilitätskosten im Rahmen eines bilateralen Kooperationsprojekts (Mobilitätsprojekte). In Einzelfällen können darüber hinaus bilaterale Workshops zu Themen von strategischem Interesse finanziert werden.

Art der Unterstützung

In der Regel wird die Unterstützung in Form von Mobilitäts- und in besonderen Fällen Sachbeihilfen gewährt. Dabei werden von Seiten des IB grundsätzlich Reisekosten von deutschen Projektteilnehmern ins Ausland und Aufenthaltskosten ausländischer Projektteilnehmer in Deutschland bezuschusst.

Mobilitätsprojekte

Anträge für Mobilitätsprojekte können nur nach vorheriger Förderbekanntmachung zu bestimmten Fristen eingereicht werden. Die Förderbekanntmachungen beinhalten bilateral vereinbarte thematische Schwerpunktbereiche - mit Bezug zu BMBF-Fachprogrammen. Der Antrag ist gemeinsam mit dem ausländischen Partner parallel beim IB und bei der chilenischen Partnerorganisation (ANID) einzureichen.

Sollte eine bilaterale Förderbekanntmachung aktuell sein, so finden Sie Informationen zu Schwerpunkten und Antragsverfahren hier. Vor der Beantragung wird empfohlen, Kontakt mit der fachlichen Ansprechpartnerin im Internationalen Büro, Dr. Inge Lamberz de Bayas, aufzunehmen.

Informationen zum korrespondierenden Programm des ANID in Chile findet Ihr chilenischer Partner auf der Website des Programms.