Chile

Chile baut in den kommenden Jahren seinen Rohstoffsektor weiter aus. Im Januar 2013 haben Deutschland und Chile deshalb eine Rohstoffpartnerschaft geschlossen. Das südamerikanische Land ist somit potenzielles Zielland von BMBF-Fördermaßnahmen im Bereich „Wirtschaftsstrategischer Rohstoffe“. Chile besitzt ein großes Potenzial an hochqualifizierten Wissenschaftlern und verfügt über sehr gute Forschungseinrichtungen.

Molybdän-Abbau in Chile

Optimierung der Gewinnung von Molybdän in chilenischer Kupferminen © Helmholtz-Institut für Ressourcenforschung in Freiberg

Förderungsmöglichkeiten für Chile

Im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit in Bildung und Forschung wird der Wissenschaftleraustausch in Kooperationsprojekten zwischen Deutschland und Chile durch verschiedene Förderinstrumente unterstützt.

Weitere Informationen zur Deutsch-Chilenischen Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit (WTZ) finden Sie hier.

Politischer Rahmen

Chile, seit Mai 2010 OECD-Mitglied, ist eines der wirtschaftlich prosperierendsten und politisch stabilsten Länder in Lateinamerika. Die chilenische Wirtschaft weist starke Wachstumsraten auf, die von der Inlandsnachfrage und den hohen Kupferpreisen getragen werden. Chile besitzt circa 40 Prozent der weltweit existierenden Kupfervorkommen. Die aktuelle Regierung unter Präsident Sebastian Piñera (seit März 2018) will die Reformpolitik der Vorgängerregierung im Bildungsbereich größtenteils fortsetzen. Die Gründung eines neuen Wissenschaftsministeriums (Ministerio de Ciencia, Tecnología, Conocimiento e Innovación) ist seit August 2018 beschlossen. Erster Minister ist der Neurobiologe Andrés Couve Correa.

Grundlage der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Chile ist das am 1. Oktober 2012 unterzeichnete neue bilaterale WTZ-Abkommen. Das Abkommen ersetzt das am 28. August 1970 geschlossene Regierungsabkommen. Es soll den veränderten politischen Rahmenbedingungen, vor allem der demokratischen Entwicklung in Chile Rechnung tragen sowie die Entwicklungen der bilateralen WTZ der letzten 40 Jahre reflektieren.

Die Forschungspolitik wird auf chilenischer Seite derzeit noch vom Nationalen Rat für wissenschaftliche Forschung und Technologie CONICYT (Comisión Nacional de Investigación Científica y Tecnológica) umgesetzt. Die Behörde ist der wichtigste fachliche Partner, vor allem in der Gegenfinanzierung der bilateralen Projekte. Das neue Wissenschaftsministerium wird zukünftig diese Aufgaben übernehmen. Auf deutscher Seite ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für die WTZ mit Chile zuständig. Es wird dabei vom Projektträger im DLR, Internationales Büro (IB) unterstützt.

Die chilenische Regierung hat die begonnene Politik zur Förderung der chilenischen Forschung fortgesetzt. Staatspräsident Präsident Sebastian Piñera hat neben den Bildungsreformen eine Stärkung der angewandten Forschung in Unternehmen sowie der Fachausbildung in seinem Regierungsprogramm vorgesehen, um so die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu erhöhen.

Schwerpunkte der deutsch-chilenischen Zusammenarbeit

Sowohl der Blick in das Weltall als auch die Erforschung des antarktischen Kontinents findet im Verbund mit internationalen Partnern von Chile aus statt. Leistungsfähige Großgeräte wie Teleskope und Forschungssatelliten bringen wichtige Forschungsergebnisse auf einige der drängendsten Fragen der Astrophysik. Das BMBF finanziert 26 Prozent der Kosten der Europäischen Südsternwarte (ESO) mit ihren Standorten Santiago, Paranal, La Silla und Chajnantor in Chile. Damit ist Deutschland der größte Beitragszahler innerhalb der 11 beteiligten europäischen Länder.

Auf den Kommissionssitzungen legt das BMBF im Dialog mit dem chilenischen Außenministerium (MINREL) gemeinsam mit dem Bildungsministerium (MINEDUC) und dem Nationalen Forschungsrat (CONICYT) die Schwerpunktthemen für die Kooperation fest. Die WTZ mit Chile konzentriert sich auf die Bereiche Meeres- und Polarforschung, Bergbau und Rohstoffgewinnung, Gesundheitsforschung, Biotechnologie, grundlagenorientierte Forschung zu erneuerbaren Energien, Umweltwissenschaften und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen sowie auf die Zusammenarbeit in der Hochschul- und beruflichen Bildung.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Katastrophen rechtzeitig erkennen

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterhält mit Unterstützung des BMBF das Verbundprojekt „RIESGOS - Multi-Risiko Analyse und Informationssystemkomponenten für die Andenregion“. Anhand innovativer Forschungsmethoden werden komplexe Multi-Risiko Situationen und damit verbundenen kaskadierenden Effekte in ausgewählten Regionen in Chile, Ecuador und Peru analysiert. Das System integriert terrestrische Beobachtungsnetze der Seismologie und Geodäsie mit marinen Messverfahren und Satellitenbeobachtungen. Hauptpartner auf chilenischer Seite ist das Exzellenzzentrum für Naturgefahren „National Research Center for Integrated Natural Disasters Management – CIGIDEN“, bestehend aus vier chilenischen Universitäten. Da das System auch für andere Katastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbruch, Überschwemmungen, Feuer und Erdrutsche ausgebaut werden soll, sind weitere Forschungen nötig. Hintergrund für das Projekt ist der große Tsunami von 2010 in Chile.

Tsunami-Frühwarncenter Chile Tsunami-Frühwarncenter Führung
DLR-Projekt „RIESGOS “. Projektteilnehmer im Frühwarnzentrum der SHOA (Hydrografischer Dienst der chilenischen Armee)

Das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) betreiben seit 1991 die deutsche Forschungsstation GARS O’Higgins (German Antarctic Receiving Station) in der Antarktis. Seit Anfang 2010 befinden sich ganzjährig Kampagnenteams vor Ort. Maximal zehn Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker arbeiten in GARS O’Higgins. Der Betrieb der Station erfolgt in enger Kooperation mit dem Chilenischen Antarktis-Institut (INACH).

Nachhaltiger Umgang mit Rohstoffen

Die chilenische Regierung wird in den nächsten Jahren weiter in den Bergbausektor investieren. Sie will den Abbau und die Nutzung von Rohstoffen optimieren und umweltfreundlicher gestalten. Dazu benötigt sie unter anderem verbesserte technische Kenntnisse und gut ausgebildete Fachkräfte. Deutschland wiederum hat Interesse, sich den Zugang zu Rohstoffen in Chile zu sichern. Vor diesem Hintergrund haben Deutschland und Chile eine Rohstoffpartnerschaft geschlossen. Die gemeinsamen Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet sollen weiter ausgebaut werden.

Unter dem Dach des Förderprogramms „CLIENT II - Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen“ des Bundesforschungsministeriums werden zwei Forschungsprojekte mit Chile gefördert: Die Technische Universität Bergakademie Freiberg untersucht in dem Vorhaben „Secondary Mining“ wie aus chilenischen Bergbau-Halden wichtige wirtschaftsstrategische Rohstoffe zurückgewonnen werden können. Darüber hinaus werden technische Lösungen entwickelt, die zu einer umweltschonenderen Lagerung der Restmaterialien führen. Neben der Rohstoffeffizienz stehen auch die Themen Wasser und Natur-Risiken im Fokus.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme entwickelt ein Verfahren, mit dem die mineralischen Rohstoffe aus den Solen, die bei der Nutzung der Geothermie zutage treten, effektiv abgetrennt werden können. Dabei wird der wesentliche Energiebedarf CO2-neutral über die geothermische Wärme gedeckt. Als weitere Ressource wird bei der Aufbereitung der Solen reines Trinkwasser gewonnen, an dem es vor allem im Norden Chiles massiv mangelt.

Unter dem Dach von Fraunhofer Chile Research (FCR) ist 2015 das Exzellenzzentrum „Center for Solar Energy Technologies (CSET)“ mit Unterstützung der chilenischen Wirtschaftsförderbehörde CORFO gegründet worden. Es handelt sich um eine Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. Es sollen vor allem Solartechnologien im Norden Chiles durch die Konstruktion von verschiedenen Pilotanlagen erprobt werden. Das Fraunhofer CSET will damit zur Generierung von Innovationen, zur Etablierung einer chilenischen Solarwirtschaft sowie zur umfassenden Implementierung der Solarenergie in den wichtigsten Industriesektoren Chiles beitragen. Fraunhofer Chile Research (FCR) wurde 2010 gegründet und ist das erste internationale Exzellenzzentrum der Forschungsinstitution in der südlichen Hemisphäre.

Förderung der Zusammenarbeit mit Chile

Zur Unterstützung der Vernetzung werden jährliche Förderbekanntmachungen von Projektträger -Internationales Büro mit dem chilenischen Partner CONICYT veröffentlicht. Die Förderung ermöglicht es Forschergruppen aus Deutschland und Chile, in gemeinsamen Projekten zusammenzuarbeiten und Forschungsphasen im jeweils anderen Land zu realisieren.

Außerdem werden von Seiten des für die Zusammenarbeit mit Chile zuständigen Länderreferats Mittel für Anbahnungsaktivitäten, Workshops, den Wissenschaftleraustausch und für die Nachwuchsförderung aufgewendet. Maßnahmen zur Werbung für den Studien- und Forschungsstandort Deutschland gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Aus den Fachprogrammen des BMBF werden zudem weitere Forschungsvorhaben gefördert. Auch DAAD und DFG haben spezifische Förderprogramme mit chilenischen Partnern.

Die Rolle des Internationalen Büros

Die bilaterale Kooperation der Regierungen sowie der Forschungs- und Entwicklungs-Institutionen wird in Deutschland auch vom Internationalen Büro (IB) unterstützt.

Deutsch-Chilenische Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit (WTZ)

Im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit in Bildung und Forschung zwischen Deutschland und Chile wird der Wissenschaftleraustausch in internationalen Kooperationsprojekten gefördert. Auf Antrag können Zuschüsse gewährt werden zu Mobilitätskosten im Rahmen eines bilateralen Kooperationsprojekts (Mobilitätsprojekte). In Einzelfällen können darüber hinaus bilaterale Workshops zu Themen von strategischem Interesse finanziert werden.

Art der Unterstützung

In der Regel wird die Unterstützung in Form von Mobilitäts- und in besonderen Fällen Sachbeihilfen gewährt. Dabei werden von Seiten des IB grundsätzlich Reisekosten von deutschen Projektteilnehmern ins Ausland und Aufenthaltskosten ausländischer Projektteilnehmer in Deutschland bezuschusst.

Mobilitätsprojekte

Anträge für Mobilitätsprojekte können nur nach vorheriger Förderbekanntmachung zu bestimmten Fristen eingereicht werden. Die Förderbekanntmachungen beinhalten bilateral vereinbarte thematische Schwerpunktbereiche - mit Bezug zu BMBF-Fachprogrammen - und werden in der Regel jährlich im Sommer veröffentlicht. Der Antrag ist gemeinsam mit dem ausländischen Partner parallel im IB und bei der chilenischen Partnerorganisation (CONICYT) einzureichen.

Sollte eine bilaterale Förderbekanntmachung aktuell sein, so finden Sie Informationen zu Schwerpunkten und Antragsverfahren hier. Vor der Beantragung wird empfohlen, Kontakt mit der fachlichen Ansprechpartnerin im Internationalen Büro, Dr. Inge Lamberz de Bayas, aufzunehmen.

Informationen zum korrespondierenden Programm des CONICYT in Chile findet Ihr chilenischer Partner auf der Website des Programms.

Maßnahmen zur Anbahnung in Themenbereichen von besonderem BMBF-Interesse

In Abstimmung mit dem Internationalen Büro können in Einzelfällen zu Themen, die für das BMBF von besonderem strategischem Interesse sind, bilaterale Workshops finanziert werden. Diese Workshops sollen darauf ausgerichtet sein, Partner in Forschungsbereichen zusammen zu bringen, die einen Bezug zu den Fachprogrammen des BMBF und dem europäischen Forschungsrahmenprogramm haben. In der Regel wird die Unterstützung in Form von Mobilitäts- und in besonderen Fällen Sachbeihilfen (in Zusammenhang mit der Vorbereitung und Durchführung des Workshops) gewährt.