G7 / G20

Die „Gruppe der Sieben“ (G7) und die „Gruppe der Zwanzig“ (G20) sind informelle Foren der Staats- und Regierungschefs. Die jährlich rotierende Präsidentschaft entscheidet, welche Themen bei den Gipfel- sowie Ministertreffen besprochen werden. Die Foren bieten politischen Entscheidungsträgern die Möglichkeit sich informell auszutauschen. Die G7 und G20 verstehen sich als multilaterale Wertegemeinschaft.

Inhalt

Aktuelles

Wie auf fast alle Lebensbereiche schlugen sich die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf die Arbeit der G7 und der G20 nieder. So bekannten sich die G7 Wissenschafts- und Technologieminister in ihrer gemeinsamen Erklärung zu einer verstärkten Zusammenarbeit in der COVID-19-Forschung, darunter fallen u.a. die Erforschung und Entwicklung von Therapeutika und Impfstoffen, der öffentliche Zugang zu Forschungsergebnissen und Forschungsdaten (Open Access), sowie der Start der Globalen Partnerschaft zur Künstlichen Intelligenz (GPAI). Auch die G20 hoben bei ihren Treffen und in den gemeinsamen Erklärungen beim G20-Bildungsministertreffen zu COVID-19 und beim regulären G20-Bildungsministertreffen ihre Wertschätzung für den internationalen Austausch bei der Pandemiebekämpfung hervor und forderten, die Bildungskontinuität zu gewährleisten. Gerade in der Bildung könnten Lehrausfälle durch digitale Lösungen abgemildert werden. In der Krise fand insbesondere der internationale, teils ad-hoc einberufene Austausch über bestehende Gremien und internationale, multilaterale Organisationen große Anerkennung.

Struktur

Die „Gruppe der Sieben“ (G7) und die „Gruppe der Zwanzig“ (G20) sind informelle Foren der Staats- und Regierungschefs. Die jährlich rotierende Präsidentschaft ist für die Gestaltung der Agenda des Gipfels und die Organisation aller weiteren (Fach-)Treffen verantwortlich. Die amtierende Präsidentschaft wird von der vorhergehenden Präsidentschaft und dem Nachfolger als Troika unterstützt. Jede Präsidentschaft wählt eigene Schwerpunktthemen aus, die von Fachministern besprochen werden. Oftmals wird die Präsidentschaft unter ein Motto gestellt. Entscheidungen in beiden Foren werden im Konsens getroffen. Gleichwohl haben sie keinen rechtlich bindenden Charakter. Beide Foren haben weder einen ständigen Hauptsitz, noch Büros oder Personal.

Die G7 und die G20 verstehen sich als Wertegemeinschaft für Frieden, Sicherheit und ein selbstbestimmtes Leben weltweit. Freiheit und Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie Wohlstand und nachhaltige Entwicklung sind zentrale Grundsätze.

Seit ihren Gründungen treffen sich die Staats- und Regierungschefs (der G7 und G20) auf Einladung der jeweiligen Präsidentschaft in der Regel jährlich. Diese Treffen bieten den Staatsoberhäuptern die Möglichkeit, ihre Standpunkte im persönlichen Gespräch auszutauschen. Zu jedem Gipfel werden eine Gipfelerklärung mit den wichtigsten Ergebnissen sowie gegebenenfalls begleitende Berichte und Arbeitspläne herausgegeben. Die Themen und Erklärungen für den Gipfel werden von den Sherpas vorbereitet. Die Sherpas sind persönliche Abgesandte der Staats- und Regierungschefs.

In den Abschlusserklärungen der Gipfeltreffen einigen sich die Staats- und Regierungschefs auf gemeinsame Ziele, Aufgaben und Leitlinien. Deren Umsetzung ist in erster Linie in nationaler Verantwortung. Nach jedem Gipfel informiert die Bundesregierung die Ausschüsse des Deutschen Bundestages über die Ergebnisse. Die Berichte der Bundesregierung zu den G7/G8- und G20-Gipfeln der vergangenen Jahre sind unter "Berichte und Erklärungen der Bundesregierung" zu finden.

Mitglieder

G7

Die G7 umfassen derzeit Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA. Die Europäische Kommission hat einen ständigen Beobachterstatus. Die Beobachterrolle der EU hat sich im Laufe der Zeit ausgeweitet. Seit dem Ottawa-Gipfel im Jahr 1981 nahm die EU-Kommission regelmäßig an allen Arbeitssitzungen teil. Die EU-Kommission wird als supranationale Organisation in der G7 nicht „mitgezählt“ und übernimmt auch nicht den rotierenden Vorsitz.

Karte G7 Staaten Kanada | seit 1976 (G7) USA | seit 1973 (G4) USA | seit 1973 (G4) Japan | seit 1973 (G5) Vereinigtes Königreich | seit 1973 (G4) Frankreich | seit 1973 (G4) (Bundesrepublik) Deutschland | seit 1973 (G4) Italien | seit 1975 (G6)

G7 Staaten © DLR

Nach der Verletzung der Souveränität und der territorialen Unversehrtheit der Ukraine wurde Russland 2014 von der G8 ausgeschlossen (bis heute). Die Mitgliedstaaten haben damit unterstrichen, dass sie eine Wertegemeinschaft sind, die den Bruch des Völkerrechts nicht unwidersprochen und folgenlos hinnehmen.

Weitere (Gast-)Staaten und Institutionen können von der jeweiligen Präsidentschaft eingeladen werden.

G20

Die G20 traf sich 1999 zum ersten Mal auf der Ebene der Finanzminister und Zentralbankgouverneure. 2008 trafen sich dann zum ersten Mal die Staatsoberhäupter der G20.
Das Forum besteht aus den Mitgliedern: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, der Europäischen Union, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, der Türkei und den Vereinigten Staaten von Amerika. Spanien ist ein permanentes Gastland bei der G20.

Karte G20 Staaten Kanada USA USA Japan Vereinigtes Königreich Frankreich Deutschland Italien Brasilien Argentinien Südafrika Australien Saudi-Arabien Türkei Mexiko Russland China Indien Indien Indonesien Südkorea

G20 Staaten © DLR

Neben den Mitgliedsstaaten wirken auf Einladung der Präsidentschaft noch weitere Staaten und Organisationen an der Arbeit der G20 mit. Regelmäßig Teilnehmende am G20-Prozess sind:

  • der Internationale Währungsfonds (IWF),
  • die Weltbank,
  • die VN mit ihren Sonderorganisationen wie zum Beispiel die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO)),
  • die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD),
  • die Welthandelsorganisation (WTO),
  • die Internationale Arbeitsorganisation (ILO),
  • der Finanzstabilitätsrat (FSB),
  • die Präsidentschaftsländer des Verbands Südostasiatischer Nationen (Association of Southeast Asian Nations (ASEAN)), der Afrikanischen Union (AU) und des Entwicklungsprogramms Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (New Partnership for Africa's Development (NEPAD)).

Präsidentschaften

Es ist Aufgabe des jeweiligen Präsidentschaftslandes inhaltliche Schwerpunkte zu setzen, die Agenda auszugestalten und die Sitzungen zu organisieren und vorzubereiten.

G7-Präsidentschaft

Deutschland war in den Jahren 1978, 1985, 1992, 1999 und 2007 und 2015 Gastgeber der G7/G8 und hatte den Vorsitz damit bisher sechs Mal inne. Deutschland wird im Jahr 2022 erneut die Präsidentschaft übernehmen.

Zeitstrahl G7 Präsidentschaft

Frühere und zukünftige G7 Präsidentschaften © DLR

G20-Präsidentschaft

Die Präsidentschaft rotiert jährlich unter den Mitgliedern. Für die Rotation sind die Länder in regionale Gruppen aufgeteilt. Die Gruppe bestimmt intern, wer im jeweiligen Jahr den Vorsitz übernimmt.

Deutschland hatte bereits 1999 und 2004 den G20-Vorsitz inne und war Gastgeber für die Finanzminister der G20. 2017 hatte Deutschland zuletzt die Gastgeberrolle für die G20. Der G20-Gipfel fand am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg statt.

Aktuell hat Italien die G20-Präsidentschaft; darauf folgt im Jahr 2022 Indonesien.

Zeitstrahl G20 Präsidentschaft

Frühere und zukünftige G20 Präsidentschaften © DLR

Themen

Es ist Aufgabe des jeweiligen Präsidentschaftslandes inhaltliche Schwerpunkte zu setzen. Gleichzeitig wird häufig auf Beschlüsse aus früheren Jahren Bezug genommen, so dass man von einer G7-Agenda und G20-Agenda sprechen kann.

G7-Themen

Beim jährlichen G7-Gipfel tagen die Staats- und Regierungschefs zu Themen, die von der jeweiligen Präsidentschaft vorgegeben werden. Angesichts der ökonomischen Probleme in den 1970er-Jahren – erste Ölkrise und Zusammenbruch des Systems der festen Wechselkurse (Bretton Woods) – diente das Treffen ursprünglich zur Entwicklung von Lösungsansätzen in der internationalen Wirtschaftspolitik, um dem anhaltenden weltweiten Abschwung zu begegnen.
Die G7 hat im Laufe der Zeit ihre Agenda erweitert, so dass sie mittlerweile ein großes Spektrum globaler Fragestellungen abdeckt. Einige Themen finden dabei regelmäßig Eingang in die Agenda, wie bspw. Weltwirtschaft und Handel, Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklungspolitik und Ernährungssicherung, Klima und Energie sowie Arbeit und Soziales.

Im Folgenden werden die Themenschwerpunkte der letzten G7-Gipfel- und Fachministertreffen in den Bereichen Bildung und Wissenschaft aufgeführt:

2020: USA
G7-Sondertreffen der Wissenschafts- und Technologieminister
| 28. Mai, virtuell

2019: Frankreich
G7-Bildungsministertreffen
| 04. Juli, Paris

  • Abschlusserklärung zur frühkindlichen Bildung und Professionalisierung der Lehrerausbildung
  • Kommuniqué zur Bekämpfung von Mobbing an Schulen

G7-Bildungs- und Entwicklungsministertreffen | 05. Juli, Paris

  • Bildung für Mädchen
  • Berufsausbildung zur Unterstützung der sozialen und professionellen Eingliederung

2018: Kanada | kein Ministertreffen zum Thema Bildung und Forschung

2017: Italien
G7-Wissenschaftsministertreffen
| 28.-29. September, Turin

  • Die Qualifizierung von Arbeitskräften für Forschung und Innovation (F&I)
  • Die Rolle der Forschung bei der Förderung von Zukunftstechnologien, Innovationen und ihre Finanzierungsmechanismen
  • Globale Forschungsinfrastrukturen und Zugang zu Daten

Aktuell gibt es vier G7-Arbeitsgruppen im Bereich Wissenschaft und Forschung, welche an kontinuierlichen globalen Themen arbeiten.

Arbeitsgruppe
Vorsitz
Gründungsjahr
Open Science Japan, EU
2016
Future of the Seas and Oceans Großbritannien 2015
GSO Global Research Infrastructures derzeit China (zusammen mit Großbritannien) 2013
Financing Science for Inclusive Growth Kanada, Italien 2017



G20-Themen

Die G20 konzentrierte sich zunächst auf die Reformen zur Regulierung der Finanzmärkte und des internationalen Währungssystems sowie die makroökonomische Zusammenarbeit der G20-Länder. Inzwischen ist die Agenda der G20, ähnlich wie die Agenda der G7, auf viele weitere Themenfelder ausgedehnt worden.

Neben den Schwerpunktthemen Wirtschaft und Finanzen stehen auf der Agenda regelmäßig die Politikfelder:

  • Finanzen und die Folgen für die Weltwirtschaft
  • Globale Gesundheit
  • Klimawandel und Umwelt
  • Agrarwirtschaft und Wasser
  • Digitalisierung
  • Energie
  • Entwicklung
  • Bildung
  • Arbeit und Beschäftigung
  • Gleichberechtigung von Mann und Frau

Infolge des ersten G20-Digitalministertreffens im Jahr 2017 in Deutschland, haben auch die Themen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zunehmend an Bedeutung gewonnen. Aufgrund der thematischen Breite der G20 ergibt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeitsgruppen und Treffen.

2018 setzte Argentinien das Thema Bildung erstmals auf die Agenda.

Im Folgenden werden die Themenschwerpunkte der letzten G7-Gipfel- und Fachministertreffen in den Bereichen Bildung und Wissenschaft aufgeführt:

2020: Saudi-Arabien
G20-Bildungsministertreffen zu COVID-19
| 29. Juni, virtuell

  • Als Folge der Pandemie: Austausch zur globalen Unterbrechung der Bildung und möglichen Lösungsmöglichkeiten
  • Gerechter Zugang zu Bildung durch mehr Digitalisierung und weitere „distance-learning“-Konzepte
  • Veränderte Internationalisierung in der Bildung

G20-Bildungsministertreffen | 05. September, virtuell

  • Bildungskontinuität
  • Frühkindliche Bildung
  • Internationalisierung in der Bildung

2019: Japan | kein Ministertreffen zum Thema Bildung und Forschung

2018: Argentinien | 05. September, Mendoza
G20 gemeinsames Bildungs- und Arbeitsministertreffen

  • Fähigkeiten für die Zukunft (Skills for the future)
  • Bildungsfinanzierung (Financing Education)
  • Internationale Zusammenarbeit in der Bildung

In Vorbereitung auf das erste G20-Bildungsministertreffen wurde die Arbeitsgruppe „Bildung“ (Education Working Group, EdWG) gegründet.

2017: Deutschland | kein Ministertreffen zum Thema Bildung und Forschung

Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft

Der Dialog mit Interessenvertretern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft oder Forschung wird von den Staats- und Regierungschefs aktiv gesucht und unterstützt. Diese Gruppen leisten einen wichtigen Beitrag, um die Themen der G7 und der G20 partizipativ in die Gesellschaft zu tragen und wiederum Empfehlungen zu geben. Die Gruppen verständigen sich auf ein Positionspapier mit Handlungsempfehlungen und können auf diesem Weg Einfluss nehmen. So haben sich aus verschiedenen Nichtregierungsorganisationen u.a. folgende Gruppen in diesem Kontext gegründet:

  • Business: B7 bzw. B20,
  • Civil: C7 bzw. C20,
  • Labour: L7 bzw. L20,
  • Science: S7 bzw. S20,
  • Think (tanks): T7 bzw. T20,
  • Universities: U7 Alliance,
  • Women: W7 bzw. W20,
  • Youth: Y7 bzw. Y20.

Die Gruppen bestehen aus Experten des jeweiligen Bereichs aus allen G7 / G20 Ländern. Im Bereich Wissenschaft (S7/S20) vertritt beispielsweise als Nationale Akademie der Wissenschaften die Leopoldina die deutsche Wissenschaft in dieser Gruppe und erarbeitet zu entsprechenden Themen gemeinsame Stellungnahmen und Empfehlungen für Fachministertreffen/Gipfel.

Das Internationale Büro unterstützt das BMBF in seiner Tätigkeit, die G7 und G20 Prozesse auszugestalten.