Strategic Forum for International S&T Cooperation

Das Strategieforum für Internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie (SFIC) trägt zur Internationalisierung des Europäischen Forschungsraums bei. Die EU-Kommission, die EU-Mitgliedstaaten und die zum EU-Forschungsrahmenprogramm Assoziierten Staaten tauschen sich über internationale Forschungs- und Innovationsaktivitäten aus und versuchen diese sinnvoll zu bündeln.

Ein Team bei dem alle an einem Strang ziehen

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SFICs Rolle: Strategieentwicklung und politische Koordination

SFIC ist ein Empfehlungsgremium aus EU-Kommission, EU-Mitgliedstaaten (Mitglieder) sowie Assoziierten Staaten (Beobachter). Es berät den Rat und die Kommission. Zu diesem Zweck verfolgt SFIC schwerpunktmäßig die folgenden Aufgaben:

  • Prioritäten für internationale Forschungs- und Innovationskooperation zu setzen, mit Hilfe einer langfristigen Strategie einerseits und konkreten Aktivitäten andererseits
  • Stärken Europas in Forschung und Innovation zu identifizieren, um den globalen Herausforderungen zu begegnen
  • Vermittler und Koordinierungsstelle zwischen Kommission und Mitgliedstaaten zu sein
  • Horizontale Politikkoordination auf nationaler und europäischer Ebene zu fördern
  • Austausch untereinander voran zu treiben und gegenseitiges Lernen zu ermöglichen

SFIC identifiziert sich ergänzende Aktivitäten einzelner Mitgliedstaaten und der Kommission und versucht, daraus einen „europäischen Mehrwert“ zu bilden. Durch Öffnen nationaler Programme, ähnliche Schwerpunktsetzung in bilateralen Kooperationen oder Verknüpfung von Initiativen auf politischer Ebene wird Zusammenarbeit in die Praxis umgesetzt.

In SFIC sitzen zumeist Vertreterinnen und Vertreter der Forschungsministerien der Länder. Für Deutschland ist dies das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Das Internationale Büro unterstützt das BMBF in sehr enger Zusammenarbeit bei der Mitarbeit in SFIC. Diese Mitarbeit reicht von der Vorbereitung und Nachbereitung von Sitzungen bis hin zu nationalen Abstimmungsprozessen.

SFICs Funktionsweise

Die Kommission hat in ihrer Mitteilung vom 24.9.2008 einen strategischen Rahmen für die internationale Kooperation in Forschung und Technologie formuliert, der vom Europäischen Rat am 02.12.2008 mit der Schlussfolgerung zur Etablierung eines Strategieforums für die internationale Wissenschaftskooperation (SFIC – Strategic Forum for International S&T Cooperation) umgesetzt wurde.

SFIC tagt vier Mal jährlich im Plenum im Gebäude des Rates in Brüssel unter Leitung seines Vorsitzes und mit Unterstützung des SFIC-Ratssekretariates. SFIC-Aktivitäten werden auf Initiative eines oder mehrerer Mitglieder im Plenum angestoßen und dann in Arbeitsgruppen konkretisiert. Die Gruppen finden sich in variabler Geometrie unter Leitung eines Mitglieds zusammen. Sie verfolgen ein per Mandat definiertes Ziel. Sie tagen per Videokonferenz oder persönlich und berichten in regelmäßigen Abständen an das Plenum. Die Plenarsitzungen werden vom SFIC Steering Board vorbereitet, an dem das SFIC-Sekretariat, der SFIC-Vorsitz, der stellvertretende Vorsitz und vereinzelte SFIC-Mitglieder teilnehmen.

SFIC Arbeitsgruppen

Mit Gründung der ersten Arbeitsgruppen in SFIC, hat sich eine Fokussierung auf Länder durchgesetzt. Dementsprechend gab es in SFIC bereits Arbeitsgruppen zu Brasilien, China, Indien, Russland und USA. Die Länder-Arbeitsgruppen erarbeiteten Maßnahmen, um bestimmte Ziele in der Forschungszusammenarbeit mit dem gegebenen Land zu erreichen. So wurden beispielsweise Strategische Forschungsagenden mit thematischen Schwerpunkten erarbeitet, gemeinsam der Dialog mit dem internationalen Partnerland gesucht, die europäischen Wissenschaftsreferenten dort eingebunden, mit relevanten thematischen EU-Projekten, Joint Programming oder nationalen Initiativen zusammengearbeitet. Die Mandate der Länder-Arbeitsgruppen sind inzwischen ausgelaufen.

Seit 2015 existiert eine weitere Arbeitsgruppe ohne geographischen Schwerpunkt: die sogenannte „Toolbox“-Arbeitsgruppe. Sie sieht die Entwicklung eines Leitfadens mit nationalen Instrumenten der internationalen Zusammenarbeit vor. Zur Erstellung des Leitfadens führte die Arbeitsgruppe unterschiedliche Aktivitäten durch. Dazu gehört unter anderem eine Umfrage unter den Mitgliedstaaten und den Assoziierten Staaten, die verwendete Instrumente systematisch abfragt. Darüber hinaus wurden favorisierte Zielländer sowie Themen der internationalen FuI-Zusammenarbeit abgefragt. Ferner organisierte die Arbeitsgruppe mehrere Workshops, bei denen unterschiedliche Stakeholder ihre Erfahrungen mit verschieden Instrumente diskutierten und Beispiele für gelungene Kooperation identifizierten. Die Ergebnisse dieser Aktivitäten sollen Eingang in den Leitfaden finden, der voraussichtlich Ende 2018 veröffentlicht werden soll.

Politikdialoge mit internationalen Partnerländern

SFIC realisiert den „europäischen Mehrwert“ auch indem es gemeinsam mit der Kommission und dem Europäischen Auswärtigen Dienst politische Dialogprozesse mit internationalen Partnerländern und -regionen gestaltet. Solche hochrangigen regelmäßigen Dialogprozesse (Senior Officials Meeting, SOM) existieren für Lateinamerika-Karibik (EU-CELAC), Afrika (EU-AU), die Mittelmeerregion (EUMED), die Balkanregion bzw. Südosteuropa, die östlichen Nachbarstaaten der EU (EU-EaP), Südostasien (EU-ASEAN) und Indien (EU-India GSO). Sie dienen dem Austausch und der Stärkung der politischen Partnerschaft in Forschung und Innovation. Für diese Dialoge versucht SFIC aktiv eine abgestimmte gesamteuropäische Position vorzubereiten.

Durch die Partnerschaft und Abstimmung im Rahmen von SFIC ist eine höhere Kohärenz zwischen den Aktivitäten der Mitgliedstaaten und der EU gegeben, die insbesondere von großen internationalen Partnerländern geschätzt wird. Dies gilt sowohl im Rahmen der EU-Politikdialoge als auch für die nationale WTZ-Zusammenarbeit mit einem bestimmten Partnerland. Die Zusammenarbeit der SFIC-Mitglieder hilft außerdem dabei, internationale Aspekte von Forschungs- und Innovationszusammenarbeit bei europäischen Gipfeln und Ministertreffen zunehmend in den Mittelpunkt zu rücken.

Stärkung des Europäischen Forschungsraums

SFIC gestaltet die Internationale Dimension des EFR mit, indem es sich in Abstimmungsprozesse mit der Kommission zur Weiterentwicklung der EFR-Strukturen einbringt. SFIC spricht Empfehlungen an den Rat und die Kommission aus. Die Empfehlungen beziehen sich beispielsweise auf das Instrumentarium innerhalb der EU-Forschungsförderung, die Gestaltung der Arbeitsprogramme in Horizont 2020, die Verknüpfung von Aktivitäten anderer EFR-Gruppen oder EU-geförderter Projekte mit SFIC-Initiativen. Auch die Messung der internationalen FuE-Zusammenarbeit sowie ihre Indikatoren werden dabei berücksichtigt.

SFIC-Vorsitz

Seit Oktober 2016 hat die Französin Rozenn Saunier den SFIC-Vorsitz inne. Sie leitet stellvertretend die Abteilung für europäische und internationale Zusammenarbeit im französischen Ministerium für Bildung, Hochschulbildung und Forschung. Der Vorsitz wird alle drei Jahre von den SFIC-Mitgliedern gewählt. Bislang saßen Deutschland (MinDir Volker Rieke, Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2009-11), Finnland (Dr. Riita Mustonen, Academy of Finland, 2011-13) und zuletzt Schweden (Dan Andrée, VINNOVA-Büro in Brüssel, 2013-16) dem Gremium vor. Der stellvertretende Vorsitz wird von einem anderen Mitgliedstaat ausgeübt und zeitversetzt gewählt. Seit März 2017 ist Tiina Vihma-Purovaara aus dem finnischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur stellvertretende Vorsitzende von SFIC.

Ressourcen

Finanzielle, strukturelle und personelle Ressourcen von SFIC kommen aus nationalen und EU-Quellen. Alle Mitglieder agieren auf der Basis der variablen Geometrie, d.h. sie müssen nicht jede Initiative einstimmig mittragen, sondern nur die, die auch für die nationalen Ziele und die politische Schwerpunktsetzung relevant sind. Außerdem ist Kernaufgabe von SFIC, bestehende Initiativen, Projekte und Mittel sinnvoll zu bündeln, so dass keine zusätzlichen Mittel benötig werden.