Deutsche und chinesische Forscher entwickeln Handlungsempfehlungen für die nachhaltige Nutzung chinesischer Küstenökosysteme

Das Küstenökosystem der Insel Hainan im tropischen Süden Chinas ist in einem schlechten Zustand. Schon vor zehn Jahren hatten die Korallenriffe in vielen Fällen nur fünf bis zehn Prozent Lebendbedeckung. Die Seegraswiesen sind größtenteils mit Algenwuchs befallen, Verbreitung und Artenvielfalt sind erheblich zurückgegangen. Mangrovenregionen weichen immer mehr den Garnelen-Aquakulturanlagen entlang der Küste. Auch zukünftige negative Auswirkungen auf den Tourismus sind nicht auszuschließen.

Worshopteilnehmer August 2018

Gruppenbild Workshop August 2018 © Hainan University

Über fünfzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des deutsch-chinesischen Verbundprojekts „Auswirkungen von Umweltveränderungen auf Küstenökosysteme im tropischen China“ trafen sich im August zu einem gemeinsamen Workshop in Haikou. Ziel des Treffens war es, die bisherigen Forschungsergebnisse zusammenzubringen, gemeinsame Publikationen und den zukünftigen wissenschaftlichen Austausch zu planen sowie direkte Handlungsempfehlungen für die nachhaltige Nutzung der Küstenökosysteme von Hainan zu entwickeln. Im Anschluss an den Synthese-Workshop fand ein Treffen mit örtlichen Stakeholdern – Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, von Umweltschutzorganisationen, sowie Repräsentanten der Industrie, insbesondere von Aquakulturanlagen – statt. Handlungsempfehlungen sollen im Detail ausgearbeitet und anschließend Entscheidungsträgern zur Umsetzung in die Tat an die Hand gegeben werden. Die Projekte TICAS (Transferprojekt) und ECOLOC (Forschungsprojekt) werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und von der chinesischen Meeresforschungsbehörde (SOA) gefördert.

Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen

Junge Forscher bei der Arbeit

Junge Forscherinnen und Forscher bei der Arbeit © Hainan University

Die Untersuchungen der Aquakulturteiche zeigen, dass das Management der Teiche und ihres Abwassers einen großen Einfluss auf den ökologischen Zustand der angrenzenden Küstengewässer hat – sowohl in Bezug auf die Ausdehnung der Seegraswiesen als auch auf die Artenvielfalt. In Folge der langjährigen Belastung durch Aquakulturabwasser ist es den Seegräsern in den vergangenen zehn Jahren schlecht ergangen: An stark belasteten Orten ist der Seegrasbewuchs stark zurückgegangen, die Artenvielfalt der Gräser hat abgenommen. Die Forscherinnen und Forscher haben eine große Menge an Schwebstoffen im Meer vor der Küste gemessen: Diese setzen sich aus organischem Material und Sedimenten aus dem Hinterland sowie Nahrungsabfällen und Exkrementen der Zuchttiere aus den Teichen zusammen.
Überfischung, Befischung mit destruktiven Methoden, schlechte Wasserqualität und mechanische Schädigung bedrohen Seegraswiesen und Korallenriffe. Hinzu kommt, dass Aquakulturteiche, die nicht durch Teichfolie oder Betonbecken vom Boden getrennt sind, CO2 und CH4 ausgasen.

Effektive Wasseraufbereitung der Garnelen-Aquakulturanlagen und optimiertes Futter- und Teichmanagement könnten die Situation deutlich verbessern. Die Wasseraufbereitung wird z.B. in professionell betriebenen Aquakulturanlagen durch mehrere zusätzliche Becken mit unterschiedlichen Reinigungsschritten erreicht, in denen selbst keine Zucht betrieben wird. Für private Kleinfarmer, die nur eine sehr begrenzte Anzahl von Teichen besitzen, ist das Betreiben zusätzlicher Becken für die Reinigung des Abwassers eine erhebliche Mehrbelastung. Es ist geplant, dass sich die Kleinfarmer zu größeren „Kooperativen“ zusammenfinden und ein Teichmanagement wie oben beschrieben einführen. Für die Aquakulturindustrie wäre die Einrichtung eines gemeinschaftlichen Instituts zur Überwachung der Wasserqualität von Aquakulturteichen ein zu überlegender Schritt. Auch wurde Interesse an Schulungen bekundet, die den Dialog zwischen Fischern, Beratern und Regierungsbeamten fördern und verbessern sollen.

Ansprechpartner am ZMT

PD Dr. Tim Jennerjahn
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) GmbH
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