Brasilien

Brasilien produziert große Mengen an Biorohstoffen, wie den Biotreibstoff Ethanol und ist deshalb Partner der deutschen Bioökonomie-Forschung. Beide Länder bearbeiten viele wissenschaftliche Themen, ein Schwerpunkt liegt in der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung. Brasilien ist Deutschlands wichtigster Partner in Lateinamerika bei der Zusammenarbeit in Bildung und Forschung.

Nationalkongress Brasilia

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Förderung der Zusammenarbeit mit Brasilien

Im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit in Wissenschaft, Technologie und Innovation wird die Forschungskooperation zwischen Deutschland und Brasilien durch verschiedene Förderinstrumente unterstützt.

Mobilitätsprojekte

Zur Unterstützung des Wissenschaftleraustausches in gemeinsamen Kooperationsprojekten (Mobilitätsprojekte) werden regelmäßig Förderbekanntmachungen veröffentlicht. Das IB und der brasilianische Partner CNPq (Nationaler Forschungsrat) stimmen die Finanzierung dabei ab. Die Förderung ermöglicht es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland und Brasilien, Forschungsphasen im jeweils anderen Land zu realisieren. Anträge für Mobilitätsprojekte können nur nach vorheriger Förderbekanntmachung zu bestimmten Fristen eingereicht werden. Informationen zu aktuellen Förderbekanntmachungen des IB finden Sie unter "Förderung".

Die Förderbekanntmachungen beinhalten bilateral vereinbarte thematische Schwerpunktbereiche – mit Bezug zu BMBF-Fachprogrammen. Das IB unterstützt die Reise- und Aufenthaltskosten deutscher Projektteilnehmer. In begrenztem Umfang können Personalkosten für die Koordinierung der Zusammenarbeit gewährt werden. Die Kosten der brasilianischen Projektteilnehmer werden von Brasilien getragen.

        Informationen zum korrespondierenden Programm des CNPq (Conselho Nacional de Desenvolvimento Científico e Tecnológico) sowie aktuelle Bekanntmachungen findet Ihr brasilianischer Partner auf der Website des CNPq.

        Mehrere Fachprogramme des BMBF sind offen für deutsch-brasilianische Forschungskonsortien. Derzeit werden insbesondere in der Umwelt-, Nachhaltigkeits- sowie in der Bioökonomieforschung Vorhaben mit brasilianischer Beteiligung gefördert.

In der brasilianischen Forschungsförderlandschaft gibt es neben den nationalen Förderinstitutionen wie CNPq, CAPES und FINEP auch auf Ebene der Bundesstaaten Forschungsförderer, wie zum Beispiel FAPESP in São Paulo. Deutschland arbeitet mit allen genannten Institutionen zusammen.

Auch der DAAD und die DFG bieten spezifische Förderprogramme mit brasilianischen Partnern an.

Politischer Rahmen

Brasilien hat seine Rolle als regionale und globale Gestaltungsmacht in den vergangenen Jahren ausgebaut. Auch wirtschaftlich hat sich das Land stabilisiert und ist heute die siebtgrößte Volkswirtschaft weltweit. Die Beziehungen zu Deutschland stehen auf einem breiten Fundament. Etwa 1.600 deutsche Unternehmen sind in Brasilien ansässig, sie erwirtschaften etwa 16 Prozent des industriellen Bruttoinlandsprodukts. Der weltweit größte deutsche Wirtschaftsstandort außerhalb Deutschlands ist der Großraum São Paulo.

Die Kontakte mit den lateinamerikanischen Schwellenländern in Forschung, Technologie und Bildung werden von der Bundesregierung systematisch ausgebaut. Der "Aktionsplan der deutsch-brasilianischen strategischen Partnerschaft" hebt die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) als wichtige Säule der Beziehungen hervor.

Die WTZ mit Brasilien basiert auf dem 1996 aktualisierten Rahmenabkommen zur wissenschaftlichen Forschung und technologischen Entwicklung. Thematische Schwerpunkte der Zusammenarbeit werden auf den Sitzungen der gemeinsamen Kommission im dreijährigen Rhythmus vereinbart. Das Gremium traf zuletzt im September 2013 in Brasilien zusammen.

Ziele der brasilianischen Forschungspolitik sind in der Nationalen Strategie für Wissenschaft, Technologie und Innovation 2012-2015 formuliert. Unter anderem wird die Innovation in Unternehmen sowie eine stärkere Rolle von FuE bei der sozialen Entwicklung des Landes gefördert. Die Forschungsstrategie konzentriert sich insbesondere auf die Bereiche Nano- und Biotechnologie, Informationstechnologie, Gesundheitsforschung, Energie sowie Landwirtschaft. Die brasilianische Regierung investiert etwa 21 Milliarden Euro im Rahmen des vierjährigen Programms, weitere 10 Milliarden Euro sollen von staatlichen Unternehmen und den Bundesstaaten finanziert werden.

Schwerpunkte der deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit

Im Dialog mit dem brasilianischen Außenministerium (MRE) und gemeinsam mit den Partnerministerien MCTI (Wissenschaft, Technologie und Innovation) und MEC (Bildung) legt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Schwerpunktthemen der bilateralen Zusammenarbeit fest. Die WTZ mit Brasilien konzentriert sich auf die Bereiche Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit, Luft- und Raumfahrt, Lebenswissenschaften und Bioökonomie sowie auf die Zusammenarbeit in der Hochschulbildung.

Im Rahmen des Stipendienprogramms der brasilianischen Regierung Science without Borders kamen seit 2012 über 6.000 zusätzliche brasilianische Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Studien- und Forschungsaufenthalten nach Deutschland.

Unter dem Motto „Deutschland+Brasilien 2013-2014, Wo Ideen sich verbinden“ präsentierte sich Deutschland in den Jahren 2013 und 2014 in Brasilien als kompetenter Partner in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Das BMBF war Projektpartner und förderte wissenschaftliche Aktivitäten mit insgesamt über einer Million Euro. Insbesondere in den Bereichen Bioökonomie, Nachhaltigkeitsforschung, Umwelttechnologien, Klimaschutz sowie Innovation und Medizintechnik fanden wichtige Veranstaltungen statt.

Deutschland und Brasilien forschen gemeinsam zum Klima- und Ressourcenschutz

Luftaufnahme des Amazonas-Deltas Mitten im brasilianischen Amazonasgebiet hat das BMBF den Aufbau des Atmosphärenmessturms ATTO (Amazonian Tall Tower Observation Facility) mit 4,5 Millionen Euro gefördert. Der Turm ist 325 Meter hoch und wurde unter schwierigen Bedingungen im Regenwald aufgebaut. Ein großer Aufwand, der sich langfristig auszahlen soll. Mit hochempfindlichen Messgeräten wollen Deutsche und Brasilianer den Zusammenhang zwischen Klima, Atmosphärenchemie und dem Regenwald beobachten. Die Messergebnisse sollen ermöglichen, die Klimaentwicklungen in der Zukunft besser vorherzusagen.

Deutschland unterstützt mit seinem Programm „Nachhaltiges Landmanagement“ mehrere deutsch-brasilianische Projekte, die den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Rohstoffen wie Wasser und Regenwald fördern. Deutsche und brasilianische Forscher bekämpfen gemeinsam die Wasserarmut im trockenen Nordosten Brasiliens und entwickeln zum Beispiel Methoden, die ein Wiederverwenden von Abwasser ermöglichen. Das Projekt „Integrierte Ökotechnologien – INTECRAL“ erarbeitet Konzepte, die die Landbevölkerung im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro unterstützen soll, die Ernährung langfristig durch nachhaltige Landwirtschaft zu sichern.

Forschung für eine Bio-basierte Wirtschaft

In Brasilien werden große Mengen an nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr, Soja oder Holz angebaut. Die langjährigen Erfahrungen Brasiliens bei der Herstellung und Nutzung von Ethanol als Biotreibstoff sind für Deutschland wichtig.

Ein Workshop zum Thema „Wertschöpfung aus Bioressourcen“ in São Paulo und eine Fact-Finding Mission, die über das Internationale Büro (IB) gefördert wurden, waren Ausgangspunkte für eine deutsch-brasilianische Initiative im Bereich Bioökonomie. Das IB unterstützte das BMBF bei der Identifikation von Themen und Partnern für die Internationalisierung der Strategie „Bioökonomie 2030“ in Brasilien. Seit 2014 fördert das Bundesforschungsministerium im Rahmen des Förderprogramms „BioÖkonomie International“ vier Projekte mit Brasilien. Beide Länder wollen die Zusammenarbeit in diesem Bereich weiter ausbauen.