China – ein starker Partner in Bildung, Forschung und Innovation

China und Deutschland sind in Forschung und Bildung wichtige strategische Partner. Beide Länder haben ihre Kooperation in verschiedenen Bereichen in den letzten Jahrzehnten intensiviert, um ihre Innovationskraft zu steigern. Gemeinsame Themen sind u. a. Innovation, Urbanisierung, Lebenswissenschaften, Hochschulzusammenarbeit und Berufsbildung sowie Ressourcen- und Umweltschutz.

Skyline von Shanghai mit Photovoltaik-Anlagen - China

© Jeff_Hu / iStock / Thinkstock

Politischer Rahmen

Grundlage der Forschungskooperation beider Länder ist ein Regierungsabkommen über die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit aus dem Jahr 1978. Seitdem werden bei regelmäßig stattfindenden Sitzungen, an denen Vertreter der Forschungsministerien beider Länder, der Forschungs-, Förder- und Mittlerorganisationen sowie einzelne Wissenschaftler teilnehmen, Themen und Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit diskutiert.

Die Bildungskooperation beider Länder wird durch bildungspolitische Strategiegespräche vorangetrieben, in denen es vor allem um die Themen Hochschulkooperationen, Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern geht. Seit 2011 finden außerdem regelmäßige Sitzungen der Leitungsgruppe der Deutsch-Chinesischen Allianz für Berufsbildung statt.

Seit 2011 führen Deutschland und China Regierungskonsultationen durch. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der weiteren Vertiefung der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit u. a. in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation. Insgesamt fanden bereits vier Konsultationen statt. Auf den letzten Regierungskonsultationen im Juni 2016 in Peking konnten vier Gemeinsamen Absichtserklärungen zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den chinesischen Partnerministerien unterzeichnet werden. Damit steigt die Anzahl der bilateralen Erklärungen auf insgesamt 17 an. Von diesen 17 wurden 14 im Rahmen von Regierungskonsultationen unterschrieben.

Der gemeinsame Aktionsplan „Innovation gemeinsam gestalten!“, der im Oktober 2014 während der dritten Regierungskonsultationen beschlossen wurde, bekräftigt die strategische Partnerschaft beider Länder auch in den vom BMBF verantworteten Themenfeldern.

Bildungsministerin Wanka unterzeichnet die Erklärung

Bildungsministerin Wanka und der chinesische Bildungsminister Yuan bei der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung während der 3. Regierungskonsultationen im Oktober 2014 in Berlin.

Einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der 2014 beschlossenen Innovationspartnerschaft zwischen Deutschland und China, leistet die im Oktober 2015 vom BMBF veröffentlichte China-Strategie. Diese bildet die Basis für die Zusammenarbeit mit China in Forschung, Wissenschaft und Bildung bis zum Jahr 2020. Ziel der Strategie ist es, den Erfolg und gegenseitigen Gewinn der Kooperationen in Forschung und Bildung sicherzustellen. Dazu analysiert die Strategie das bisher Erreichte und benennt Ziele sowie konkrete Maßnahmen für die weitere Zusammenarbeit. Es handelt sich um die erste und bisher einzige Länderstrategie des BMBF. Die vollständige Strategie sowie eine Kurzfassung stehen auf der Internetseite des BMBF zum Download bereit (siehe in der rechten Spalte unter „Links zum Thema“).

Schwerpunkte in der Zusammenarbeit

Derzeit ist die vom BMBF verantwortete deutsch-chinesische Forschungskooperation besonders aktiv in den Bereichen Innovationsforschung, Umwelttechnologien, Elektromobilität, optische und Lasertechnologien, Lebenswissenschaften sowie Meeres- und Polarforschung.

Im Bildungsbereich spielt die Hochschulkooperation eine wichtige Rolle. Die gemeinsamen Aktivitäten deutscher und chinesischer Hochschulen, aber auch die Qualität der Zusammenarbeit entwickelte sich in den letzten Jahren kontinuierlich weiter: So stieg zum Beispiel die Zahl der gemeinsamen Studiengänge, Doppelabschlüsse und Hochschulinstitute immer weiter an.

Im Bereich der Berufsbildung liegen inhaltliche Schwerpunkte auf der Kooperation zwischen Wirtschaft und Bildungseinrichtungen beider Länder, der Entwicklung von Kompetenzstandards sowie der Anerkennung von Qualifikationen, dem Aufbau von Kooperationszentren und der FuE auf dem Gebiet der beruflichen Bildung.

Deutsch-Chinesische Plattform Innovation

Im Sinne eines verstärkten Austauschs im Innovationsbereich wurde 2011 die Deutsch-Chinesische Plattform Innovation zur Zusammenarbeit in der Innovationsforschung initiiert. Seitdem haben vier große Innovationskonferenzen in Peking und Berlin stattgefunden, an denen Forschende, Politikerinnen und Politiker, sowie Unternehmer beider Länder teilnahmen. Die Plattform behandelt neben Themen der wissenschaftlichen Innovationsforschung, wie dem Vergleich von Innovationssystemen, auch konkrete Anwendungsthemen von Forschung und Innovation. Die 4. Innovationskonferenz, die 2016 in Berlin stattfand, vertiefte diesen Brückenschlag hin zu konkreten Technologien, indem neben dem traditionellen Innovationsdialog auch konkrete technologische Kooperationsthemen, etwa aus den Bereichen Urbanisierung, Digitalisierung und Elektromobilität, von Fachexperten diskutiert wurden.

Herausforderungen im Umweltbereich

China steht gerade im Umweltbereich vor großen Herausforderungen. Seit mehreren Jahren besteht deshalb eine intensive Zusammenarbeit in den Umwelttechnologien, allen voran beim Management von Wasserressourcen. Anlässlich der Weltgartenbau-Ausstellung 2014 in Qingdao wurde mit Unterstützung des BMBF und in Zusammenarbeit mit deutschen und chinesischen Hochschulen und Industriepartnern die weltweit erste dezentrale Ver- und Entsorgungsanlage SEMIZENTRAL eröffnet. Zudem beteiligen sich deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als einzige ausländische Partner an ausgewählten chinesischen Mega-Wasserprojekten, die die Sanierung von stark belasteten Seen und Flüssen in verschiedenen Regionen Chinas zum Ziel haben. Aufgrund seiner Länderexpertise steht das Internationale Büro dem zuständigen Fachreferat bei der Durchführung zur Seite.

Gruppenbild zur Eröffnung der SEMIZENTRAL-Anlage

„Unsere Forschung hilft, Wasser zu sparen“: Forschungsstaatsekretär Schütte und Fachleute bei der Eröffnung der SEMIZENTRAL-Anlage in Qingdao im April 2014.

Gemeinsame Meeres- und Polarforschung

Ein weiterer Meilenstein ist die Zusammenarbeit des BMBF mit der chinesischen State Oceanic Administration (SOA) in der Meeres- und Polarforschung. Grundlage der Kooperation ist eine Gemeinsame Erklärung, die beide Ministerien während der zweiten Regierungskonsultationen im August 2013 unterzeichnet hatten. In dieser Erklärung wurde beschlossen, zusätzlich zu den bestehenden Forschungsthemen, die drei Schwerpunkte physikalische Ozeanographie, marine mineralische Ablagerungen und Polarforschung mit in die gemeinsame Förderung aufzunehmen. Zur Verstetigung der Gemeinsamen Erklärung wurde im Juni 2013 eine Förderbekanntmachung für bilaterale Forschungsprojekte veröffentlicht. Eine zweite Förderbekanntmachung zu gleichen Themenschwerpunkten wurde im Juni 2016 veröffentlicht.

Berufliche Bildung

Die deutsch-chinesische Kooperation im Bereich der Beruflichen Bildung entwickelt sich kontinuierlich weiter. Ein gutes Beispiel hierfür ist die im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Bildungseinrichtungen durchgeführte und vom BMBF seit 2013 unterstützte Intensivierung der Berufsbildungsmaßnahmen an der AHK Shanghai innerhalb des VetNet-Projektes. Dieses befindet sich seit Oktober 2015 in einer zweiten Phase. Mit dem Projekt hat sich der Bereich Berufsbildung an der AHK-Shanghai in China bei deutschen Unternehmen und auch bei chinesischen Akteuren als Kompetenzzentrum etabliert. Die AHK erhält seit einigen Jahren sehr viele Anfragen nach Beratung und Vermittlung von Know-how im Bereich „duale Ausbildung nach deutschem Vorbild“ – insbesondere aus den Regionen/Provinzen. Besonders nachhaltig sind dabei strukturbildende Maßnahmen wie die Etablierung von Berufsbildungs- und Prüfungsausschüssen sowie die Beratung und Unterstützung bei Ausbildungskooperationen von Unternehmen und beruflichen Colleges.

Rolle des Internationalen Büros

Das Internationale Büro verfolgt im Auftrag des BMBF das Ziel, die internationale Vernetzung deutscher Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen auszubauen, so dass die deutsche Wissenschaft und Wirtschaft Kompetenzen gewinnen und Innovationsvorsprünge erlangen kann. Damit leistet das Internationale Büro einen Beitrag zur Umsetzung der internationalen Dimension in den Fachprogrammen des BMBF und stellt hierfür im Auftrag des BMBF auch Projektförderung bereit.

China gehört mittlerweile zu den wichtigsten Forschungsnationen weltweit. Die Zahl gemeinsamer deutsch-chinesischer Forschungsprojekte in Bildung und Forschung wächst seit Jahren stetig. Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, setzt sich das BMBF – beispielsweise mit der Veröffentlichung der China-Strategie im Oktober 2015 – kontinuierlich für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen und einen weiteren Ausbau der Kooperation ein. Die China-Strategie des BMBF ist gleichzeitig ein gutes Beispiel für die Aufgaben des DLR Projektträgers: Für die Erstellung der Strategie lieferte der DLR Projektträger kontinuierlich Analysen, Textbausteine und aktuelle Indikatoren. Außerdem gehörte die Unterstützung und Auswertung der Sitzungen der Sachverständigenkreise sowie das Lektorat des Strategietextes zu den Aufgaben des DLR Projektträgers. Auch bei den geplanten Maßnahmen zur Umsetzung der China-Strategie, zum Beispiel im Bereich innovative Alumni-Förderung oder auch bei der Förderung der China-Kompetenz an deutschen Hochschulen, ist der DLR Projektträger maßgeblich eingebunden. Zudem steht er im Austausch mit den chinesischen Projektträgern und Ministerien, um das BMBF bei der Umsetzung der China-Strategie zu unterstützen. Hierfür wurde am 19. Januar 2016 in Peking in Anwesenheit von Bundesforschungsministerin Wanka und ihrem chinesischen Amtskollegen Wan ein Memorandum of Understanding zwischen dem DLR Projektträger und seiner chinesischen Partnerorganisation NCSTE (National Center for Science and Technologie Evaluation) unterzeichnet.

Zur Förderung der Kooperation mit dem asiatisch-pazifischen Forschungsraum unterstützt das Internationale Büro zudem die Durchführung diverser regional ausgerichteter Projekte in Asien, unter anderem auch in China.