Indien

Mit der Initiative "India and Germany-Strategic Partners for Innovation" unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die deutsch-indische Zusammenarbeit. Unter dem Motto "Research in Germany-Land of Ideas" präsentiert sich die deutsche Forschungslandschaft - Forschungseinrichtungen, Netze sowie forschungsstarke Unternehmen - ab September 2008 in Indien. Durch gezielte Marketingaktivitäten sollen gemeinsam mit universitären und außeruniversitären Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen sowie forschungsintensiven Unternehmen die Stärken des Standorts Deutschland im Bereich FuE international vermarktet werden
Fördermöglichkeiten für Indien


Das deutsch-indische Gemeinschaftsprojekt "Science Express", welches von den Regierungschefs am 30.10.2007 als "rollendes Science Center" gestartet wurde, hat mit über 2 Mio. Besuchern auf seiner siebenmonatigen Fahrt durch Indien die Erwartungen weit übertroffen und wird sowohl von Seiten des indischen Department of Science and Technology (DST) als auch von Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) als großer Erfolg bewertet. Mit dem Science Express, der unter Federführung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) erstellt wurde, ist es gelungen, einer breiten indischen Öffentlichkeit und insbesondere Schülern und Studenten den Innovations- und Hightechstandort Deutschland ebenso wie den Studienstandort Deutschland vorzustellen. Der Zug, dessen Fahrt durch 57 indische Städte am 04.06.2008 zu Ende ging, fand in Indien große mediale Beachtung. Derzeit prüfen eine Reihe von anderen Staaten und Unternehmen, ob sie ein ähnliches Projekt in Indien realisieren und den Erfolg des Science Express nachahmen könnten, Deutschland hatte hier allerdings "die Nase vorn". 

Politischer Rahmen der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) mit Indien ist eines der strategisch wichtigsten Zukunftsfelder der deutsch-indischen Beziehungen im Rahmen der Strategischen Partnerschaft beider Länder. Die deutsch-indischen WTZ-Beziehungen beruhen auf dem Abkommen über die friedliche Nutzung der Kernenergie und des Weltraumes (1971), dem Abkommen über die Zusammenarbeit in wissenschaftlicher Forschung und technischer Entwicklung (1974) sowie einer großen Zahl von Einzelvereinbarungen zwischen deutschen und indischen Forschungseinrichtungen und Mittlerorganisationen.
Umfang und Zielrichtung der WTZ werden seit 1996 vom Deutsch-Indischen Komitee für Wissenschaft und Technologie festgelegt, das auf eine Vereinbarung der Regierungschefs von 1988 und 1994 zurückgeht. Die 7. Sitzung fand am 20. Mai 2008 in Jülich statt. Die Betreuung der WTZ-Aktivitäten liegt beim Internationalen Büro des BMBF.
 
Bundeskanzlerin Merkel und Premierminister Singh haben die Bedeutung der WTZ  in ihrer "Gemeinsamen deutsch-indischen Erklärung anlässlich des Besuchs des indischen Premierministers in Deutschland" vom 23.04.2006 hervorgehoben und beim Gegenbesuch der Bundeskanzlerin in Indien am 30.10.2007 vertieft.

Der Ausbau der Zusammenarbeit mit forschungsdynamischen Ländern in Wachstumsmärkten ist ein Ziel der "Hightech-Strategie für Deutschland". Die Bundesregierung unterstützt dabei die Zusammenarbeit mit Ländern, die ihre Kompetenzen in Forschung und Entwicklung stark ausbauen und damit zu interessanten Partnern für den Hightech-Standort Deutschland werden.

Im Rahmen des Besuchs der Bundeskanzlerin Merkel Ende Oktober 2007 unterzeichneten Bundesministerin Schavan und der indische Forschungsminister Kapil Sibal eine Vereinbarung zur Einrichtung eines "Deutsch-Indischen Wissenschafts- und Technologiezentrums" ("Indo-German Science and Technology Centre (IGSTC")) mit eigener Liegenschaft und Personal in New Delhi. Für die Förderung anwendungsorientierter Forschungsprojekte durch das Zentrum werden BMBF und DST jeweils 10 Mio. Euro zusätzliche Mittel in den ersten fünf Jahren (2008-2012) bereitstellen. Grundlage der Projektförderung werden gemeinsame Förderbekanntmachungen auf für beide Seiten besonders gewinnbringenden Feldern der industrienahen Forschung und Entwicklung (sog. 2+2 Projekte) sein. Sechs gemeinsame FuE-Projekte werden bereits gefördert (BMBF-Fördermittel: 1,4 Mio. EUR).

Das IGSTC wurde beim Besuch von Bundesministerin Schavan am 9.9.2008 in New Delhi durch Enthüllung einer entsprechenden Plakette eröffnet. Kurz zuvor startete BM'in Schavan die BMBF Initiative "Werbung für den Innovationsstandort Deutschland" unter dem Slogan "India and Germany - Strategic Partners in Innovation". Im Rahmen dieser Kampagne werden deutsche Forschungsnetze und Forschungseinrichtungen, die als Gewinner einer Förderbekanntmachung des BMBF hervorgingen ihre Forschungs- und Entwicklungskompetenz in Indien nun intensiv darstellen.
Darüber hinaus nahm Schavan auch an der Deutsch-Indischen Konferenz "Science for Sustainability - Driver for a Common Future" teil und unterzeichnete mit ihrem indischen Amtskollegen M Sibal eine Gemeinsame Erklärung zur künftigen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der "Forschung für Nachhaltigkeit". Die Konferenz fand im Rahmen der forschungspolitischen Dialogreihe "Dialogue for Sustainability (D4S): Sustainable Solutions - Science for Sustainability" statt, die das BMBF mit aufstrebenden Schwellenländern, u.a. Indien etabliert hat.

Am 8.9.2008 hatte BM'in Schavan an den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des IIT Madras, welches in der Gründungsphase durch die Bundesregierung besonders gefördert wurde, teilgenommen und über den DAAD ein neues Stipendienprogramm (STAR) zur Förderung des Austauschs von (Indischen) Nachwuchswissenschaftlern gestartet.

Schwerpunkte der Kooperation

Die Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit mit Indien umfasst drei komplementäre Bereiche:

  • Austausch von Studierenden und jungen Wissenschaftlern über DAAD, AvH und DFG, der den Humus für Projekte und langfristige Kooperationen bildet, einschließlich entsprechender Maßnahmen im Rahmen der "Hi! Potentials"- Kampagne.
  • Gemeinsame Forschungsprojekte in den Fachprogrammen des BMBF und zukünftig auch im Rahmen von Ausschreibungen des IGSTC.
  • "Mobilitätsprojekte" des Internationalen Büros des BMBF (IB) sowie des DAAD ("Programme des projektbezogenen Personenaustauschs (PPP)") zur Anbahnung und Vorbereitung gemeinsamer Forschungsprojekte: Workshops, Konferenzen und gegenseitige Fachdelegationsbesuche. Zur Zeit werden im Rahmen von Anbahnungsmaßnahmen des BMBF/IB jährlich Aufenthalte bzw. Reisen von jeweils etwa 75 indischen und deutschen Wissenschaftlern und Ingenieuren an Hochschulen und Forschungseinrichtungen des Partnerlandes unterstützt  (z. Zt. rd. 50  Anbahnungsmaßnahmen), zusätzlich werden etwa 15 Einzelreisen und 2-4 bilateral finanzierte Workshops pro Jahr durchgeführt.

Schwerpunkte der deutsch-indischen WTZ sind nach den Beschlüssen der letzten Sitzung des WTZ- Komitees:

  • Biotechnologie,
  • Gesundheitsforschung,
  • Informationstechnologie,
  • Umweltforschung,
  • Nachhaltigkeitsforschung,
  • Materialforschung,
  • Weltraumforschung, -technik und -anwendungen,
  • Produktionstechnologie (ab Ende 2007) sowie
  • Katastrophen- und Sicherheitsforschung (ab 2008).

Höhepunkte der bilateralen Zusammenarbeit

Auf dem Gebiet der Produktionstechnologie werden aus Mitteln des BMBF mehrere Kooperationsprojekte mit Indien vorbereitet. Ein erstes gemeinsames produktionstechnologisches Forschungsvorhaben ("LeanDI") wird gemeinsam mit dem DST gefördert und von den Projektpartnern (TU Darmstadt und IIT Delhi sowie PSG College Coimbatore) durchgeführt. Das Projekt in angelaufen. Ein zweites deutsch-indisches produktionstechnologisches FuE-Vorhaben (Papiertechnologie) befindet sich in Vorbereitung.

Im Bereich der Umwelt-/Nachhaltigkeitsforschung gab es eine hohe Beteiligung auf die BMBF-Förderbekanntmachung "Megacities - Forschung für die nachhaltige Entwicklung der Megastädte von morgen". Ein Antrag, der auf Energieeffizienz und Klimaschutz in Hyderabad fokussiert ist wird nach einer zweijährigen Vorphase für ein weiteres Jahr gefördert mit einer Option für eine Förderung über bis zu 5 Jahren. Unter dem Dach des WTZ Komitees wurde am 20.5.2008 die Einrichtung einer deutsch-indischen Arbeitspruppe "Nachhaltigkeitsforschung" vereinbart.

Auf dem Gebiet der Biotechnologie ist ein erstes größeres FuE-Vorhaben ("Chitosan") der Universität Münster zur Förderung aus Mitteln des BMBF vorgesehen. Ein deutsch-indischer Bioethikkurs des Deutschen Referenzzentrums für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE) fand in Bonn vom 24.10.-9.11.2008 mit Förderung durch BMBF statt.

Gesundheitsforschung: Als neuartige strukturelle Initiative wurde mit Anbahnungsmitteln des BMBF/IB ein "Deutsch-Indisches Kontaktbüro Infektionsforschung - ZINF Würzburg/ CDFD Hyderabad" ("Indo-German Liaison Office - IGLO") eingerichtet. Es dient einer langfristig angelegten, strukturellen Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung an der Universität Würzburg (ZINF, Prof. Hacker) und dem Centre for DNA Fingerprinting and Diagnostics (CDFD, Prof. Hasnain) in Hyderabad und den mit beiden Zentren verbundenen öffentlichen und privaten Forschungsnetzwerken. Ziel des Büros ist es, gemeinsame bi- und multilaterale Forschungsprojekte im Bereich der Infektionsforschung zu entwickeln. Das Kontaktbüro ist Teil der Exzellenzinitiative der Universität Würzburg und arbeitet als Berater der indischen Forschungspartner. Zusammen mit dem jüngst eröffneten "Indo-German Science Centre for Infectious Diseases", einer Kooperation zwischen Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung-HZI, dem ICMR und der Jawaharlal Nehru University in New Delhi sind somit zwei strukturelle Maßnahmen zur Förderung der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich Gesundheitsforschung geschaffen worden.

Darüberhinaus beteiligt sich Indien am internationalen Großprojekt  zum Bau neuer Beschleuniger für die Forschung mit Ionen- und Antiprotonenstrahlen FAIR der GSI in Darmstadt mit voraussichtlich ca. 36 Mio. EUR. Indien beteiligt sich neben Deutschland auch am Bau des internationalen Fusionsreaktors ITER in Frankreich.

Förderung der Zusammenarbeit mit dem Partnerland

Im Rahmen von jährlichen bilateralen Förderbekanntmachungen werden die jeweils besten gemeinsamen FuE-Projektvorschläge gefördert (Mobilitästsförderung). Z.Zt. wird in rund 100 Mobilitätsprojekte des BMBF der Aufenthalt von indischen Wissenschaftlern und Ingenieuren an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützt bzw. deutschen Wissenschaftlern die Reise nach Indien im Rahmen der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit ermöglicht. Die indischen Förderorganisationen finanzieren im Rahmen dieser Projekte jeweils den Aufenthalt der Deutschen in Indien und die Flüge der Inder/-innen nach Deutschland. Neben den Mobilitätsmaßnahmen werden etwa 15 Anbahnungsmaßnahmen (Einzelreisen) und im Durchschnitt fünf bilateral finanzierte Workshops pro Jahr gefördert.

Aus der BMBF-Förderbekannmachung "Werbung für den Innovationsstandort Deutschland" unter dem Slogan "India and Germany - Strategic Partners in Innovation" wurden 15 Projekte zur Förderung ausgewählt.

Im Bildungsbereich machen sich die Marketingaktivitäten der "High Potentials Campaign" bemerkbar. Im letzten Jahrzent ist die Zahl der indischen Studierenden in Deutschland stark gestiegen (ca. 4000). Die Anzahl weiblicher Studierender bleibt jedoch mit 15 % (Durchschnitt aller ausl. Studierenden bei 50 %) sehr niedrig, auch im Vergleich mit anderen asiatischen Staaten. Auch das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierte Masters-"Sandwich"-Programm dient erfolgreich dem Austausch. Indische Studenten der sieben IITs (Indian Institute of Technology) fertigen ihre Diplomarbeit an einer von sechs deutschen technischen Universitäten an und absolvieren zusätzlich ein Industriepraktikum. Indien steht bei der Zahl der Alexander von Humboldt - Stipendiaten nach USA und Japan an 3. Stelle.

Mit Förderung aus der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder wurden neue Auslandsrepräsentanzen der Universität Göttingen in Pune und der FU Berlin in New Delhi 2008 eröffnet. Die Max-Planck-Gesellschaft hat einen Mitarbeiter zur Verstärkung der WTZ an die Deutsche Botschaft nach New Delhi entsandt. Dies reflektiert das steigende Interesse deutscher Hochschulen und Forschungseinrichtungen an der Kooperation mit Indien.
DFG, DAAD, AvH, Helmholtz-Gemeinschaft, MPG, FhG, WGL, Goethe-Institut (Max-Müller-Bhavan), Deutsch-Indische Handelskammer u.a. Förderer- und Mittlerorganisationen sind ebenfalls mit eigenen Forschungs- und Förderprogrammen in Indien aktiv und z.T. sogar vor Ort vertreten.

Dokumente

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  • Dr. Martin Goller

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