
Die UNESCO hat als Sonderorganisation innerhalb der VN-Familie die Aufgabe, durch Förderung der internationalen Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation zur Erhaltung des Friedens und der Sicherheit beizutragen. Im Jahr 2005 feierte die UNESCO ihren 60. Geburtstag - ihr gehören jetzt 191 Mitgliedsstaaten an; Deutschland zählt seit 1951 dazu.
Im Rahmen von zwei „Ministeriellen Rundtischen“ wurde zu den Themenfeldern „Bildung“ sowie „Ozeane“ Anregungen gesammelt, die der neuen Generalsektretärin Anleitungen zum langfristigen Umbau der entsprechenden Forschungsprogramme dienen können.
Die 36. Generalkonferenz der UNESCO wird voraussichtlich im Oktober 2011 in Paris stattfinden.
Bildung - stellt für die UNESCO die Basis für Entwicklung und Frieden dar. Im VN-System hat die UNESCO deshalb die Federführung für die Koordinierung des Aktionsprogramms "Bildung für alle" (Education for All - EFA). Dieses Programm wurde auf dem Weltbildungsforum in Dakar im Jahr 2000 initiiert, mit der Verpflichtung, bis zum Jahr 2015 weltweit sechs wichtige Bildungsziele zu erreichen, darunter Grundschulbildung für alle und Verringerung der Analphabetenrate.
Als Folgeaktion der Weltkonferenz für nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg haben die Vereinten Nationen die Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (2005 - 2014) ausgerufen und die UNESCO mit der Federführung beauftragt. Ziel der Dekade ist es, das Leitbild einer ökologisch, ökonomisch und sozial zukunftsfähigen Entwicklung weltweit in der Bildung zu verankern. In Deutschland koordiniert die Deutsche UNESCO-Kommission im Auftrag des BMBF die Umsetzung der Dekade. Sie hat dafür ein Nationalkomitee berufen, das gute Praxisbeispiele der Bildung für nachhaltige Entwicklung als offizielle deutsche Beiträge zur Weltdekade auszeichnet. Auf der Weltkonferenz "Bildung für nachhaltige Entwicklung" wurde der Startschuss gegeben für die zweite Halbzeit der UN-Dekade. Die Konferenz fand vom 31. März bis 2. April 2009 in Bonn statt. Die UNESCO und das Bundesministerium für Bildung und Forschung organisierten die Konferenz. Kooperationspartner war die Deutsche UNESCO-Kommission. Eingeladen waren 700 Teilnehmer aus allen Weltregionen.
Acht UNESCO-Lehrstühle in Deutschland sind Teil eines weltweiten Netzwerks zur Hochschulkooperation. In Deutschland sind zwei Bildungseinrichtungen der UNESCO ansässig: Das Internationale UNESCO-Zentrum für Berufsbildung (UNESCO -UNEVOC) arbeitet seit dem Jahr 2000 mit Unterstützung der Bundesregierung in Bonn. Seit 1951 ist das UNESCO-Institut für Pädagogik (UIP) in Hamburg angesiedelt. Das Institut trägt zur Umsetzung des UNESCO-Programms "Bildung für alle" und der VN-Weltdekade der Alphabetisierung (2003-2012) bei. Es beschäftigt sich mit der Absicherung der Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen. Im Sinne einer Gleichstellung mit vergleichbaren UNESCO-Bildungsinstituten wurde 2005 entschieden, das UIP in ein vollwertiges internationales UNESCO-Institut zu überführen mit einem neuen Namen: UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen (UIL).
Die 190 deutschen UNESCO-Projektschulen gehören zum internationalen Schulnetzwerk der UNESCO mit circa 8000 Schulen in 180 Mitgliedstaaten der UNESCO. Auf dem Stundenplan stehen an herausragender Stelle die Menschenrechte, interkulturelles Lernen, nachhaltige Entwicklung und der gerechte Ausgleich zwischen Arm und Reich. Zusammenleben lernen in einer pluralistischen Welt in kultureller Vielfalt, so lautet das übergeordnete Bildungsziel der UNESCO-Projektschulen.
Wissenschaft - Die UNESCO unterstützt mit zahlreichen langfristigen wissenschaftlichen Programmen die Erforschung und den Schutz der Lebensumwelt des Menschen u. a. durch internationale Zusammenarbeit in der Umweltforschung ("Der Mensch und die Biosphäre", MAB), zur Koordinierung der Meeresforschung durch die Zwischenstaatliche Ozeanographische Kommission (IOC), zur Erforschung erdgeschichtlicher Vorgänge (Internationales Geologisches Korrelationsprogramm, IGCP) sowie zur Erforschung des Wasserkreislaufs und zur vernünftigen Bewirtschaftung von Wasservorräten (Internationales Hydrologisches Programm, IHP). Seit 2004 existiert das "Internationale grundlagenwissenschaftliche Programm" (IBSP), bei dem Bereiche wie Chemie, Physik, Mathematik und bestimmte Ingenieurwissenschaften zum Zuge kommen, die nicht in die Zuständigkeitsbereiche anderer VN-Organisationen fallen. Deutschland wirkt engagiert am Wissenschaftsprogramm der UNESCO mit. Von den zuständigen Bundesministerien wurden in Abstimmung mit der Deutschen UNESCO-Kommission zu vier Programmen Nationalkomitees eingerichtet.
Außerdem fördert die UNESCO im Rahmen eines zwischenstaatlichen Programms zur Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels (MOST, Management of Social Transformation) interregional vernetzte und vergleichbare sozialwissenschaftliche Forschungsvorhaben u. a. zu Fragen der Verstädterung, des Zusammenlebens in kultureller Vielfalt und der Migration.
In den wissenschaftlichen Arbeitsbereichen fördert die UNESCO - insbesondere in den Entwicklungsländern den Auf- und Ausbau wissenschaftlicher Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie internationaler Netzwerke für wissenschaftliche und technische Grundlagenforschung.
Wegen der hohen Geschwindigkeit des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts in den Lebenswissenschaften besteht heute eine enormer Bedarf an internationaler Abstimmung über Werte und Normen auf diesem Feld. Zu diesem Zweck tagen im Rahmen der UNESCO der Internationale Ausschuss für Bioethik (IBC) und der Zwischenstaatliche Ausschuss für Bioethik (IGBC). Im Bereich der Wissenschaftsethik hat die UNESCO zwei Kommissionen eingesetzt. Die vom Internationalen Bioethik-Komitee (IBC) vorbereitete Allgemeine Erklärung über das menschliche Genom und Menschenrechte wurde im November 1997 von der 29.UNESCO-Generalkonferenz verabschiedet und Erfahrungen damit in den Folgejahren analysiert. In 2005 wurde die "Allgemeine Erklärung über Bioethik und Menschenrechte" schließlich einstimmig angenommen. Ethische Aspekte der Entwicklung von Wissenschaft und Technik werden in der Weltkommission für Wissenschafts- und Technologieethik (COMEST) behandelt. Nachdem sich die Kommission zunächst vornehmlich mit Fragen des Süßwassers, des Weltraums und der Energie befasst hat, stehen seit der Konferenz in Berlin Ende 2001 Fragen der Ethik der Informationstechnologie im Vordergrund.
Die Vereinten Nationen haben 2009 zum Internationalen Jahr der Astronomie erklärt. Es soll die Bedeutung der Astronomie für Wissenschaft und Kultur hervorheben. Die UNESCO hat die Federführung für das Internationale Jahr. Unter dem Motto "Das Weltall. Du lebst darin – entdecke es!" soll das UN-Jahr besonders das Interesse junger Menschen an Astronomie und Naturwissenschaften wecken.
Kultur - Die UNESCO ist im VN-System die einzige Fachorganisation mit Kulturkompetenz. Schutz und Erhaltung des kulturellen Erbes, Bewahrung und Förderung der kulturellen Vielfalt und der Dialog zwischen den Kulturen sind ihre Hauptaufgaben.
Das Programm zum Erhalt des Kultur- und Naturerbes der Welt ist das bekannteste aller UNESCO-Programme. Die UNESCO-Welterbeliste umfasst derzeit mehr als 890 Welterbestätten in 148 Ländern, darunter 33 aus Deutschland - zuletzt wurden 2009 das Dresdner Elbtal gestrichen und das Wattenmeer aufgenommen.
Das 2003 verabschiedete UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des immateriellen Kulturerbes trat 2006 in Kraft. Damit werden die langjährigen UNESCO-Aktivitäten zur Inventarisierung, Sammlung und Revitalisierung kultureller Traditionen, Fertigkeiten und vom Aussterben bedrohter Sprachen künftig in völkerrechtlich verbindlichem Rahmen fortgesetzt.
Kommunikation - Zugang zu Information und Wissen für alle, Einsatz von Informationstechnologie als Entwicklungsfaktor und Förderung der Pressefreiheit - das sind die Ziele des Kommunikationsprogramms der UNESCO. Sie wendet ihr Augenmerk verstärkt auf die Folgen der rasanten Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien.
Das Programm "Memory of the World" (Gedächtnis der Menschheit), will dokumentarisches Erbe schützen und zugänglich machen. Memory-of-the-World Register umfasst über 190 Eintragungen, darunter elf aus Deutschland (z. B. Beethovens 9. Sinfonie oder seit 2009 das Nibelungenlied).
Im Rahmen ihres Kommunikationsprogramms unterstützt die UNESCO den Aufbau moderner Wissensgesellschaften ("Knowledge Societies"), in denen die Meinungsfreiheit und der gleichberechtigte Zugang zu Information und Wissen ebenso verwirklicht sind wie Bildung für alle und kulturelle Vielfalt.
Im Rahmen des Programms "Information für alle" bemüht sich die UNESCO um die Verbesserung des internationalen Informationsaustausches (Datenbanken, Bibliotheken, Archive). In jüngerer Zeit sind die Programme der Organisation verstärkt auf die Folgeprobleme der neueren Medientechnologie gerichtet.
Die Organe der UNESCO sind die Generalkonferenz (Mitgliederversammlung alle zwei Jahre), der Exekutivrat mit 58 Mitgliedern und der Generaldirektor. Die fachliche Beratung der Programme erfolgt durch wissenschaftliche Ausschüsse und zwischenstaatliche oder internationale Räte.
Die Deutsche UNESCO-Kommission hat als Mittlerorganisation der auswärtigen Kulturpolitik die Aufgabe, die Bundesregierung und die übrigen zuständigen Stellen zu beraten, an der Verwirklichung des UNESCO-Programms in Deutschland mitzuarbeiten, die Öffentlichkeit darüber zu informieren und Fachorganisationen, Institutionen und Experten mit der UNESCO in Verbindung zu bringen.
Der reguläre Haushalt der UNESCO wird aus den direkten Beiträgen der Mitgliedsländer aufgebracht. Er beträgt für die Jahre 2010 und 2011 zusammen insgesamt 653 Millionen US-Dollar. Dies bedeutet ein nominales Wachstum von 3,5 Prozent gegenüber dem vorherigen Haushalt.
Vom Gesamthaushalt entfallen auf das Bildungsprogramm 118,5 Millionen, auf das Wissenschaftsprogramm 85,1 Millionen (davon Naturwissenschaften: 59,1 Millionen, Sozial- und Humanwissenschaften: 29,7 Millionen), auf das Kulturprogramm 53,7 Millionen und auf das Programm Kommunikation und Information 33,2 Millionen US-Dollar. Zusätzlich stehen erhebliche extrabudgetäre Mittel zur Verfügung, die aus freiwilligen Beiträgen einzelner Mitgliedsstaaten stammen.
UNESCO
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