Tunesien

Forschungsprojekte u.a. zu Umwelt, Nachwachsenden Rohstoffen, Erneuerbare Energien, Trinkwasserschutz und Abwassertechnologien sowie Ernährung, Landwirtschaft und Biotechnologie bilden Schwerpunkte der Forschungskooperation zwischen Forschungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Tunesien.

Politischer Rahmen der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit

Wichtigster politischer Rahmen der wissenschaftlich-technologischen Kooperation zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der tunesischen Regierung bildet ein „Memorandum of Understanding“ zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit aus dem Jahre 1998. Auf europäischer Ebene besteht seit 2004 eine Vereinbarung zur Kooperation in den Bereichen Wissenschaft und Technologie zwischen der EU und Tunesien.

Aktuelle Schwerpunkte der Kooperation

Eine Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tunesien auf politischer Ebene findet vor allem im Rahmen der erweiterten EU-Mittelmeerpartnerschaft MoCo (Monitoring Committee for the Euro-Mediterranean Cooperation) sowie seit 2008 verstärkt im Rahmen der „Union für das Mittelmeer“ statt. Weiterhin beteiligt sich das BMBF über das Internationale Büro seit 2008 an dem EU-geförderten INCO-Net MIRA (Mediterranean Innovation and Research Coordination Action). Wichtiger Partner ist neben zahlreichen Akteuren aus der MENA-Region das tunesische Ministerium für Höhere Bildung, Wissenschaftliche Forschung und Technologie.

Derzeit bestehen vielfältige Kooperationen zwischen deutschen und tunesischen Hochschulen (u. a.):

  • Fachhochschule Aachen
  • Universität Bielefeld
  • Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
  • Hochschule Furtwangen
  • Universität Heidelberg
  • Universität Karlsruhe
  • Universität Mannheim
  • Universität Stuttgart

Darüber hinaus besteht eine enge Kooperation zwischen der TU München und der Universität Tunis El Manar in dem Forschungsbereich „Nachwachsende Rohstoffe“. Im Herbst 2010 hat die TU Berlin die Kooperation mit tunesischen Partnern fortgesetzt und ein internationales Seminar „Trinkwassererschließung, Trinkwasserschutz und Abwasserreinigung“ vom 14. bis zum 18. Oktober 2010 in Sfax und Hammamet, Tunesien, organisiert, an dem auch Studierende und Alumni der TU Berlin teilnehmen.

Das Forschungszentrum Geesthacht (GKSS) unterhält insbesondere im Rahmen der EU-Projekte CIRCE und ECOOP Kooperationen mit mit dem Institut National Agronomique de Tunisi, Tunis-Mahrajne sowie mit dem Institut National Des Sciences Et Technologies De La Mer, Salammbo und dem Institut Pasteur De Tunis, Tunis.

Ein Schwerpunkt des Projektes “EnerMENA“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ist die Vermittlung von Know-How an Forschungseinrichtungen, Universitäten, Industrieunternehmen, Fachkräfte, Ingenieurbüros und Energieversorger u. a. in Tunesien zur solarthermischen Kraftwerkstechnologie. Zu den wichtigsten Zielen gehören, alle Akteure, die beim Bau von solarthermischen Kraftwerken mitwirken, besser zu vernetzen.

Seit dem 4. EU-Forschungsrahmenprogramm haben tunesische Forschungseinrichtungen an mehr als 280 Forschungsprojekten teilgenommen. Thematische Schwerpunkte der Projekte auch mit deutschen Einrichtungen waren: Umwelt, Ernährung, Landwirtschaft und Biotechnologie sowie Gesundheit.

Allgemeine Entwicklungen und Aktivitäten

1. Forschungspolitik

Die Unterstützung von Forschung und Wissenschaft stehen im Zentrum der tunesischen Politik zur wirtschaftlichen Entwicklung. Die öffentlichen Ausgaben für Forschung gemessen am BSP liegen mit 1,25 Prozent über dem Durchschnittswert von 0,3 Prozent in anderen arabischen Ländern und sind im Zeitraum 2000-2007 um 300 Prozent gestiegen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung durch Unternehmen sind insgesamt schwach ausgeprägt und konzentrieren sich auf weinige Großunternehmen aus den Bereichen Elektronik, Chemie und Ernährungswirtschaft. Die Ausgaben für Bildung gemessen am BSP liegen nach Angaben der UNESCO bei 7,2 Prozent und der Anteil von Personen mit Höherer Bildung (Gross Tertiary Enrolement Rate) bei 34 Prozent und stellen somit einen Spitzenwert in der Region Nordafrika und Naher Osten dar.

Die Schwerpunkte in den Bereichen Bildung und Forschung stellen sich folgendermaßen dar:

Höhere Bildung (unter anderem): 

  • Verbesserung der Höheren Bildung und Erzielung internationaler Standards
  • Ausbau des berufsbezogenen Master-Programms in Partnerschaft mit der Wirtschaft
  • Stärkere nachfrageorientierte Ausbildung
  • Stärkung der universitären Autonomie
  • Aufbau zusätzlicher virtueller Bildungsangebote
  • Digitalisierung der Bestände von Universitätsbibliotheken
  • Steigerung der Hochschulabsolventen in Naturwissenschaften und Ingenieurbereich von 11,7 Prozent auf 18 Prozent bis 2014

Forschung (unter anderem): 

  • Erhöhung des Anteils der Forschungsausgaben am BSP von 1,25 Prozent auf 1,5 Prozent in 2014
  • Errichtung drei neuer regionaler Knotenpunkte für Forschung und Innovation im Norden, Süden und Zentrum des Landes
  • Aufbau sektoraler Innovationsnetzwerke
  • Verbesserung der Verwertbarkeit von Forschung
  • Einbindung tunesischer wissenschaftlicher „Diaspora“

Es existieren zwei wesentliche Forschungsförderprogramme: 

  • Das Nationale Forschungsprogramm zielt sowohl mit einem breiten Ansatz als auch mit einem themenbezogenen Ansatz (Wasserwirtschaft, Erneuerbare Energien, Biotechnologie, Gesundheit, IKT) auf die Weiterentwicklung des tunesischen Forschungssystems. 
  • Das ebenfalls 2003 in Leben gerufene nationale Förderprogramm für Forschung und Innovation zielt auf die Weiterentwicklung des Transfers zwischen Wissenschaft und Forschung insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe.

Referenzrahmen bildet neben dem Präsidentschaftsprogramm der Nationale Entwicklungsplan des Ministeriums für Entwicklung und Internationale Kooperation für den Zeitraum 2007 – 2016:

  • Weiterentwicklung des nationalen Forschungssystems, Aufbau von Laboratorien
  • Förderung nationaler Forschungsthemen wie Energie, Landwirtschaft, Gesundheit und Innovation im Verarbeitenden Gewerbe
  • Verbesserung der Kooperation Wissenschaft/Wirtschaft, Aufbau von Netzwerken, Ausbau der Technoparks (seit 2003 unterstützt die tunesische Regierung den Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft über „Technoparks“ u. a. zu den Themen IKT, Wasser, Energie, Gesundheit, Biotechnologie, Mikroelektronik, Textilien, Ernährungswirtschaft)

2. Hochschulen / Forschungszentren

Insgesamt sind etwa 5.625  Forscherinnen und Forscher (Vollzeit) in 33 Forschungszentren, die ca. 139 Laboratorien und 643 Forschungsabteilungen umfassen,  tätig. Diese Forschungszentren verfügen über gute Kapazitäten und belegen hinter Katar Platz zwei in der arabischen Welt (Arab Knowledge Report, 2009). Es existieren 193 Einrichtungen für Höhere Bildung und Forschung, von denen 24 Höhere Institute für technologische Studien sind. Der Großteil dieser Einrichtungen (163) zählt zum Verantwortungsbereich des Forschungsministeriums.

In Tunesien gibt es 13 Universitäten mit 350.882 Studenten (knapp 60 Prozent davon Studentinnen). Die wichtigsten Universitäten sind:

  • Tunis El Manar Universität mit Forschungsschwerpunkten in Life Sciences, Biomedizin, Physik, Chemie, Mathematik und Energie
  • Universität Kathargo mit Forschungsschwerpunkten in Ernährungswissenschaft, Landwirtschaft und  Biologie
  • Universität Monastir mit Forschungsschwerpunkten in Zahnmedizin und Pharmazie
  • Universität Sousse mit Forschungsschwerpunkten in Immunologie, Mikrobiologie und Medizin
  • Universität Sfax mit Forschungsschwerpunkten in Life Sciences, Physik, Mathematik und Computerwissenschaften

Die Publikationsleistung tunesischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist beachtlich. Sie belegen laut „Arab Knowledge Report“ (2009) hinter Ägypten und Saudi-Arabien Rang drei in der arabischen Welt. Dabei sind französische Forscherinnen und Forscher mit Abstand die wichtigsten Publikationspartner. Nur knapp fünf Prozent der tunesischen internationalen Publikationen werden in Kooperation mit deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verfasst. Bibliometrische Analysen zeigen in folgende Publikationsbereichen Stärken: Materialwissenschaften, Mathematik, Mikrobiologie, Genetik, Neurowissenschaften und klinische Medizin.

 


Einrichtung

 Forschungsschwerpunkte  Internet
 National Institute of Applied Science and Technology
 (INSAT)
 Biotechnologie, Chemie, Energie und Verkehr, Informatik, Kommunikationstechnologien, Ingenieurwissenschaft  http://www.insat.rnu.tn/
 
 Institut Supérieur des Etudes Technologiques (ISET)
 IKT  http://www.isetn.rnu.tn/
 
 Ecole Polytechnique de Tunisie
 Wirtschaftswissenschaften, Ökonometrie, IKT, Mathematik  http://www.ept.rnu.tn/
 Université du 7 novembre à Carthage  Recht, politische Wissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Architektur, Stadtplanung, Computerwissenschaften, Ingenieurwissenschaft, BWL, Sprachen



http://www.univ7nc.rnu.tn/

 

 École Supérieure des Sciences Economiques et
 Commerciales de Tunis (Université de Tunis – ESSECT)
 Internationaler Handel, Wirtschaftswissenschaften  http://www.essect.rnu.tn/
 
 École Nationale des Ingenieurs de Sfax (Université de
 Sfax – ENIS)
 Natürliche Ressourcen und Umwelt, Materialwissenschaften, Maschinenbau  http://www.enis.rnu.tn/
 
 Université de Sfax
 
Ingenieurwissenschaft , Wirtschaftswissenschaften, Gesundheitswirtschaft, Medizintechnik, Recht, Naturwissenschaften, Biotechnologie, Verwaltung, Kunst, IKT, Musikwissenschaft
 http://www.uss.rnu.tn/
 Université de Sousse  
Medizinforschung, Recht, Wirtschaftswissenschaften, politische Wissenschaften, Kunst, Sozialwissenschaften
 http://www.uc.rnu.tn/

Ansprechpartner

  • Roman Noetzel

    • Gruppenleitung: Nordafrika, Nahost; Fachlicher Ansprechpartner: MIRA (INCO-NET Mittelmeerraum), MoCo
    • Heinrich-Konen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 3821-1484
    • Faxnummer: +49 228 3821-1444
    • E-Mail-Adresse: roman.noetzel@dlr.de