Strategieforum für Internationale S&T Kooperation, SFIC

SFIC Mandat: Das „Strategic Forum for International S&T Cooperation“ trägt zu einer Internationalisierung des Europäischen Forschungsraums (EFR/ European Research Area /ERA) durch den Austausch über internationale S&T Aktivitäten der Mitgliedstaaten und der Gemeinschaft bei. Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas insgesamt zu erhöhen und Europas Attraktivität für Investitionen in Forschung und Technologie zu stärken ist eine engere Koordination von Aktivitäten hilfreich.

Strategieentwicklung

Die Aufgaben des Forums sind unter anderem

  • strategische Prioritäten zu setzen, mit einer langfristigen internationalen Strategie und gleichzeitiger Entwicklung von Pilotinitiativen;
  • „Hot Spots“ und Stärken zu identifizieren um den globalen Herausforderungen zu begegnen;
  • Vermittler und Koordinierungsstelle zwischen Kommission und Mitgliedstaaten zu sein;
  • Gegenseitigen Austausch vorantreiben;
  • Horizontale Politikkoordination auf nationaler und europäischer Ebene fördern.

Ein wichtiger Aspekt auf dem Weg zu einer europäischen Strategie für internationale Forschungskooperation ist die bessere Abstimmung existierender Maßnahmen, das Bündeln von Ressourcen und gemeinsame Prioritätensetzung. SFIC versucht stetig sich ergänzende oder überlappende Aktivitäten von einzelnen Mitgliedstaaten und der Kommission zu identifizieren und daraus einen europäischen Mehrwert zu bilden – durch Öffnen nationaler Programme, ähnliche Schwerpunktsetzung in bilateralen Kooperationen, oder Verknüpfung solcher Initiativen auf politischer Ebene.

Pilotinitiativen und Zusammenarbeit mit Drittstaaten/–regionen

Verstärkte strategische Zusammenarbeit mit allen Weltregionen ist für SFIC wichtig. Dabei verfolgt SFIC Pilotinitiativen zu Indien, China, USA und Brasilien und diskutiert derzeit über die Erweiterung der Initiativen um Russland ab 2014.

Indien

Bereits im ersten Jahr des Strategieforums wurde die Indien-Pilotinitiative (IPI) angestoßen. Aufgrund der gemeinsamen Absichtserklärung zum EU-Indien Gipfeltreffen im Februar 2012 wurde am 31.05.2012 durch die Forschungsminister der EU und Indien beschlossen, eine Governance-Struktur in Form einer Group of Senior Officials (GSO) einzurichten, die sich aus hochrangigen Beamten aus Indien, den Mitgliedstaaten und der Kommission zusammensetzt (Brussels Communiqué). Die GSO wird die Kommission und Mitgliedstaaten gleichermaßen in einen dauerhaften Dialog mit der indischen Seite. Erstmalig trifft sich die GSO am 08./09. Oktober 2013 in Brüssel. Zum einen wird dort die mit der indischen Seite gemeinsam erarbeitete Strategische Forschungs- und Innovationsagenda (Strategic Research and Innovation Agenda, SRIA) verabschiedet. Zum anderen werden die von den thematischen Arbeitsgruppen erarbeiteten Aktionspläne zu den Fachthemen Wasser, Energie und Gesundheit im Rahmen der SRIA verabschiedet.

China

Seit 2011 läuft die China-Initiative und startete mit Workshops zu ‚Best Practices’ der Forschungskooperation mit China in den Mitgliedstaaten und einem spezifischen Workshop zu Fragen rechtlicher Rahmenbedingungen der FuE-Zusammenarbeit mit China. Auf dieser Grundlage wurde innerhalb des SFIC eine Strategische Forschungs- und Innovationsagenda (Strategic Research and Innovation Agenda, SRIA) formuliert, die die vier Forschungsthemen Energie, Urbanisierung, Gesundheit und IKT beinhaltet, ebenso wie die horizontalen Themen Innovation, Mobilität und Rahmenbedingungen der FuE Kooperation.

Thematisch konzentriert sich SFIC vorerst auf den Bereich Urbanisierung, u.a. weil dies ein Thema im EU-China-Dialog darstellt. Die Joint Programming Initiative Urbanisation, welche die Zusammenarbeit mit China ausbauen will, organisierte dazu einen Workshop in Peking im Mai 2013; neben Experten aus China und den Mitgliedstaaten war SFIC ebenfalls vertreten.

USA

Traditionell ist bilaterale Kooperation zwischen den USA und den Staaten Europas sehr lebhaft. Genau hier versucht SFIC anzusetzen um Aktivitäten zu bündeln, Mehrwert zu schaffen und eine kohärente Vorgehensweise für Europa zu finden. Die Herausforderung ist eine andere als bei China und Indien: die vielfältigen „Einzelteile“ der existierenden Zusammenarbeit müssen analysiert werden und es muss dort angeknüpft werden, wo Europa und die USA Zusammenschlüsse für sinnvoll erachten, da bisher überwiegend „bottom-up“-Kooperation stattfindet. Bisher wurde zwischen den Mitgliedstaaten und der Kommission eine Roadmap „Approaching USA“ erarbeitet. Verschiedene Aktionspläne wurden dabei konkretisiert. Ein Aktionsplan „Awareness Raising in den USA“ umschließt die Forschungsmarketingkampagne „Destination Europe“ (D.E.).

Destination Europe soll die Wahrnehmung Europas als exzellenten Forschungsstandort bei US-Forschern erhöhen.
Bisherige D.E. Veranstaltungen:

  • Boston: 20.01.2012, Parallelveranstaltung zur MIT Career Fair
  • San Francisco: 6.-7.12.2012, eigene D.E. Veranstaltung
  • Boston: 22.02.2013, Parallelveranstaltung zur MIT Career Fair
  • Washington D.C.: 11.04.2013, Jahrestagung der American Association for Cancer Research, Parallelveranstaltung.

Brasilien

Brasilien ist wie Indien und China eines der aufstrebenden Schwellenländer, mit denen eine wachsende Verzahnung von wirtschaftlichen und politischen Interessen stattfindet. So ist Brasilien auch für die internationale FuE-Zusammenarbeit ein wichtiger Akteur. In einem ersten Schritt wurde Anfang 2013 ein Bericht veröffentlicht, der die Forschungs- und Innovationsaktivitäten einzelner Mitgliedstaaten und assoziierten Staaten mit Brasilien zusammenstellt. Anschließend wurde in einem Workshop „Approaching Brazil“ im Juni 2013 intensiv über die generelle Zusammenarbeit in Forschung und Innovation unter den Mitgliedstaaten und assoziierten Staaten diskutiert.

Ein Ergebnis war, dass der Fokus in der Zusammenarbeit nicht nur auf Forschung gelegt werden kann, sondern vor allem auch auf Innovation. Diesbezüglich soll eine Analyse und Landkarte des Brasilianischen Innovationssystems erstellt werden. Zudem soll ein gemeinsames Verständnis und gemeinsame Ziele vereinbart werden, die die Rahmenbedingungen für eine FuE-Zusammenarbeit mit Brasilien verbessern, z.B. in Steuerfragen und Wirtschaftsrecht, um Lösungsansätze in bilateralen Dialogen kohärent zu vertreten.

Politikdialoge

SFIC versucht sich verstärkt in biregionale Politikdialoge einzubringen, insbesondere für die Regionen EU-CELAC (Lateinamerika und Karibische Staaten), EU-AU (Afrika) und EU-ASEAN (Südostasien). Sie dienen dem Austausch und der Stärkung der politischen Partnerschaft in FuE. Die Zusammenarbeit von SFIC mit anderen EU-Institutionen hilft, die internationale Dimension in Forschung und Innovation bei Gipfeln und Ministertreffen mehr in den Mittelpunkt zu rücken und aktiver an der Identifizierung und Vorbereitung einer gesammelten und abgestimmten gesamteuropäischen FuE Position mitzuwirken. Durch die Partnerschaft und Abstimmung im Rahmen von SIC ist eine höhere Kohärenz zwischen den Aktivitäten der Mitgliedstaaten und der EU zu erwarten.

Stärkung des EFR

Unabdingbar für eine effiziente Abstimmung auf EU-Ebene ist ein stetiger Informationsfluss innerhalb der Mitgliedstaaten. Die Wissenschaftsreferenten europäischer Staaten und der Kommission in Drittstaaten werden eng in Diskussionsprozesse zu bestimmten Ländern eingebunden und über die SFIC-Initiativen informiert. Es besteht Austausch mit anderen Initiativen des Europäischen Forschungsraumes (EFR), an denen die Mitgliedstaaten teilnehmen (z.B. Joint Programming, Steering Group on Human Ressources and Mobility, Strategic Energy Technology Plan). Auch Projekte des 7. Forschungsrahmenprogrammes der Kommission, insbesondere aus dem Programm „internationale Kooperation“, tragen zu einer breiten Informationsbasis bei und spielen eine Rolle bei Pilotinitiativen. Die sogenannten INCO-Projekte werden aktiv in den Informationsfluss in SFIC mit einbezogen.

Ein Beitrag des Strategieforums zum EFR ist der gegenseitige Austausch, der in internationaler FuE-Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten stattfindet. Er trägt zu einem Lerneffekt untereinander bei, führt zum Auftreten der Mitgliedstaaten als „Einheit“ nach außen und bietet Möglichkeiten EU-weite gemeinsame Aktivitäten auf politischer Ebene zu starten oder zu vertiefen. Dieser Prozess ermöglicht auch die bessere Mitgestaltung internationaler Aspekte im neuen Forschungsrahmenprogramm der Kommission „Horizont 2020“.

SFICs Entstehung

Die Europäische Kommission hat in ihrer Mitteilung vom 24.9.2008 einen strategischen Rahmen für die internationale Kooperation in Forschung und Technologie formuliert, der vom Europäischen Rat am 2.12.2008 mit der Schlussfolgerung zur Etablierung eines Strategieforums für die Internationale S&T Kooperation (Strategic Forum for International S&T Cooperation, SFIC) umgesetzt wurde. SFIC tagt vier Mal jährlich mit Repräsentanten der EU-Kommission und der EU-Mitgliedstaaten als gleichberechtigte Mitglieder und den zum FRP Forschungsrahmenprogramm assoziierten Staaten als Beobachter.

Vorsitz

In den ersten zwei Jahren von 2009 – 2010 stellte Deutschland den Vorsitz des Strategieforums (MinDir Volker Rieke, BMBF). Diese Rolle war durch den besonderen deutschen Einsatz im Rahmen der CREST AG Internationales begründet. Die erste Sitzung wurde im Feb. 2009 in Brüssel abgehalten. Im Zeitraum 2011-2013 hat Finnland mit Dr. Riita Mustonen von der Academy of Finland den SFIC- Vorsitz übernommen. Seit Jun. 2013 ist der SFIC-Vorsitz an Dan Andreé (Sonderbeauftragter für das schwedische Ministerium für Bildung und Wissenschaft und gleichzeitig für VINNOVA (Swedish Agency for Innovation Systems)) übergeben.

Interne Organisation

SFIC trifft sich etwa viermal jährlich als hochrangiges Gremium. Um diese Sitzungen vorzubereiten, gibt es thematische Arbeitsgruppen, die teilweise mit anderen Teilnehmern und häufiger tagen.

Eine Task Force, ursprünglich „Task Force II for priority setting“ wurde als ständige Arbeitsgruppe mit gewähltem Vorsitz (aktuell Portugal) etabliert, der auch den stellvertretenden Vorsitz SFICs bildet. Die Gruppe befasste sich anfangs mit dem Auswählen der ersten Schwerpunkte von SFIC (wie Indien oder Energie). Mittlerweile bereitet sie die SFIC-Sitzungen im Ganzen vor und erstellt auf Anfrage des Gremiums detaillierte Vorschläge für bestimmte Themen oder organisiert in variabler Geometrie Veranstaltungen (beispielsweise die „Destination Europe“ Veranstaltungen).

Für die Indien-Pilotinitiative hat sich eine thematische Arbeitsgruppe gebildet, die vorwiegend aus Vertretern der Mitgliedstaaten besteht, die auch in nationalen Indienaktivitäten bewandert sind. Sie soll nun in die Arbeitsgruppe zur neuen Dialogstruktur überführt werden.

Weitere kleinere Kerngruppen gibt es zu verschiedenen Arbeitsphasen in SFIC, sie beschränken sich meist auf den Austausch per E-Mail und Telefon.

Finanzielle, strukturelle und personelle Ressourcen von SFIC kommen aus nationalen und EU-Quellen. Alle Mitglieder agieren auf der Basis der variablen Geometrie, d.h. sie müssen nicht jede Initiative einstimmig mittragen, sondern nur die für die Umsetzung der eigenen mitlgiedstaatlichen Ziele und Schwerpunktsetzung relevant sind.

Dokumente

Ansprechpartner

  • Henriette Krimphoff

    • Fachliche Ansprechpartnerin
    • Heinrich-Konen-Str.1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 3821-1798
    • Faxnummer: +49 228 3821-1444
    • E-Mail-Adresse: henriette.krimphoff@dlr.de

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