Strategieforum für Internationale S&T Kooperation, SFIC

Zu einer Internationalisierung des Europäischen Forschungsraums (ERA) tragen internationale S&T Aktivitäten der Mitgliedstaaten und der Gemeinschaft bei. Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas insgesamt zu erhöhen und Europas Attraktivität für Investitionen in Forschung und Technologie zu stärken ist eine engere Koordination von Aktivitäten hilfreich.

Strategieentwicklung

Die Aufgaben des Forums sind unter anderem

  • strategische Prioritäten zu setzen, mit einer langfristigen internationalen Strategie und gleichzeitiger Entwicklung von Pilotinitiativen;
  • „Hot Spots“ und Stärken zu identifizieren um den globalen Herausforderungen zu begegnen;
  • Vermittler und Koordinierungsstelle zwischen Kommission und Mitgliedstaaten zu sein;
  • Gegenseitigen Austausch vorantreiben;
  • Horizontale Politikkoordination auf nationaler und europäischer Ebene fördern.

Ein wichtiger Aspekt auf dem Weg zu einer europäischen Strategie für internationale Forschungskooperation ist die bessere Abstimmung existierender Maßnahmen, das Bündeln von Ressourcen und gemeinsame Prioritätensetzung. SFIC versucht stetig sich ergänzende oder überlappende Aktivitäten von einzelnen Mitgliedern zu identifizieren und daraus einen europäischen Mehrwert zu bilden – durch Öffnen nationaler Programme, ähnliche Schwerpunktsetzung in bilateralen Kooperationen, oder Verknüpfung solcher Initiativen auf politischer Ebene.

 

Pilotinitiativen und Zusammenarbeit mit Drittstaaten/–regionen

Verstärkte strategische Zusammenarbeit mit allen Weltregionen ist für SFIC wichtig. Dabei stehen seit längerem Indien, China und die USA im Mittelpunkt, mit einer aktuellen Erweiterung der Überlegungen auch zu Russland und Brasilien.

Eine schon im ersten Jahr des Strategieforums angestoßene Initiative ist die Indien-Pilotinitiative (IPI) mit anfänglichem Fokus auf „Wasser und Bioressourcen“. 2010 organisierte SFIC eine große Stakeholder-Konferenz für die indisch-europäischen Partnerschaft in Forschung und Innovation mit dem Leitthema „Wasser“. Mittlerweile wurde mit indischen Ministerien eine gemeinsame strategische Forschungsagenda, die auch für weitere Themen geöffnet ist. Sie wurde mit einer zweiten gemeinsamen Stakeholder-Konferenz 2012 und einem Communiqué des dortigen Ministertreffens unter dänischer Ratspräsidentschaft in Brüssel unterstützt. Bis Ende 2012 wird eine Governance-Struktur („Group of Senior Officials“) ausgestaltet, die die Kommission und Mitgliedstaaten gleichermaßen in einen dauerhaften Dialog mit der indischen Seite bringt und gemeinsame Forschung vorantreiben wird.

SFIC hat zwei Berichte zu China als eines der BRIC-Staaten über das chinesische Forschungssystem, die –politik und die –strategien erarbeitet. Um konkrete Maßnahmen festzulegen, fanden 2011 zwei Workshops mit nationalen Experten und SFIC-Mitgliedern und statt – zu Forschungskooperation mit China im Allgemeinen und mit speziellem Fokus auf Rahmenbedingungen und Intellectual Property. Zurzeit werden aus den Ergebnissen ein Maßnahmenplan und eine strategische Forschungsagenda zur verstärkten Zusammenarbeit mit China erarbeitet.

Traditionell ist bilaterale Kooperation zwischen den USA und den Staaten Europas sehr lebhaft. Genau hier versucht SFIC anzusetzen um Aktivitäten zu bündeln, Mehrwert zu schaffen und eine kohärente Vorgehensweise für Europa zu finden. Die Herausforderung ist eine andere als bei China und Indien: die vielfältigen „Einzelteile“ der existierenden Zusammenarbeit müssen analysiert werden und es muss dort angeknüpft werden, wo Europa und die USA Zusammenschlüsse für sinnvoll erachten, da bisher überwiegen „bottom-up“-Kooperation stattfindet.

SFIC versucht sich verstärkt in biregionale Politikdialoge einzubringen, insbesondere für die Regionen EU-LAC (Lateinamerika), EU-AU (Afrika) und EU-ASEAN (Südostasien). Seine enge Zusammenarbeit mit der jeweiligen EU-Ratspräsidentschaft hilft, Forschung und Innovation bei Gipfeln und Ministertreffen mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Dazu muss sich insbesondere auf nationaler Ebene verständigt werden – zwischen verschiedenen Referaten, Auswärtigen Ämtern und Forschungsministerien.

 

Stärkung des EFR

Unabdingbar für eine effiziente Abstimmung auf EU-Ebene ist stetiger Informationsfluss innerhalb der Mitgliedstaaten. Die Wissenschaftsreferenten europäischer Staaten und der Kommission in Drittstaaten werden eng in Diskussionsprozesse zu bestimmten Ländern eingebunden. Es besteht Austausch mit anderen Initiativen des Europäischen Forschungsraumes (EFR), an denen die Mitgliedstaaten teilnehmen (z.B. Joint Programming, Steering Group on Human Ressources and Mobility, Strategic Energy Technology Plan). Auch Projekte des 7. Forschungsrahmenprogrammes der Kommission, insbesondere aus dem Programm „internationale Kooperation“, tragen zu einer breiten Informationsbasis bei und spielen eine Rolle bei Pilotinitiativen. Aus diesem Austausch ergeben sich auch thematische Schwerpunkte in SFICs Arbeit, wie zum Beispiel die Themen „Energie“, „Wasser“ oder „Gesundheit“.

Ein Beitrag des Strategieforums zum EFR ist der gegenseitige Austausch, der in internationaler F&E Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten stattfindet. Er trägt zu einem Lerneffekt untereinander bei, führt zum Auftreten der Mitgliedstaaten als „Einheit“ nach außen und bietet Möglichkeiten EU-weite gemeinsame Aktivitäten auf politischer Ebene zu starten. Dieser Prozess ermöglicht auch die bessere Mitgestaltung internationaler Aspekte im neuen Forschungsrahmenprogramm der Kommission „Horizon 2020“.

 

SFICs Entstehung

Die Europäische Kommission hat in ihrer Mitteilung vom 24.9.2008 einen strategischen Rahmen für die internationale Kooperation in Forschung und Technologie formuliert, der vom Europäischen Rat am 2.12.2008 mit der Schlussfolgerung zur Etablierung eines Strategieforums für die Internationale S&T Kooperation (Strategic Forum for International S&T Cooperation, SFIC) umgesetzt wurde. SFIC tagt vier Mal jährlich mit Repräsentanten der EU-Kommission und der EU-Mitgliedstaaten als gleichberechtigte Mitglieder und den zum FRP assoziierten Staaten als Beobachter.

 

Deutsche Rolle

In der ersten Sitzung am 18.2.2009 wurde Deutschland in der Person von MinDir Volker Rieke aus der Abteilung für Europäische und Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung des BMBF für den Vorsitz gewählt. Seit 25.2.2011 liegt der Vorsitz bei Finnland. Deutschland ist aber weiterhin in diesem Gremium sehr engagiert, um erreichte Erfolge auszubauen und neue Ideen voranzutreiben. Das Internationale Büro leistet hierfür allgemeine organisatorische Unterstützung und beteiligt sich in Arbeitsgruppen, die vom Strategieforum nach Bedarf eingerichtet werden.

 

Interne Organisation

SFIC trifft sich etwa viermal jährlich als hochrangiges Gremium. Um diese Sitzungen vorzubereiten, gibt es thematische Arbeitsgruppen, die teilweise mit anderen Teilnehmern und häufiger tagen.

Die Task Force I für Informationsmanagement erarbeitete einen Sharepoint als Datenbank, über die Dokumente verteilt und auch Kontaktdaten verwaltet werden können. So haben alle Forumsmitglieder Zugriff auf schon existierende Mappings und Berichte von nationaler und EU-Ebene, aber auch neu in SFIC erstellte Dokumente. Diese Gruppe wurde Mitte 2010 aufgelöst.

Die zweite Task Force, ursprünglich „Task Force II for priority setting“ wurde als ständige Arbeitsgruppe mit gewähltem Vorsitz (aktuell Portugal) etabliert, der auch den stellvertretenden Vorsitz SFICs bildet. Die Gruppe befasste sich anfangs mit dem Auswählen der ersten Schwerpunkte von SFIC (wie Indien oder Energie). Mittlerweile bereitet sie die SFIC-Sitzungen im Ganzen vor und erstellt auf Anfrage des Gremiums detaillierte Vorschläge für bestimmte Themen oder organisiert in variabler Geometrie Veranstaltungen.

Für die Indien-Pilotinitiative hat sich eine thematische Arbeitsgruppe gebildet, die vorwiegend aus Vertretern der Mitgliedstaaten besteht, die auch in nationalen Indienaktivitäten bewandert sind. Sie soll nun in die Arbeitsgruppe zur neuen Dialogstruktur überführt werden. Weitere kleinere Kerngruppen gibt es zu verschiedenen Arbeitsphasen in SFIC, sie beschränken sich meist auf den Austausch per E-Mail und Telefon.

Finanzielle, strukturelle und personelle Ressourcen von SFIC kommen aus nationalen und EU-Quellen. Alle Mitglieder agieren auf der Basis der variablen Geometrie, d.h. sie müssen nicht jede Initiative einstimmig mittragen.

Dokumente

Ansprechpartner


  • Henriette Krimphoff

    • Fachliche Ansprechpartnerin
    • Heinrich-Konen-Str.1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 3821-1798
    • Faxnummer: +49 228 3821-1444
    • E-Mail-Adresse: henriette.krimphoff@dlr.de

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