
Forschung und Entwicklung (FuE) spielen in Finnland eine herausragende Rolle. Die Ausgaben für FuE, gemessen am Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zählen weltweit zu den höchsten. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in einer hohen Zahl von Beschäftigten in diesem Sektor wider. Im Jahr 2011 hat Finnland die Präsidentschaft des Nordischen Ministerrates inne. Die bilateralen Beziehungen zwischen Finnland und Deutschland sind nicht über ein entsprechendes Kooperationsabkommen formalisiert. Die deutsch-finnische Zusammenarbeit zwischen Forschungsinstituten, Universitäten und Unternehmen hat sich in vielen Bereichen intensiv entwickelt.
Der Anteil der FuE-Ausgaben am BIP in Finnland betrug 2009 nach OECD-Daten 3,96% und 2010 3,87%. Innerhalb der EU hat Finnland damit den Nachbarn Schweden überholt und sich an die erste Stelle gesetzt. Finnland erfüllt seit Jahren das Lissabon-Ziel von 3%. Bis zum Jahr 2012 strebt das Land 4% (Entwicklungsplan für Bildung und Forschung) an. Die FuE-Förderung zählt zu den wichtigen Regierungszielen. In vielen Bereichen ist die finnische Forschung weltweit mit führend.
Die finnische Gesellschaft betrachtet Bildung als einen Schlüsselfaktor für erfolgreiche und nachhaltige Aktivitäten in Forschung, Entwicklung und Innovation. Zusammen mit den nordischen Nachbarn Schweden und Dänemark nahm Finnland im Bereich Hochschul- und Berufsbildung laut "Global Competitiveness Report 2009-2010" einen der ersten drei Plätze ein. Der "Global Competitiveness Report 2011-2012" sieht Finnland mit Blick auf die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit im weltweiten Vergleich an Position vier, gegenüber Rang sieben im Jahr zuvor.
Die laufenden Hochschulreformen sollen unter anderem zu einer weiteren Internationalisierung beitragen. Mit der Gründung der Aalto-Universität Anfang 2010 in Helsinki (ein Zusammenschluss dreier bereits existierender Hochschulen) möchte Finnland ein weltweit sichtbares Aushängeschild auf den Weg bringen und die Internationalisierung von Lehrenden und Studierenden verbessern.
In der im Oktober 2008 vorgestellten nationalen Innovationsstrategie werden die Leitlinien der finnischen Innovationspolitik formuliert. Die Strategie soll die innovative Kraft Finnlands in der globalisierten Welt, die Nachfrageorientierung des Innovationssystems sowie die Innovationskraft der Bevölkerung sicherstellen. Kern des Papiers sind Vorschläge für die Erstellung und Umsetzung einer breit angelegten und einheitlich koordinierten nationalen Strategie zur Innovationsförderung unter Einbeziehung der Wirtschaft, der Regionen Finnlands, des Parlaments, des Bildungssektors sowie der öffentlichen Verwaltung. Schwerpunktziele der Strategie sind neben einer Produktivitätssteigerung die Förderung neuer Ideen und eine verstärkte Orientierung an Nutzerbedürfnissen.
Bedeutendes Beratungsgremium in Bezug auf die nationale Forschungs-, Innovations- und Technologiepolitik für die finnische Regierung ist der Forschungs- und Innovationsrat (RIC).
Mit der 2009 erschienenen Studie Internationalisation of Finnish Education, Research and Innovation weist er die Ziele und Leitlinien der Forschungs- und Innovationspolitik für 2010 bis 2015 aus.
Im Oktober 2009 wurde das finnische Innovationssystem von nationalen und internationalen Experten evaluiert. Der abschließende Bericht der Expertenkommission analysierte als eine der Schwächen des Forschungs- und Innovationssystems seine vergleichsweise starke Fragmentierung. Die Innovationskraft des finnischen Systems hat sich in den letzten Jahren abgeschwächt. Die Expertenkommission schlägt unter anderem Anreize für die (internationale) Mobilität von Forschern und für eine Internationalisierung von Forschung und Innovation vor. Als ein Zeichen für die Internationalisierungsbestrebungen können auch die vier, derzeit existierenden „Innovation Center“ in den USA, Russland, China und Japan gedeutet werden.
Die großen Mittlerorganisationen Finnlands decken unterschiedliche Bereiche des Wissenschafts- und Innovationssystems ab. Die Akademie von Finnland betreibt Forschungsförderung im Bereich der Grundlagenforschung. Die Mittlerorganisation Tekes (The Finnish Funding Agency for Technology and Innovation) ist im Bereich der angewandten Forschung und Innovation tätig.
Die deutsch-finnische Kooperation erfolgt vorwiegend im multilateralen Rahmen und ist auf die aktive Gestaltung des Europäischen Forschungsraumes ausgerichtet.
In den BMBF-Fachprogrammen laufen überwiegend multilaterale Projekte, an denen deutsche und finnische Partner beteiligt sind. Thematisch dominieren Projekte in der Umweltforschung und –technologie, den Biowissenschaften und –technologie, der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie in der Meeres- und Polarforschung.
Ein thematischer Schwerpunkt der deutsch-finnischen Zusammenarbeit liegt darüber hinaus im Bereich Meeres- und Polarforschung. Eine Förderung erfolgt unter anderem im Rahmen des BONUS-Netzwerks zur Ostseeforschung. Aus dem im 6. EU-Forschungsrahmenprogramm gestarteten ERA-Net Netzwerk entwickelte sich das „BONUS-169“ Forschungsprogramm und die Ausschreibung „BONUS+“. Das BONUS-Netz bringt elf an der Förderung und Durchführung der Ostseeforschung beteiligte Organisationen zusammen, um deren Forschungsmittel zu bündeln und die Infrastrukturnutzung zu koordinieren. Regional bildet der Ostseeraum den Rahmen für länderübergreifende Kooperationen.
Das BMBF hat im Frühjahr 2010 eine Bekanntmachung zur Förderung eines Ideenwettbewerbs zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Ostseeanrainerstaaten veröffentlicht. Ziel dieser Fördermaßnahme ist es, durch die internationale Zusammenarbeit Innovationspotenziale zu erschließen und internationale Wettbewerbsvorteile deutscher Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Ostseeraum zu stärken. Die Bekanntmachung soll deutsche Einrichtungen unterstützen, sich mit exzellenten Institutionen in Ostseeanrainerstaaten zu vernetzen, um gemeinsam Kooperationsstrategien zu entwickeln und erfolgreich an FuE-Projekten zu arbeiten. Die Internationalisierung bereits bestehender nationaler Kompetenznetze soll auf diese Weise weiter vorangetrieben werden. Auch die Kooperation mit finnischen Partnern wird über diese Bekanntmachung intensiviert. Finnische Institutionen engagierten sich in elf Projekten.
In der zweiten Auflage 2011 der Förderung eines Ideenwettbewerbs zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Ostseeanrainerstaaten ist Finnland ebenfalls in verschiedenen Projekten vertreten.
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