
In einer hoch entwickelten Industrienation wie Schweden kommen Forschung, Entwicklung und Innovation als Investitionen in die Zukunft eine Schlüsselrolle zu. Sowohl bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) - bezogen auf das Bruttoinlandprodukt (BIP) - als auch bei weiteren Indikatoren liegt Schweden in Europa an führender Position. Für die deutsch-schwedische Zusammenarbeit bietet der Ostseeraum einen wichtigen geographischen Rahmen und ein großes Potenzial.
Schweden blickt auf eine lange Geschichte umfassender Förderung von Forschung und Entwicklung (FuE) zurück, in der privaten Wirtschaft ebenso wie im öffentlichen Sektor und in enger Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Bereichen. Das Land gehört zu den führenden Staaten der Welt wenn es um FuE-Investitionen geht: Schweden investierte seit 2003 jeweils mehr als 3,50% seines BIP in FuE (2009 waren es nach OECD-Angaben 3,62%) und gehört damit zusammen mit Dänemark und Finnland zu den drei EU-Ländern, die das „Lissabon-Ziel“ von 3% übertreffen. Ein Großteil der Investitionen wird dabei von Unternehmen beigesteuert. Der öffentliche Anteil liegt noch bei unter 1%. Die schwedische Regierung plant deshalb eine Steigerung der Investitionen bis 2012 um 20% gegenüber 2008. Im Oktober 2008 brachte sie ihr neues Forschungs- und Innovationsgesetz auf den Weg, das die Grundlage für eine schrittweise Erhöhung der öffentlichen Mittel für FuE bildet.
Darüber hinaus betrachtet die schwedische Gesellschaft Bildung als entscheidenden Faktor für erfolgreiche und nachhaltige Aktivitäten in Forschung, Entwicklung und Innovation. Zusammen mit den nordischen Nachbarn Dänemark und Finnland nahm Schweden im Bereich Hochschul- und Berufsbildung laut “Global Competitiveness Report 2009-2010“ einen der ersten drei Plätze ein. Insgesamt lag Schweden im „Global Competitiveness Report 2011-2012“ and dritter Position hinter der Schweiz und Singapur und im „Innovation Union Scoreboard 2010“ an zweiter Stelle hinter der Schweiz.
Ein wichtiger Schwerpunkt in der schwedischen Forschungspolitik ist der weitere Ausbau der Forschungsinfrastruktur. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den beiden geplanten internationalen Großforschungsanlagen ESS (Europäische Spallationsquelle) und der Synchrotronstrahlungsquelle Max IV am Standort Lund.
Ein Abkommen auf Regierungsebene zur bilateralen Kooperation im Bereich Wissenschaft und Forschung gibt es zwischen Deutschland und Schweden nicht.
Die bilaterale Kooperation erfolgt vorwiegend im multilateralen Rahmen und ist auf die aktive Gestaltung des Europäischen Forschungsraumes ausgerichtet. Schwerpunkte der gemeinsamen Projekte innerhalb des 7. Forschungsrahmenprogrammes sind Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Gesundheit.
In den BMBF-Fachprogrammen sind mit einer Ausnahme alle Projekte mit schwedischer Beteiligung multilateral ausgerichtet. Thematische Schwerpunkte innerhalb der laufenden Projekte liegen in den Bereichen Umweltforschung und -technologie, Meeres- und Polarforschung sowie Informations- und Kommunikationstechnologie.
Die deutsch-schwedische Zusammenarbeit an der Europäischen Spallationsquelle ESS ist Teil des 2009 gegründeten Röntgen-Ångström-Clusters zur bilateralen Kooperation in der Photonen- und Neutronenforschung. Bei der ESS handelt es sich um ein europäisches Großprojekt im Rahmen der europäischen Forschungsinfrastrukturen („ESFRI-Roadmap“). Schweden beteiligt sich am Röntgen-Laser XFEL, der in Hamburg gebaut wird.
Das BMBF hat im Frühjahr 2010 eine Bekanntmachung zur Förderung eines Ideenwettbewerbs zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Ostseeanrainerstaaten veröffentlicht. Ziel dieser Fördermaßnahme ist es, durch die internationale Zusammenarbeit Innovationspotenziale zu erschließen und internationale Wettbewerbsvorteile deutscher Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Ostseeraum zu stärken. Die Bekanntmachung soll deutsche Einrichtungen unterstützen, sich mit exzellenten Institutionen in Ostseeanrainerstaaten zu vernetzen, um gemeinsam Kooperationsstrategien zu entwickeln und erfolgreich an FuE-Projekten zu arbeiten. Die Internationalisierung bereits bestehender nationaler Kompetenznetze soll auf diese Weise weiter vorangetrieben werden. Auch die Kooperation mit schwedischen Partnern wird dadurch intensiviert. Schwedische Institutionen beteiligten sich Anfang 2011 an elf Projekten.
In der zweiten Auflage 2011 der Förderung eines Ideenwettbewerbs zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Ostseeanrainerstaaten ist Schweden ebenfalls in verschiedenen Projekten vertreten
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