Westlicher Balkan

Die Integration der Westlichen Balkanländer (WBC) in den Europäischen Forschungsraum (EFR) und die Förderung interregionaler Forschungszusammenarbeit als Beitrag zum Stabilisierungs- und Assoziierungsprozesses (SAP) sind von zentraler forschungspolitischer Bedeutung sowohl für die Region als auch für die Europäische Union.

Zu den Ländern des Westlichen Balkans gehören Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Kroatien, die Ehemalige Jugoslawische Republik (EJR) Mazedonien, Montenegro und Serbien.


 Fördermöglichkeiten für den Westlichen Balkan

 

Am weitesten fortgeschritten auf dem Weg in die Europäische Union (EU) ist Kroatien, dessen Beitritt nach Unterzeichnung des Vertrages am 9. Dezember 2011 zum Juli 2013 als 28ster Staat zur Europäischen Union vorgesehen ist. Bereits seit Dezember 2005 besitzt die EJR Mazedonien den offiziellen Status eines Beitrittskandidaten. Die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen noch in 2012 wurde von der Europäischen Kommission empfohlen. Seit Dezember 2010 ist auch Montenegro offizieller Beitrittskandidat. Aus Sicht Serbiens ist die Verleihung des Kandidatenstatus noch in diesem Jahr das nächste Ziel auf dem Weg in die EU. Mit dem Abschluss entsprechender Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union haben die WBC Albanien, und Bosnien-Herzegowina ihre europäische Perspektive als potentielle Beitrittskandidaten bekräftigt. Diese Perspektive wurde auch für den Kosovo von Seiten der EU mehrfach bestätigt.

Im Rahmen der österreichischen Ratspräsidentschaft wurde 2006 mit der Einrichtung der "Steering Platform on Research for the Western Balkan countries" eine wichtige Stärkung des Politikdialogs im Bereich Wissenschaft und Technologie zwischen der Europäischen Kommission, den Mitgliedsstaaten und assoziierten Staaten und den Westbalkanländern erreicht. Diese Initiative baut auf dem unter griechischer EU-Präsidentschaft initiierten "EU-Balkan Countries Action Plan in Sciences and Technology" auf und findet kontinuierlich jeweils zweimal im Jahr statt.

Die Verbesserung der Integration der Westlichen Balkanländer in den Europäischen Forschungsraum (EFR) war auch das Ziel des von der EU geförderten Netzwerkprojekts SOUTHEAST-EUROPEAN ERA-NET (SEE-ERA.Net). Durch die Verknüpfung der jeweiligen Aktivitäten Deutschlands und seiner 13 Partnerländer im Rahmen der bestehenden nationalen, bilateralen und regionalen Forschungsprogramme mit spezieller Ausrichtung auf Südosteuropa konnten hier wichtige Meilensteine wie die Durchführung einer gemeinsamen Pilotausschreibung für Netzwerk- und Forschungsprojekte gesetzt werden. Ein Meilenstein ist ferner das unter deutscher Federführung erarbeitete „White Paper“, in dem politische Strategien und Empfehlungen für die künftige Zusammenarbeit mit den Westlichen Balkanländern definiert werden. Das „White Paper“ wird durch den „Joint Action Plan“ mit konkreten Projektideen und Initiativen unterfüttert. Ein wichtiger Effekt dieses EU Projekts war auch die Einbindung der zu diesem Zeitpunkt noch neuen EU-Länder Bulgarien und Rumänien in die überregionale FuE-Kooperation mit dem westlichen Balkan. Alle Länder des westlichen Balkans waren an SEE-ERA.NET beteiligt. Das Projekt hatte eine Laufzeit von 5 Jahren und endete im August 2009.

Zentrale Aufgabe des derzeit laufenden Nachfolgeprojekts SOUTHEAST-EUROPEAN ERA-NET PLUS (SEE-ERA.NET PLUS) ist die Durchführung einer gemeinsamen Ausschreibung für "Joint European Research Projects" (JERP). Aufbauend auf den Erfahrungen und Ergebnissen des Projekts SEE-ERA.NET wird hiermit die weitere Integration der südosteuropäischen Länder, insbesondere der Länder des westlichen Balkans, in den Europäischen Forschungsraum (EFR) vorangetrieben. Die gemeinsame Ausschreibung wurde am 1. September 2009 veröffentlicht. Neben Deutschland beteiligen sich auch Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Frankreich, Griechenland, Kroatien, Montenegro, Österreich, Rumänien, Serbien, Slowenien und die Türkei an der Ausschreibung. Insgesamt wurden zum 31.10.2009 163 förderfähige Expressions of Interest (EoI) eingereicht. 102 EoI entfielen davon auf den Bereich AgroFood und 61 auf den Bereich IKT. Derzeit werden insgesamt 23 JERPs noch bis September 2012 gefördert.

Das WBC-INCO.NET (INCO-NET Westlicher Balkan) ist ein europäisches Netzwerkprojekt für den bi-regionalen forschungspolitischen Dialog zwischen der EU, den an das 7. EU-FRP assoziierten Staaten und den westlichen Balkanländern. Es unterstützt die "Steering Platform on Research for the Western Balkan Countries". Ziel ist es, die Teilnahme von Forschern der Zielregion in Europäischen FuE-Projekten zu verbessern. Das Konsortium des WBC.INCO.NET enhanced wird von 29 Partnern aus 16 Ländern gebildet, darunter die Forschungsministerien von Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Kroatien, der EJR Mazedonien, Montenegro, Österreich, Serbien, Slowenien und der Türkei. Ferner nehmen zahlreiche Forschungseinrichtungen und –agenturen teil. Das Projekt begann im Januar 2008 und läuft noch bis Ende 2013 verlängert; dabei wurden das Thema Innovation in das Arbeitsspektrum und drei neue Partner in das Konsortium aufgenommen.

Förderung der Zusammenarbeit mit den Ländern des Westlichen Balkans

Vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung hat das BMBF im Frühjahr 2004 ein spezielles Förderinstrument zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit mit den Mittel-, Ost- und Südosteuropäischen Ländern veröffentlicht. Im Rahmen des Programms "Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittel- Ost- und Südosteuropa" (so genannte Regionalausschreibung) werden Finanzmittel für Anbahnungsprojekte in der angewandten Forschung, Entwicklung und in der Bildung bereitgestellt, um weiterführende Projektanträge in aktuellen Förderprogrammen des BMBF und im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU zu stellen.

Ansprechpartner

  • Ralf Hanatschek

    • Fachlicher Ansprechpartner: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Kroatien, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Serbien
    • Heinrich-Konen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 3821-1482
    • Faxnummer: +49 228 3821-1444
    • E-Mail-Adresse: ralf.hanatschek@dlr.de