Indonesien

Indonesien ist eines der Schwerpunktländer für die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) mit Asien. Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit besteht schon seit 30 Jahren (2009) und wurde nach der Tsunami-Katastrophe am 26.12.2004 durch die Kooperation beim Aufbau eines Tsunami Frühwarnsystems für den Indischen Ozean wesentlich intensiviert.
Fördermöglichkeiten für Indonesien 

 

Politischer Rahmen der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit

Erklärte Schwerpunkte der bilateralen Zusammenarbeit sind gemäß des WTZ-Abkommens die Themenbereiche Meeresforschung und -technologie, Energieforschung und -technologie, Luft- und Raumfahrtforschung und -technologie, Geowissenschaften, Sozial- und Geisteswissenschaften sowie Wissenschaft und Technologie, die als Grundlage für die industrielle Entwicklung dienen können, sowie die wissenschaftliche Information und Dokumentation.

Generelles Ziel ist es, die Wirtschaft, insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU - nach EU Definition), in die Zusammenarbeit einzubeziehen. Dieses Ziel einer stärkeren Verknüpfung von Forschung und wirtschaftlicher Anwendung wird von der indonesischen Seite unter anderem durch die Einrichtung so genannter Business & Technology Center (BTC) angestrebt, deren Aufbau das BMBF durch die Förderung von Workshops und von Hospitationen in Deutschland sowie durch die Beratung vor Ort unterstützt.

Grundlagen/Schwerpunkte der Kooperation

Basierend auf dem WTZ-Abkommen unterhält das BMBF die Kooperation mit Indonesien über ein interministerielles Komitee. Vier gemeinsame Lenkungsausschüsse koordinieren die Zusammenarbeit in den Themenfeldern Meeresforschung und Geowissenschaften, Biotechnologie, Tsunami-Frühwarnsystem und Geothermie.

Meeresforschung und Geowissenschaften
Eine wichtige Grundlage für die schnelle Reaktion auf die Tsunami-Katastrophe war die seit mehreren Jahren etablierte Kooperation im Rahmen eines gemeinsamen Lenkungsausschusses für Meeresforschung und Geowissenschaften ("EOR - Earth and Ocean Research"). Insbesondere die Erfahrungen durch bilaterale Projekte zum Fluss- und Küstenzonenmanagement oder der gemeinsamen Nutzung von Forschungsschiffen spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Zahlreiche Projekte, die auch einer nachhaltigeren Ressourcennutzung dienen, werden unter dem Titel "Science for the Protection of Indonesian Coastal Marine Ecosystems" (SPICE) vom Ausschuss betreut und im Rahmen von Fachprogrammen des BMBF gefördert. Das Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen (http://www.ZMT-Bremen.de) übernimmt für diesen Verbund übergeordnete Aktivitäten (Workshops, Summer Schools, Wissenschaftleraustausch etc.). Weitere Informationen zu SPICE finden Sie unter http://www.bmbf.de/de/4852.php, http://www.fz-juelich.de/ptj/wtz/indonesien.

Tsunami-Frühwarnsystem
Im Frühjahr 2005 hat sich zur bilateralen Kooperation zur Einrichtung eines Tsunami-Frühwarnsystems ein entsprechender Lenkungsausschuss ("TEWS - Tsunami Early Warning System") konstituiert. Die Grundlage für diese Zusammenarbeit mit Indonesien ist die Joint Declaration zwischen Deutschland und Indonesien (14. März 2005).

Die Bundesregierung hat im Rahmen ihrer Wiederaufbauhilfe in der betroffenen Region 45 Millionen Euro für den Aufbau des Tsunami-Frühwarnsystems bereitgestellt. Das deutsch-indonesische System ist (der wesentliche) Teil des Gesamtkonzeptes des Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean, dessen Aufbau UNESCO/IOC (Zwischenstaatliche Ozeanographische Kommission) koordiniert.

Unter Federführung der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, vertreten durch das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ), arbeiten verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen in enger Kooperation: das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Alfred-Wegener-Institut (AWI), das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), das Forschungszentrum Geesthacht (GKSS), das Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM), die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die Universität der Vereinten Nationen in Bonn (UNU).

Biotechnologie
Höchste Priorität für den bilateralen Lenkungsausschuss zur Biotechnologie ("SC IG-Biotech") besitzen Projekte, die sowohl Forschungseinrichtungen als auch Unternehmen beider Länder einschließen. Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind die Pflanzenbiotechnologie und Pflanzenzüchtung, die biotechnologische Aufarbeitung industrieller Abwässer und Abfälle, u.a. die Aufarbeitung von Glycerin als Reststoff bei der Palmölproduktion. Neu hinzugekommen sind das "molecular farming" zur Produktion von Impfstoffen sowie ein Kooperationsprojekt im Bereich der "2+2 Vorhaben" zur Entwicklung eines genotypspezifischen HCV-Diagnosechips.

Höhepunkte der bilateralen Zusammenarbeit

Tsunami-Frühwarnsystem
Zwei Jahre nach Unterzeichnung der Joint Declaration zur Einrichtung eines Tsunami-Frühwarnsystems sind bereits wichtige Teilziele erreicht. Zentrale Komponenten des Systems sind bereits aufgebaut: Die zentrale Kommunikationseinheit ist seit 2006 operativ. Die ersten 10 Seismometerstationen sind aufgebaut und mit weiteren Stationen aus der Region (Thailand, Malaysia, Australien) zu einem Netz zusammengeführt. Das deutsche Auswertesystem SeiComp 3 wurde integriert und liefert bereits jetzt seismische Frühwarnungen innerhalb von 4-5 Minuten (vor der Tsunami Katastrophe waren es 60 Minuten und länger). Weitere Stationen wurden aufgebaut. Die ersten beiden GPS-Bojen wurden nach der ersten Testphase technisch optimiert. Die indonesische Agentur für Meteorologie, Geophysik und Klima (BMKG) hat für das Warnzentrum einen Neubau errichtet, in den das neue Tsunami-Warnzentrum eingezogen ist. An die Aufbauphase schließt sich ein gemeinsamer deutsch-indonesischer Betrieb an, um weiterhin indonesisches Personal auszubilden, einzelne Komponenten zu optimieren und einen Finanzierungsplan gemeinsam mit Indonesien zu entwickeln, der den zukünftigen Betrieb sicherstellt. Das System soll dann Mitte 2010 vollständig an Indonesien übergeben werden.

Im Rahmen des Sonderprogramms GEOTECHNOLOGIEN fördert das BMBF ein weiteres Projekt i. H. v. 1,3 Mio. Euro, das sich mit dem Thema "letzte Meile" (Übermittlung des Warnsignals an Privatwohnungen und Hotels) befasst. In enger Abstimmung mit dem oben vorgestellten Projekt GITEWS wird in einem Verbundvorhaben von mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen und Mittelständischen Unternehmen mittels hydro-dynamischer Modelle exemplarisch am Beispiel der Stadt Padang in Indonesien das Eindringen einer Flutwelle in das Stadtgebiet simuliert. Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse, der Besiedelungsstrukturen, der topographischen Gegebenheiten usw. werden in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden Evakuierungspläne erarbeitet.

Die Schwerpunkte im Capacity Building liegen auf der Ausbildung des Personals für das Frühwarnsystem und im akademischen Bereich aber auch auf der Beratung indonesischer Stellen von der kommunalen bis zur nationalen Ebene. So wurde in Deutschland ein Doktorrandenprogramm eingerichtet, an dem indonesische Akademiker im GITEWS-Projekt teilnahmen. Ende 2007 wurde ein Gesetz, das die Zuständigkeiten im Katastrophenfall regelt erlassen. Auch hieran war das Projekt beteiligt. In drei Pilotregionen (Sumatra, Java, Bali) wurden kommunale Einrichtungen für den Katastrophenfall geschult. Insbesondere diese Arbeit sollte auf andere Regionen ausgebreitet werden. Es wird angestrebt, dass diese Aufgabe im Rahmen der deutsch-indonesischen EZ weitergeführt wird.

Verbundprojekt "Karstgewässer"
Des Weiteren stand vor allem die Erschließung und Bewirtschaftung unterirdischer Karstgewässer in der Provinz Yogyakarta im Vordergrund: Das wichtigste Projekt im Bereich Umweltforschung & -technologie ist ein Projekt zur nachhaltigen Bewirtschaftung unterirdischer Flüsse in einer zeitweilig wasserarmen Region Javas unter Federführung der Universitäten Karlsruhe und Yogyakarta. Die im Rahmen des Projekts angepassten Technologien können weltweit in Karstregionen mit unterirdischen Fließgewässern eingesetzt werden und besitzen somit ein erhebliches Marktpotential.

Dokumente

Ansprechpartner

  • Dr. Shilpi Saxena

    • Fachliche Ansprechpartnerin: Indonesien, Singapur, Vietnam, Südostasien
    • Heinrich-Konen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 3821-410
    • Faxnummer: +49 228 3821-444
    • E-Mail-Adresse: shilpi.saxena@dlr.de