China

Innerhalb der EU ist Deutschland Chinas wichtigster Handelspartner. China treibt den Ausbau seines Forschungspotenzials kontinuierlich voran, insbesondere mittels stark steigender FuE-Ausgaben und paralleler Ausbildung von FuE-Personal. Chinesische Wissenschaftler und Forschungseinrichtungen haben in vielen Bereichen zum Niveau westlicher Industrieländer aufgeschlossen oder werden dies in naher Zukunft erreichen. Angesichts der gestiegenen Bedeutung Chinas für Wissenschaft und Bildung hat Bundesministerin Schavan zusammen mit ihren chinesischen Amtskollegen das "Deutsch-Chinesische Jahr der Wissenschaft und Bildung 2009/2010" initiiert.
Fördermöglichkeiten für China

Allgemeine Aktivitäten und Entwicklungen

In den vergangenen Jahren hat die Volksrepublik China den Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 0,7 auf 1,5 Prozent (2008) des Bruttoinlandsprodukts gesteigert. Davon sind etwa ein Drittel öffentliche FuE-Ausgaben, zwei Drittel stammen aus der Wirtschaft. Die chinesische Innovationsstrategie (2006 bis 2020) und der elfte Fünfjahresplan (2006 bis 2011) lassen deutlich erkennen, dass die politische Führung Chinas Forschung und Entwicklung als Grundlage des Wachstums der chinesischen Wirtschaft ansieht und Naturwissenschaft und Technologie als Ressourcen für Industrie und Dienstleistung nutzen will. Zahlreiche Reformen in der Wissenschafts- und Technologieförderung, z.B. die Einführung eines Ausschreibungssystems für staatliche Forschungsprogramme, belegen die Ernsthaftigkeit der Modernisierung.

Forschung und Entwicklung in China werden zunehmend nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten reformiert, weitgehend ausgenommen sind Einrichtungen der Grundlagenforschung. Der Schwerpunkt liegt dabei bis heute auf der Industrialisierung und Kommerzialisierung von Technologien. Fokussierten die ersten Reformen (ab 1978) noch auf den Wiederaufbau der Forschungslandschaft nach der Kulturrevolution, so wird seit dem siebten Fünfjahresplan (1985-1991) eine Vernetzung der FuE-Einrichtungen mit wirtschaftlichen Unternehmen durchgeführt. Ziel ist es, Forschungseinrichtungen in die "Marktwirtschaft sozialistischer Prägung" zu integrieren und sie wettbewerbsfähig zu machen, um den Anforderungen des Marktes zu genügen.

Die im Februar 2006 verkündete Innovationsstrategie Chinas bis 2020 hat zum Ziel, die Entwicklung der Wissenschaft und Technologie vor allem unter dem Aspekt der Steigerung der Innovationsfähigkeit Chinas voranzutreiben und China zu einem innovationsstarken Land zu machen. Zugleich soll die Abhängigkeit von ausländischer Technologie stark reduziert werden. Diese Ziele sollen unter anderem durch das "Nutzen ausländischer Technologie" erreicht werden. Nachhaltigkeit und die Bedeutung der Grundlagenforschung werden nun besonders betont. Der Ausbau des Forschungspotenzials in China (vor allem auch im öffentlichen Bereich) wird kontinuierlich vorangetrieben, insbesondere mittels stark steigender FuE-Ausgaben und paralleler Ausbildung von FuE-Personal. Der FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt soll im Jahr 2010 2,0 Prozent und im Jahr 2020 2,5 Prozent erreichen. Dies wird durch die aufgrund der wirtschaftlichen Erfolge stark verbesserten finanziellen Möglichkeiten Chinas erleichtert. Chinesische Wissenschaftler und Forschungseinrichtungen haben in vielen Bereichen zum Niveau westlicher Industrieländer aufgeschlossen oder werden dies in naher Zukunft erreichen. Teilweise gehören chinesische Forscher zur Weltspitze. Zunehmend werden FuE-Kapazitäten nach China ausgelagert (China liegt bei ausländischen FuE-Investitionen bereits an dritter Stelle). Auch die Kapazitäten des chinesischen Hochschulsystems werden sehr stark ausgebaut, verbunden mit einer ausgeprägten Hierarchisierung der Universitäten (Aufbau von Eliteuniversitäten). Die zunehmende Integration Chinas in die internationale Gemeinschaft spiegelt sich auch in der zunehmenden internationalen Kooperation und Einbindung chinesischer Wissenschaftler, der zunehmenden Durchsetzung westlicher Qualitätskonzepte in Forschung und Lehre und der zunehmenden Sensibilisierung auf chinesischer Seite für die Bedeutung des Schutzes von geistigem Eigentum wider. Es ist eine rasch zunehmende Autonomieerweiterung der Akteure auf chinesischer Seite zu beobachten. Vor allem Hochschulen und Forschungsinstitute sowie Wirtschaftsunternehmen haben im Laufe der letzten Jahre erhebliche Freiheiten, verbunden mit Eigenverantwortung, hinsichtlich des Managements, der Verwaltung und der Projektdurchführung erhalten. Chinesische Forscher sind aufgefordert, sich um die Umsetzung und praktische Anwendung ihrer Ergebnisse zu bemühen, um einen Beitrag zur Lösung ökonomischer, sozialer und ökologischer Probleme zu leisten. Diverse, vor allem ökonomische Leistungsanreize für Institute und Wissenschaftler unterstützen diese Politik.

Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung zwischen Deutschland und China hat sich in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert. So wurde China zum wichtigsten Partner der Bundesrepublik in Asien, sowohl gemessen an der Projektzahl als auch am Finanzvolumen.

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China basiert auf dem Regierungsabkommen über wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit vom 09. Oktober 1978. Nach Unterzeichnung des Abkommens konzentrierte sich die beginnende Kooperation Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre zunächst auf Kontakte und Besuche einzelner Wissenschaftler. Daran schloss sich eine zweite Phase der projektorientierten Zusammenarbeit an. Zwar bildet die Projektzusammenarbeit auch heute noch einen wichtigen Teil der WTZ mit China, aber seit einigen Jahren zeichnet sich eine Tendenz in Richtung institutioneller Kooperationen ab, zu der auch die Gründung gemeinsamer Institute gehört. Beispielsweise wurden im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie mit Unterstützung des BMBF in Beijing und Berlin gemeinsame deutsch-chinesische Forschungsinstitute unter dem Dach der Fraunhofer-Gesellschaft gegründet. In den letzten Jahren wurde vermehrt auf die Beteiligung von industriellen Partnern an den Kooperationsprojekten Wert gelegt.

Die deutsch-chinesische Zusammenarbeit in Bildung und Forschung wird durch in ein- bis zweijährigen Abständen tagende gemeinsame Regierungskommissionen koordiniert. Im Bereich der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit sind dies die Gemeinsame WTZ-Kommission sowie Gemeinsame Lenkungsausschüsse in folgenden fachlichen Bereichen:

  • Biotechnologie
  • Geowissenschaften
  • Informationstechnologie, Mikrosystemtechnik
  • Kulturgüterschutz
  • Laser- und optische Technologien
  • Materialforschung, Nanotechnologie
  • Meeresforschung
  • Umwelttechnologie und Ökologie
  • Produktionsforschung

Darüber hinaus fördert das Internationale Büro (IB) des BMBF auch Maßnahmen in anderen naturwissenschaftlichen Bereichen (z.B. Gesundheitsforschung, Biodiversitätsforschung, Ingenieurwissenschaften oder physikalische und chemische Technologien) sowie in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften.

Die bildungspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China ist in vielen Bereichen anders strukturiert als die forschungspolitische Zusammenarbeit. So gibt es z.B. kein dem WTZ-Abkommen vergleichbares Vertragswerk, auf das sich die Kooperation stützt. Hinzu kommt, dass die Vielzahl der Akteure im Bildungsbereich und die Verteilung der Kompetenzen dem BMBF nur einen vergleichsweise geringen Aktionsspielraum ermöglichen. In den 1980er und 1990er Jahren wurde die Bildungskooperation vor allem von den nachgeordneten Organisationen (insbesondere DAAD) und von anderen Wissenschafts- und Forschungsorganisationen (insbesondere AvH, DFG, MPG etc.) betrieben. Darüber hinaus unterhalten eine Vielzahl deutscher Universitäten schon seit den 1970er Jahren Austauschbeziehungen mit chinesischen Partneruniversitäten, ohne dass diese vom BMBF finanziell oder organisatorisch unterstützt werden. Inzwischen gibt es über 500 deutsch-chinesische Hochschulpartnerschaften.

Seit dem Jahr 2004 wird die hochschulpolitische Zusammenarbeit zwischen dem BMBF und dem chinesischen Bildungsministerium (MoE) in Bildungspolitischen Strategiegesprächen definiert. Diese bieten neben der Diskussion laufender Projekte und Projektvorschläge die Gelegenheit zu intensiveren fachlichen Diskussionen, die maßgeblich in die Kooperationsplanung eingehen. Strategisches Ziel der Kooperation zwischen BMBF und MoE ist die Entwicklung gemeinsamer Studiengänge bis hin zur Entwicklung gemeinsamer Bildungsstandards. Die zwischen BMBF und MoE vereinbarten und über Anschubfinanzierungen unterstützten Projekte beschränken sich auf Modellvorhaben. Die hier gewonnenen Erkenntnisse sollen der Weiterentwicklung der Hochschulkooperation dienen.

Die Kooperation mit China wird vor Ort durch den Wissenschaftsreferenten an der Deutschen Botschaft in Beijing unterstützt. Die DFG unterhält mit ihrem Partner, der National Natural Science Foundation of China (NSFC), seit Oktober 2000 in Beijing ein Zentrum für Wissenschaftsförderung. FhG und HGF sind mit Representative bzw. Liaison Office in Beijing vertreten, der DAAD seit 1994 mit einer Außenstelle sowie Informationszentren in Guangzhou, Shanghai und Hongkong.

Die Förderschwerpunkte des IB liegen in der Anbahnung von FuE-Projekten und Bildungskooperationen sowie der Finanzierung der Mobilität der Wissenschaftler. Durch Mobilitätsförderung sollen sowohl bestehende Kooperationen ausgebaut als auch neue Kontakte geknüpft bzw. neue Kooperationen initiiert werden. Ziel ist die Anbahnung intensiver und langfristiger Kooperationen. Gefördert werden der Austausch von Experten und besonders qualifizierten Nachwuchswissenschaftlern, Workshops, "fact finding"-Reisen und kleinere Projekte, die nach erfolgreicher Anschubphase in größere Vorhaben münden sollen, die dann im Rahmen der BMBF-Fachprogramme oder von anderen Förderorganisationen wie beispielsweise DFG oder EU unterstützt werden. Zuweilen ergeben sich aus den Anschubfinanzierungen des IB auch Projekte, die sich ausschließlich durch Industriemittel finanzieren.

Als Sonderprojekt wird der Aufbau eines deutsch-chinesischen Masterprogramms in den Meereswissenschaften gefördert. Auf deutscher Seite sind die Universitäten in Bremen und Kiel sowie die Leibniz-Zentren für Marine Tropenökologie (ZMT) in Bremen und für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel beteiligt, Partner in China ist die Ocean University of China (OUC) in Qingdao. Die Koordination liegt in Bremen beim ZMT, in Kiel beim IFM-GEOMAR und in Qingdao beim International Office der OUC. Gefördert wird dieses Vorhaben seit 2004 auf deutscher Seite vom BMBF und auf chinesischer Seite vom Ministry of Education (MoE). Die bisherigen Aktivitäten umfassen ein bilaterales englischsprachiges Masterprogramm mit der Option eines Doppelabschlusses, jährliche Sommerschulen für graduierte Studierende beider Länder, gemeinsame Doktorandenausbildung und den Austausch von Gastwissenschaftlern. Für Mai 2010 ist die Eröffnung eines neuen "Zentrums für die Deutsch-Chinesische Kooperation in den Meereswissenschaften" an der Ocean University of China (OUC) in Qingdao geplant, unter dessen Dach künftig die genannten Aktivitäten gebündelt und durch eine Zusammenarbeit auf Forschungsebene ergänzt werden sollen.

"Deutsch-Chinesisches Jahr der Wissenschaft und Bildung 2009/2010"

Am 30. März 2009 hat mit einer feierlichen Auftaktveranstaltung in Berlin unter Beteiligung von Ministerin Prof. Dr. Schavan, dem chinesischen Forschungsminister Herrn Prof. Dr. WAN Gang und der chinesischen Bildungsvizeministerin CHEN Xiaoya das "Deutsch-Chinesische Jahr der Wissenschaft und Bildung 2009/2010" begonnen. Es wird seinen Abschluss voraussichtlich im Rahmen der Expo 2010 in Shanghai finden.
Das Deutsch-Chinesische Jahr soll Impulse für die Kooperation zwischen Deutschland und China in Bildung und Wissenschaft erzeugen. Dabei sind das chinesische Forschungs- und das chinesische Bildungsministerium gleichberechtigte und gleich bedeutende Partner. Als Motto des Jahres wurde deshalb der Slogan gewählt: "Zusammen auf dem Weg des Wissens".

Im Rahmen des Deutsch-Chinesischen Jahrs der Wissenschaft und Bildung ist eine Vielzahl von Veranstaltungen bereits durchgeführt worden oder noch geplant. In Deutschland hat beispielsweise das Nobelpreisträgertreffen in Lindau mit Beteiligung chinesischer Gäste stattgefunden, es wird deutsch-chinesische Bildungswochen geben, es werden Alumni-Treffen veranstaltet, und Chinesische Delegationen reisen durch Deutschland und treffen mit Vertretern aus Wissenschaft, Bildung und Industrie zusammen.

In China wurden unter Beteiligung des BMBF und weiterer Wissenschafts- und Mittlerorganisationen im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Deutschland und China - Gemeinsam in Bewegung" in Shenyang (Juni 2009) und Wuhan (Oktober 2009) Ausstellungen und Veranstaltungen organisiert. Daneben sind strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der deutsch-chinesischen Kooperation geplant. So ist z. B. an einen gezielten Ausbau von deutsch-chinesischen Studiengängen mit Doppelabschlüssen in speziell ausgewählten Themenbereichen gedacht.

Gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte werden durchgeführt, mit denen auch eine bessere Vernetzung der innovativen KMU beider Länder erreicht werden soll. Darüber hinaus soll das Jahr auch dazu dienen, China in der Forschung und Entwicklung noch stärker in die Gemeinschaft der G8/O5-Staaten und eine internationale Forschungsagenda einzubinden.

Dokumente

Ansprechpartner

  • Dr. Frank Stiller

    • Fachlicher Ansprechpartner: China (Forschung), Mongolei
    • Heinrich-Konen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 3821-408
    • Faxnummer: +49 228 3821-444
    • E-Mail-Adresse: frank.stiller@dlr.de
  • Dr. Gesa Bälz

    • Fachliche Ansprechpartnerin: China (Bildung), Singapur
    • Heinrich-Konen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 3821-419
    • Faxnummer: +49 228 3821-444
    • E-Mail-Adresse: gesa.baelz@dlr.de