Ukraine

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine in Wissenschaft, Technologie und Innovation sowie im Bildungsbereich besitzt eine langjährige Tradition. Die Ukraine ist nach Russland der wichtigste Partner aus den Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Die Kooperation gewinnt zusätzliche Bedeutung durch die herausgehobene Rolle der Ukraine im Rahmen der Nachbarschaftspolitik der Europäischen Union.

 
 Fördermöglichkeiten für die Ukraine

 

Politischer Rahmen für die bilaterale Zusammenarbeit in Forschung und Bildung

Grundlage der Zusammenarbeit ist - neben dem 1987 in Kraft getretenen Regierungsabkommen über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR - die 1993 unterzeichnete "Gemeinsame Erklärung des Bundesministeriums für Forschung und Technologie der Bundesrepublik Deutschland und des Staatskomitees für Wissenschaft und Technologie der Ukraine über wissenschaftlich-technische Beziehungen".

Nach den letzten Präsidentschaftswahlen und der Einberufung der neuen ukrainischen Regierung im Frühjahr 2010 wurde in der Verwaltungsstruktur im FuE-Bereich im Juli 2010 das Staatskomitee für Wissenschaft, Innovationen und Informatisierung als neue Regierungsbehörde eingeführt. Dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine verlor dabei seine bis dahin zentrale Rolle in der staatlichen FuE-Politik; im Bildungsbereich ist es allerdings nach wie vor das wichtigste Exekutivorgan für die Vorbereitung und Umsetzung der staatlichen Politik der Ukraine.

Die Partner des BMBF in Kiew auf Regierungsebene sind vor diesem Hintergrund seit Juli 2010 sowohl das Staatskomitee für Wissenschaft, Innovationen und Informatisierung als auch das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine. Die 8. Tagung (seit 1997) der gemeinsamen deutsch-ukrainischen wissenschaftlichen Arbeitsgruppe fand im November 2009 in Kiew statt.   


Schwerpunkte der deutsch-ukrainischen Kooperation

Die inhaltlichen Schwerpunkte in der Kooperation liegen in den Bereichen
  • Nanophysik/Nanotechnologie einschl. Nanobiotechnologie,
  • Gesundheitsforschung einschließlich Medizintechnik,
  • physikalische und chemische Technologien,
  • Umwelt und Nachhaltigkeit.
Kooperationspartner auf deutscher Seite sind traditionell Universitäten und Einrichtungen der HGF, MPG, WGL und der Fraunhofer-Gesellschaft; ukrainische Partner sind vor allem die Institute der Nationalen Akademie der Wissenschaften und die Hochschulen. Auf beiden Seiten wächst außerdem der Anteil von beteiligten Unternehmen.    


Aktuelle Beispiele der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit

In den Bereichen Nanophysik und Nanotechnologie wurden die Beziehungen in den vergangenen Jahren in Kooperationsprojekten sowie mehreren bilateralen Workshops und Expertentreffen mit Unterstützung des BMBF durch das Internationale Büro vertieft. In der Folge unterzeichneten im November 2009 die Nationale Taras-Schewtschenko-Universität Kiew und das R. E. Kavetsky-Institut für Experimentelle Pathologie, Onkologie und Radiobiologie der Nationalen Akademie der Wissenschaften auf ukrainischer Seite und die TU Ilmenau auf deutscher Seite ein Abkommen zur Gründung eines ukrainisch-deutschen Forschungs- und Bildungszentrums zur Nanobiotechnologie. Im September 2010 wurde außerdem das 3. Ukrainisch-Deutsche Symposium zur Nanotechnologie in Beregrove (Ukraine) mit über 150 Teilnehmern erfolgreich durchgeführt.  

Auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung befasst sich die BMBF-unterstützte Zusammenarbeit beispielsweise mit der Bestimmung der Inzidenz von HIV-Infekten über die Etablierung einer entsprechenden Patientenkohorte in der Ukraine sowie mit apoptischen Zellen und Autoimmunität.

Im Bereich der physikalischen und chemischen Technologien wurde im Juni 2010 am E. O. Paton-Institut für Elektroschweißen der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine in Kiew der deutsch-ukrainische Workshop "Plasma and Electron Beam Technologies for Protective Coatings" mit etwa 90 internationalen Experten – auch aus deutschen und ukrainischen Unternehmen – mit dem Ziel einer Intensivierung der Zusammenarbeit auf diesem Gebiet mit Unterstützung durch das BMBF über das Internationale Büro durchgeführt.

Zur Meeresforschung unternehmen deutsche Forschungsschiffe (FS METEOR, FS POSEIDON, FS MERIAN) regelmäßig Forschungsfahrten ins Schwarze Meer; es bietet einzigartige Möglichkeiten z. B. für die Erforschung von Gashydraten und Paläoklima. In der Regel sind auch ukrainische Forscher bei diesen Forschungsfahrten Teil des wissenschaftlichen Expeditionsteams. Die Zusammenarbeit in diesem Forschungsbereich soll weiter ausgebaut werden. 


Höhepunkte der bilateralen Zusammenarbeit

Die "Tage der deutschen Wissenschaft und Forschung in der Ukraine 2009" fanden mit einer Reihe herausragender Veranstaltungen im November/Dezember 2009 ihren Abschluss. Einen besonderen Höhepunkt stellte die überaus gut besuchte Informationsveranstaltung "Forschung in Deutschland: Partner für die Zukunft" des BMBF am 24. November 2009 in Kiew an der Nationalen Technischen Universität der Ukraine "Kiewer Polytechnisches Institut" (NTUU „KPI“) dar. Repräsentanten deutscher Forschungs- und Förderorganisationen gaben hier einen Überblick über die deutsche Forschungslandschaft sowie über die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für die Intensivierung der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit. Zu den Teilnehmern gehörten mehr als 160 führende Vertreter ukrainischer Einrichtungen, davon über die Hälfte aus der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine und mehr als ein Drittel aus ukrainischen Universitäten.

Im Mai 2010 legte das modernste deutsche Forschungsschiff „Maria S. Merian“ im Hafen von Sewastopol auf der Krim an. Im Rahmen einer sehr gut besuchten Pressekonferenz an Bord wurden ukrainische Journalisten, darunter Vertreter nationaler Fernsehsender, über die aktuellen Forschungsaktivitäten im Schwarzen Meer informiert. Zusätzlich stellten im Rahmen eines vom BMBF initiierten und über das Internationale Büro unterstützten ganztägigen wissenschaftlichen Workshops deutsche und ukrainische Forscher ihre Forschungsgebiete und -ausrüstungen vor und schufen damit die Grundlagen für erweiterte und neue zukünftige Kooperationen.    


Förderung der Zusammenarbeit mit der Ukraine

Im Auftrag des BMBF bietet das Internationale Büro deutschen Hochschulen, außeruniversitären Einrichtungen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen schwerpunktmäßig in Wissenschaft und Forschung Zuschüsse vor allem zu Sondierungsmaßnahmen und zur Vorbereitung von bilateralen Projekten. Seit 1993 wurden insgesamt mehr als 200 derartige Maßnahmen durch das Internationale Büro bezuschusst. Die ukrainischen Partner wurden dabei üblicherweise durch das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine durch analoge Maßnahmen unterstützt.

Während der 8. Tagung der gemeinsamen deutsch-ukrainischen wissenschaftlichen Arbeitsgruppe unterzeichneten das BMBF und das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine ein „Memorandum of Understanding“ über die gemeinsame Förderung der Zusammenarbeit in Wissenschaft, Technologie und Innovation auf der Grundlage regelmäßiger Bekanntmachungen auf beiden Seiten.

In Fortsetzung der BMBF-Unterstützung der Beratung zur Forschungs- und Technologiekooperation vor Ort in der Ukraine im Jahr 2009 ist seit Anfang 2010 ein Ansprechpartner für Forschungskooperationen im Auftrag des BMBF in Kiew tätig. Er unterstützt das BMBF und das Internationale Büro bei der Ausgestaltung der deutsch-ukrainischen wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit durch Information und Beratung sowie Mitwirkung bei der Organisation von Veranstaltungen in der Ukraine, durch die kooperationsbezogene Kontaktpflege mit deutschen und ukrainischen Ansprechpartnern in Behörden und Forschungseinrichtungen vor Ort und durch die Bereitstellung von Informationen zu den ukrainischen Wissenschafts- und Innovationssystemen und ihrer aktuellen Entwicklung.

Dokumente

Ansprechpartner

  • Dr. Erich Rathske

    • Fachlicher Ansprechpartner: Ukraine, IWTZ / UWTZ; BILAT-UKR (Bilat Ukraine)
    • Heinrich-Konen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 3821-1464
    • Faxnummer: +49 228 3821-1400
    • E-Mail-Adresse: erich.rathske@dlr.de