Ungarn

Deutschland gehört zu den wichtigsten internationalen Partnern Ungarns. So ist Deutschland mit Abstand der wichtigste Handelspartner, deutsche Firmen sind in der Automobilindustrie und im IKT-Sektor bedeutendste Investoren. In diesen beiden Feldern bietet Ungarn zudem eine hervorragende, unterstützende Forschungslandschaft. Gute Ansatzpunkte für Forschungskooperationen ergeben sich auch in Forschungsbereichen wie Biotechnologie, Medizin sowie Chemie/Pharmazie.
Fördermöglichkeiten für Ungarn 


Politischer Rahmen der Zusammenarbeit

Die deutsch-ungarische Forschungskooperation hat eine lange Tradition. Die bilaterale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie basiert auf dem Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Ungarn über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit vom 07.10.1987 (in Kraft seit: 07.10.1987). Darüber hinaus existiert ein bilaterales Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit mit Ungarn vom 01.03.1994. Verstärkte Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Forschung und Technologie und nachhaltige Forschungskooperationen wurden in der Gemeinsamen Erklärung der beiden Forschungsministerien am 15. September 2004 in Budapest vereinbart.

Die ungarische Regierung hat im Juni 2013 eine neue Innovationsstrategie unter dem Titel „Investition in die Zukunft“ verabschiedet. Diese „F&E- und Innovationsstrategie 2020“ hat drei Hauptzielrichtungen:

  • Entwicklung von international wettbewerbsfähigen Wissensbasen,
  • Initiierung von effizienten Wissensverwertungsprozessen,
  • Generierung eines intensiven Flusses von Knowhow.

Dazu sind sechs horizontale Ziele definiert, darunter Intelligente Spezialisierung in den Regionen, Instrumente für Nachhaltigkeit und Gleichstellung, stabile finanzielle Rahmenbedingungen.

Ein zentrales Ziel der ungarischen Forschungspolitik bleibt die Erhöhung der zuletzt bei gut einem Prozent liegenden, leicht ansteigenden FuE-Ausgaben (2012: 1,29; 2011: 1,21 %, 2010: 1,16: Quelle: NIH/Eurostat). Der Richtwert im Rahmen der Innovationsstrategie 2020 liegt bei 1,8 Prozent zum Ende des Jahrzehnts.

Die Mittelvergabe der EU-Förderperiode 2014-2020 ist unter das Leitprogramm „Szechényi 2020“ gestellt. Von den elf thematischen Zielen sind zwei auf Bildung und Forschung ausgerichtet:

  • Stärkung von Forschung, Technologieentwicklung und Innovation
  • Investition in Bildung, Fähigkeiten und Lebenslanges Lernen

Ungarn beteiligt sich aktiv am Aufbau des Europäischen Forschungsraums (EFR). Während seiner ersten EU-Präsidentschaft in der ersten Hälfte 2011 hat sich Ungarn für zentrale Wirtschaftswachstums- und Innovationsthemen auf europäischer Ebene engagiert. So wurden die Bestrebungen eines EU-Patents forciert und die EU-Makrostrategie für den Donauraum (EUSDR) verabschiedet, deren dritte Prioritätsachse auf Bildung, Forschung und Innovation zielt. Zwischen 2011 und 2012 hatte Ungarn den zwölfmonatigen EUREKA-Vorsitz inne. Ungarn hat sich im Rahmen des Vorsitzes u.a. für eine Stärkung des Eurostars-Programm und eine höhere Zahl industriegetriebener Projekte eingesetzt.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Die Andrássy Gyula Deutschsprachige Universität Budapest hat im September 2002 den Studienbetrieb aufgenommen. Gründungspartner sind neben Ungarn die Republik Österreich, das Land Baden-Württemberg und der Freistaat Bayern. Seit 2002 wird die post-graduale Andrássy-Universität vom DAAD und dem Auswärtigen Amt mit Gastdozenturen und Stipendien unterstützt. Anlässlich des Jubiläums „10 Jahre Ulmer Erklärung“ zur Gründung der Andrássy-Universität wurden die Unterstützungszusagen von Deutschland, Österreich und Ungarn sowie der Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern im Rahmen einer „Gemeinsamen Erklärung“ am 15. April 2011 erneuert. Für die Master- und Aufbaustudiengänge an den drei Fakultäten der Andrássy-Universität sowie für die Forschungsaktivitäten des Donauinstituts wurden die Finanzierungszusagen für weitere fünf Jahre verlängert. Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich mit 1,8 Mio. Euro an den erhöhten Fördermitteln.

Die Bay-Zoltán-Stiftung für Angewandte Forschung (BZAKA) wurde 1992 mit dem Ziel gegründet, ein Netzwerk aufzubauen, welches die Funktion einer Brücke zwischen den universitären Forschungsstätten und der Industrie übernimmt. BMBF unterstützte den Aufbau der Stiftung und ihrer ersten drei Institute über mehrere Jahre u.a. durch die Einschaltung von Experten der Fraunhofer-Gesellschaft und durch die Förderung von bilateralen Verbundprojekten. Die Bay-Zoltán-Stiftung wurde zu Ende 2011 in eine gemeinnützige, privatwirtschaftliche Organisationsform umgewandelt ("Nonprofit Kft."). Die Bay-Zoltán Kft. ist in vier Fachinstitute (Biotechnologie, Logistik, IKT, Materialwissenschaft) und eine Abteilung für Internationale Beziehungen strukturiert. Darüber hinaus betreibt sie einen Innovationspark (BAY-INNO).

Förderung der deutsch-ungarischen Kooperation

Am 15. September 2004 kamen Bundesministerin Bulmahn und der ungarische Bildungsminister Magyar in einer Gemeinsamen Erklärung überein, gemeinsame Forschungsbasen als neues Kooperationsinstrument zu installieren. Noch im Herbst 2004 begann der Aufbau der ersten deutsch-ungarischen Forschungsbasis "Ambient Intelligence". Bis 2008 förderte das BMBF dieses Kooperationsprojekt, in dem Kompetenzen des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern und der Bay-Zoltàn-Stiftung für angewandte Forschung in Budapest verbunden wurden. Insgesamt wurde bislang der Aufbau von sieben deutsch-ungarischen Forschungsbasen gefördert, eines der jüngsten Beispiele ist die Zusammenarbeit zwischen dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und dem Forschungsinstitut für Rechnertechnik und Automatisierung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (SZTAKI). Die Partner haben im Mai 2010 ein Projekt-Center - Production Management and Informatics (PMI) – in Budapest gegründet (www.fraunhofer.hu).

Im Rahmen der Regionalausschreibung „Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa“ sind seit 2004 neunzehn Projekte mit ungarischer Beteiligung abgeschlossen worden. Thematische Schwerpunkte der bisherigen Projekte liegen in den Bereichen Umweltschutz und IKT. Ziel dieser Kooperationen ist in der Regel eine gemeinsame Projektantragstellung in den Förderprogrammen des BMBF oder im 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union. Zuletzt wurde im Mai 2013 eine Kooperation zwischen der Universität Kassel und der Eszterházy-Károly-Fachhochschule, Eger, im Bereich Erneuerbare Energien abgeschlossen.

Eine bilaterale Ausschreibung des Nationalen Innovationsamts Ungarns (NIH) für bilaterale Wissenschafts- und Technologieprojekte hat 2013 zur Einreichung von 17 Projektvorschlägen geführt. Bei den Mitte 2014 startenden Vorhaben steht der Bereich Gesundheit/Ernährung mit acht Vorhaben im Mittelpunkt.

Im Rahmen der ersten BMBF-Donauraumbekanntmachung 2013 erweist sich Ungarn als beliebtestes Kooperationsland unter den Donauländern. Bei den befürworteten Vorhaben stellt Ungarn mit 19 Projektbeteiligungen den größten Anteil, den thematischen Schwerpunkt bildet mit sechs Vorhaben der Bereich Klima/Umwelt/Nachhaltigkeit.

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