Polen

Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung zwischen Deutschland und Polen ist in vielen Bereichen bereits seit langem etabliert und bietet eine hervorragende Ausgangslage für die Kooperation im europäischen Rahmen. Mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union haben die Beziehungen zu Polen im Bereich Bildung und Forschung eine neue Qualität erreicht, stehen jedoch gleichzeitig vor neuen Herausforderungen in Bezug auf gemeinsam europäische Ziele im Zusammenhang mit der im Bologna-Prozess und in der Lissabon-Strategie formulierten Ziele.

Fördermöglichkeiten für Polen 

 

Politischer Rahmen der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit 

Polen ist aufgrund seiner wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Deutschland der wichtigste Partner Deutschlands unter den mittel- und osteuropäischen Ländern.

Die deutsch-polnische Forschungszusammenarbeit basiert auf dem Abkommen für die Wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit (WTZ) vom 10. November 1989 und hat sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Diese bilaterale Kooperation bietet eine hervorragende Ausgangslage für die Zusammenarbeit im europäischen Rahmen. Mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union haben die Beziehungen zu Polen im Bereich Bildung und Forschung eine neue Qualität erreicht.

Aktueller Kooperationspartner auf Regierungsebene ist das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW). Die deutsch-polnische Gemischte WTZ-Kommission trifft sich in der Regel im Abstand von zwei Jahren abwechselnd in Polen oder in Deutschland und entscheidet über die Inhalte und Schwerpunkte der Zusammenarbeit sowie die gemeinsamen Aktivitäten.

Im polnischen nationalen Rahmenprogramm werden als strategische Forschungsfelder der Jahre 2005 bis 2015 folgende Bereiche genannt:

  • Gesundheit Umwelt 
  • Landwirtschaft und Nahrung 
  • Staat und Gesellschaft 
  • Sicherheit 
  • Neue Materialien und Technologien 
  • Informationstechnologien 
  • Energie und Energiequellen 
  • Verkehrsinfrastruktur

Einen Überblick über die Geschichte und Struktur der polnischen Forschungslandschaft sowie über die aktuelle Forschungspolitik bietet die Webseite The Researcher's Mobility Portal- Poland.

Schwerpunkte der deutsch-polnischen Kooperation

In den klinischen Neurowissenschaften wurden mit der zweiten gemeinsamen Ausschreibung nationale Programme in Deutschland und Polen verbunden: 23 deutsch-polnische Projekte konnten im Zeitraum 2002-2010 dadurch gefördert werden. Damit wurden die Voraussetzungen für den Ausbau der Kooperation im europäischen Rahmen geschaffen. Im Zeitraum 2007-2010 arbeiten Deutschland und Polen mit neun weiteren Partnerländern in dem ERA-Net NEURON (Network of European Funding for Neuroscience) zusammen, Deutschland ist an elf Projekten und Polen an einem Projekt beteiligt.

Das Thema Nachhaltigkeit rückt in Verbindung mit den nationalen Rahmenprogrammen "Handlungsorientierte Nachhaltigkeitskonzepte" und "Verletzlichkeit des Systems Erde" zunehmend in den Vordergrund der bilateralen Aktivitäten. Im Rahmen von zwei deutsch-polnischen Workshops zur "Nachhaltigen Entwicklung" (Oktober 2003 und 2005 in Kattowitz und Cottbus) wurden insbesondere die Themen "Bildung für die Nachhaltigkeit" und "Nachhaltige Produktionstechnologien" sowie "Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft" und "Nachhaltiger Tourismus" behandelt.
Am 9. Dezember 2008 unterzeichneten das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das polnische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen ein Abkommen über die Kooperation auf dem Gebiet der Nachhaltigkeitsforschung. Ziel ist eine Intensivierung der Zusammenarbeit in den Gebieten nachhaltige Entwicklung, Innovation, Klimawandel, erneuerbare Energien und umweltverträgliche Technologien. Vor diesem Hintergrund fand im November 2009 die dritte polnisch-deutsche Konferenz "Nachhaltige Entwicklung - Von der wissenschaftlichen Forschung zur politischen Umsetzung" in Polen statt. Deutschland und Polen haben auch 2011 ihren Forschungsdialog zur Nachhaltigkeit mit einer gemeinsamen Förderbekanntmachung fortgesetzt und stärken die bilaterale Forschungszusammenarbeit in diesem Bereich. Für gemeinsame Projekte zu den Themen „Klima und Energie“, „Nachhaltiges Wirtschaften und Ressourcen“ sowie „Nachhaltiges Landmanagement“ stellen das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das polnische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW)bis Ende 2013 rund sechs Millionen Euro bereit. Erfolgreiche Anträge deutsch-polnischer Projektteams werden von beiden Ministerien gemeinsam gefördert. Forschungsschwerpunkte der Bekanntmachung sind naturwissenschaftliche, technologische, organisatorische, sozial- und gesellschaftswissenschaftliche Aspekte der Nachhaltigkeitsforschung. Die Projekte sollen sich auf solche Themen der Nachhaltigkeitsforschung fokussieren, die aufgrund ihrer ökologischen oder ökonomischen bzw. wissenschaftlichen Bedeutung von großem Interesse für Deutschland und Polen sind. Darüber hinaus soll durch die Forschungszusammenarbeit der Europäische Forschungsraum gestärkt werden.

Das BMBF beteiligt sich seit 2005 mit einem Messestand und begleitenden Veranstaltungen an der Internationalen Umweltmesse POLEKO. Im November 2009 und 2010 fanden in diesem Zusammenhang von der Deutschen Botschaft in Warschau initiierte deutsch-polnische Innovationsforen "Erneuerbare Energien" und „Eco-Innovation“ statt. Mit Hilfe der Foren sollen in beiden Ländern die Stärken für neue wettbewerbsfähige Lösungen zur Erzeugung, Verteilung und effizienten Nutzung von erneuerbaren Energien sowie Ökoinnovationen mobilisiert werden.

Ein Höhepunkt der bilateralen Kooperation

Deutsch-Polnisches Forschungsforum
Am 22. April 2008 fand in Leipzig das erste Deutsch-Polnische Forschungsforum statt. Bundesforschungsministerin Annette Schavan und ihre polnische Amtskollegin Barbara Kudrycka eröffneten das Forum, an dem rund 250 hochrangige Vertreter aus Politik, Hochschulen, Wissenschaft und Forschung die Weichen für eine engere Zusammenarbeit der beiden Länder stellten.

Im Mittelpunkt stand die Förderung junger Wissenschaftler und die Stärkung von Partnerschaften und Netzwerken. Inhaltliche Schwerpunkte waren Umweltforschung und nachhaltige Entwicklung, sowie die Geistes- und Sozialwissenschaften.

Das Forum war das erste in dieser Art zwischen den beiden Ländern: Es stellte die Leistungen der bisherigen deutsch-polnischen Forschungskooperation vor und zeigte die Möglichkeiten künftiger Kooperationen auf. Hierzu gaben Arbeitsgruppen zu sechs Themenbereichen Vorschläge und Empfehlungen ab. In einer Podiumsdiskussion äußerten sich Vertreter führender Wissenschafts- und Mittlerorganisationen beider Länder zu den Perspektiven der Zusammenarbeit.

Entsprechend der Bedeutung, die Forschung und Technologie in beiden Ländern zukommt, hat sich die Zusammenarbeit in diesem Bereich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt. Unmittelbare Nachbarschaft, enge bilaterale Beziehungen, EU-Mitgliedschaft und vielfältige Kooperationsstrukturen prägen die Zusammenarbeit. Bei den Themen der Zusammenarbeit sind insbesondere die Bereiche Lebenswissenschaften, Gesundheit, Forschung für die Nachhaltigkeit und Umweltforschung, Materialforschung, Physikalische und chemische Technologien, Fusionsforschung, Geistes- und Sozialwissenschaften hervorzuheben. Zusammenarbeit erfolgt insbesondere auch im Rahmen der EU-Forschungsrahmenprogramme.

Nachbarschaftliche Beziehungen und Dialog ausbauen und stärken; Schaffung leistungsstarker FuE-Netzwerke zwischen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen, Beiträge zur Stärkung des Europäischen Forschungsraums, Regionale Kooperationen, Austausch und Förderung junger Wissenschaftler.

Internationalisierung und Vertiefung der europäischen Integration sind die Chancen für die deutsche Wissenschafts- und Forschungslandschaft und für die Wirtschaft.

Förderung der Zusammenarbeit mit Polen

Das BMBF hat vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung seit 2004 das Förderprogramm "Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa" („Regionalausschreibung“) aufgelegt, mit dem Forschungsprojekte deutscher Wissenschaftler mit Partnern aus Mittel- und Osteuropa gefördert werden. Ziel dieser Projekte ist eine gemeinsame Projektantragstellung in den Förderprogrammen des BMBF oder des 7. Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Union. Viele Konsortien aus deutschen und polnischen Partnern beteiligen sich mit Projektanträgen bei dieser Bekanntmachung. Darüber hinaus werden Maßnahmen zur Ausarbeitung von Konzepten zum Aufbau gemeinsamer Forschungsbasen gefördert. Durch Etablierung dieser gemeinsamen Forschungsbasen sollen Forschungseinrichtungen aus dem Partnerland mit deutschen Forschungseinrichtungen und der forschenden Industrie personell, organisatorisch und finanziell miteinander verflochten werden.

Bei dem vom BMBF 2010 veröffentlichten Förderprogramm „Ideenwettbewerb zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Ostseeanrainerstaaten - Circum Mare Balticum –“ („Ostseeausschreibung“) zur Initiierung von interdisziplinären, innovativen FuE-Netzwerken im Ostseeraum mit Beteiligung aller Ostseeanrainerstaaten, beteiligen sich polnische Institutionen zusammen mit Partnern aus Estland, Lettland, Litauen und den nordischen Ländern an einer Vielzahl von Projekten. Themenbereiche der Projekte dieses Förderprogramms sind Energieforschung, Umweltforschung und -technologien, IKT, Meeresforschung, Innovation sowie Gesundheitsforschung und Biotechnologien. Ziel des neuen Förderprogrammes, das auch 2011 wieder aufgelegt wurde, ist es, durch die internationale Zusammenarbeit Innovationspotenziale zu erschließen und internationale Wettbewerbsvorteile deutscher Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Ostseeraum gemeinsam mit ihren Partnern zu stärken.

Im Rahmen seiner Initiative für den Forschungsstandort Deutschland werden Projekte und Maßnahmen unterstützt, die in wichtigen Zielländern wie Polen die Attraktivität Deutschland und seiner Forschungslandschaft vorstellen.

Im Rahmen dieser Initiative beteiligt sich das BMBF seit 2005 jährlich bei der größten Umweltmesse in Osteuropa, der POLEKO. Sie findet jeweils im Herbst in Polen statt. Zahlreiche deutsche Forschungseinrichtungen präsentieren auf dem BMBF-Messestand ihre anwendungsnahen Projekte und Produkte und gewinnen dadurch künftige Kooperationspartner aus der polnischen Wirtschaft und Wissenschaft. Aufgrund des großen Erfolges hat eine erneute BMBF-Beteiligung an der diesjährigen POLEKO stattgefunden.

Dokumente

Ansprechpartner

  • Dr. Michael Lange

    • Fachlicher Ansprechpartner: Estland, Lettland, Litauen, Polen
    • Heinrich-Konen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 3821-1485
    • Faxnummer: +49 228 3821-1444
    • E-Mail-Adresse: michael.lange@dlr.de