Niederlande

Forschung, Entwicklung und Innovation spielen in den Niederlanden eine zunehmend wichtige Rolle. In den Bereichen Wissenschaft und Technologie sind die Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden nicht formalisiert. Beide Länder pflegen intensive und freundschaftliche Nachbarschaftsbeziehungen, die grenzüberschreitende regionale Zusammenarbeit ist auf vielen Gebieten von großer Bedeutung.

Politischer Rahmen der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit

Die Niederlande gehören laut Global Competiveness Report 2011-2012 zu den zehn wettbewerbsfähigsten und innovativsten Nationen weltweit. Sie verbesserten sich gegenüber dem Vorjahr um einen Platz auf Position sieben. Die Ausgewogenheit der Wettbewerbsfähigkeit zeigt sich darin, dass die Niederlande auch in den drei Subindizes Rahmenbedingungen, Effizienz und Innovation jeweils unter den ersten zehn liegen.
Im Hinblick auf die Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) belegen die Niederlande innerhalb der EU einen mittleren Platz: Der FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2009 nach OECD-Angaben bei 1,84% und damit unterhalb des EU-Durchschnitts von 2,01%. Der FuE-Anteil der Unternehmen betrug etwa 60%. Im Innovation Union Scorebord 2010 lagen die Niederlande innerhalb der EU an achter Stelle. Die Niederlande gehören zur Gruppe der „Innovation followers“ mit einer Innovationsleitung über dem EU-Schnitt.

Im Februar 2011 stellte die neue Regierung ihren neuen wirtschafts- und innovationspolitischen Spitzensektoren-Ansatz vor. In den Spitzensektoren („Top Sectors“), die die spezifischen Stärken der niederländischen Wirtschaft (und Forschung) spiegeln, sollen die Mittel für Forschung und Innovation konzentriert werden. Die niederländische Politik wird ihre Unterstützung auf Initiativen, Kooperationen und Verbünde in diesen Spitzensektoren konzentrieren, in denen Hochschulen intensiv mit Unternehmen kooperieren. Die Spitzensektoren sind: Lebenswissenschaften, Hightech-Systeme, Chemie, Ernährung/Lebensmittel (Agro-Food), Energie, Logistik, Wasser, Kreative Industrien/Kreativwirtschaft sowie Gartenbau/ Pflanzenbau. „To the Top – Towards a new enterprise policy“, der entsprechende Bericht an das Parlament formuliert die Schlüsselziele der neuen niederländischen Wirtschafts- und Innovationspolitik: sie zielt darauf ab, Unternehmen bessere Rahmenbedingungen und mehr Gestaltungsfreiheit für ihre Aktivitäten zu geben und ihnen dadurch Wachstum und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu ermöglichen.

Anfang Juli 2011 bestätigte der Ministerrat die Umsetzung eines umfangreichen Maßnahmenbündels u.a. für den Forschungsbereich. Das Ziel der Regierung ist, dass jede Universität zumindest in einigen Fachbereichen zur Weltspitze gehört. Dazu müssen die Hochschulen Schwerpunkte in der Forschung setzen. Darüber hinaus wird eine bessere Vermarktung des Wissens anvisiert. Voraussetzung ist, dass Hochschulen sich an den o. g. Spitzensektoren sowie an den großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Sicherheit und demografischer Wandel orientieren.

Als wichtige Beratungsgremien in der Forschungs- und Innovationspolitik arbeiten der Rat für Wissenschafts- und Technologiepolitik und die Königliche Akademie der Künste und Wissenschaften KNAW.

KNAW dient als Forum für die wissenschaftliche Gemeinschaft der Niederlande und als Dachorganisation für 17 Forschungsinstitute im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Lebenswissenschaften. Sie fördert darüber hinaus nationale und internationale Forschungskooperationen. Ebenfalls als wichtige Förderorganisationen aktiv sind die “Netherlands Organisation for Scientific Research“ (NWO) und die “Netherlands Organisation for Applied Research“ (TNO). NWO fördert die wissenschaftliche Qualität und Innovation in der Forschung und initiiert neue Entwicklungen. Sie vergibt Fördermittel und unterstützt die Verbreitung von Forschungsergebnissen. Ihr Fokus liegt in erster Linie auf der Forschung an Universitäten. Neben ihrer Rolle als Forschungsförderorganisation unterhält die NWO neun Institute der Grundlagenforschung. Der Schwerpunkt der Aktivitäten der TNO liegt bei sozial und wirtschaftlich relevanten Themen sowie bei aktuellen Innovationen und konkreten Anwendungen. TNO unterstützt insbesondere Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU).

Schwerpunkte der Kooperation

Eine intensive deutsch-niederländische Zusammenarbeit findet in regionalen Netzwerken zwischen (v. a.) nordrhein-westfälischen Hochschulen und Unternehmen sowie niederländischen Partnern statt. Ein Beispiel für eine intensive Koopertion ist die Stiftung Deutsch-Niederländische Windkanäle (DNW). Das (von InWEnt umgesetzte und vom BMBF geförderte) bilaterale Programm BAND unterstützt den Austausch von Auszubildenden und Ausbildern mit den Niederlanden.

In, zumeist multilateralen, Projekten mit niederländischer Beteiligung in den BMBF-Fachprogrammen liegen die thematischen Schwerpunkte in den Bereichen Biowissenschaften und –technologie, Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit sowie Informations- und Kommunikationstechnologien. In 2011 laufen 67 Projekte, davon sind neun bilateral und 58 multilateral.

Der Fokus in Projekten des 7. EU-Forschungsrahmenprogrammes mit gemeinsamer deutscher und niederländischer Beteiligung liegt auf den Feldern Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Gesundheit.

Ansprechpartner

  • Dr. Hans-Peter Niller

    • Gruppenleitung: Europäische Staaten; Fachlicher Ansprechpartner: BeNeLux, nordische Länder, Slowakei, Tschechien
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