Estland, Lettland und Litauen

Die Ostseeregion boomt seit Jahren. Der Ostseeraum weist ein großes Entwicklungspotenzial mit dem derzeit höchsten Wirtschaftswachstum in Europa auf und es ist damit zu rechnen, dass sich das Handelsvolumen in den nächsten 15 bis 20 Jahren etwa verzehnfachen wird. Das Wachstum der Region übertrifft das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der EU-Staaten. Inzwischen gehören neun der zehn Ostseeanrainer - mit dem Beitritt des Baltikums und Polens zur EU am 1. Mai 2004 - dazu. In diesen neun der nunmehr 25 EU-Staaten leben insgesamt 152 Mio. Menschen - das sind 33 % der EU-Bürger. Sie erwirtschaften rund ein Drittel des EU-Sozialprodukts.
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass der Ostseeraum ein europäisches Schwergewicht ist. Von dem wirtschaftlichen Boom im Ostseeraum profitiert auch Deutschland. Er hat eine große Bedeutung für die Exportwirtschaft besonders der nördlichen Bundesländer.

Estland, Lettland und Litauen bieten einen idealen Zugang zur Ostseeregion. Als Ziele der drei Länder stehen die Entwicklung einer offenen und freien Marktwirtschaft, die internationale Öffnung im EU-Kontext, die Reformierung der Wissenschafts- und Forschungslandschaft sowie die Stärkung der Innovation im Vordergrund. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit haben die baltischen Staaten in den vergangenen Jahren einen grundlegenden Wandel ihrer Wirtschafts- und Wissenschaftssysteme vollzogen und haben die Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union erreicht.

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den drei baltischen Ländern erfolgt zwischen vielen Akteuren und auf verschiedenen Feldern. Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung mit den baltischen Republiken läuft in nennenswertem Umfang seit 1994, hat sich kontinuierlich entwickelt und befindet sich heute in weiterem Aufschwung.

Im Mai 2003 wurden Memoranden of Understanding zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem estnischen Ministerium für Bildung und Forschung, dem lettischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft sowie dem litauischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft unterzeichnet. Dies bildet derzeit die Grundlage für die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung mit Estland. In regelmäßigen Arbeitstreffen werden die Prioritäten der Zusammenarbeit abgestimmt.

Die durchgeführten Projekte in den prioritären FuE-Feldern Materialforschung, Informations- und Kommunikationstechnologie, Umweltforschung und -technik, Biowissenschaften und -technologie, physikalische und chemische Technologien sowie Gesundheitsforschung bilden häufig die Basis für Beteiligungen der deutschen und baltischen Partner an EU-Projekten. Erwähnenswert sind auch multilaterale Veranstaltungen und Kooperationen zwischen deutschen, baltischen und skandinavischen Partnern.

Von Seiten der baltischen Staaten besteht der Wunsch, die Zusammenarbeit mit Deutschland weiter auszubauen. Das Ziel besteht darin, Zusammenarbeit künftig weiter zu kanalisieren und den jeweiligen bi- und multilateralen Erfordernissen anzupassen sowie WTZ-Arbeitsgruppen mit alternierenden Treffen zu installieren.

Das BMBF hat seit 2004 das Förderprogramm "Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa" („Regionalausschreibung“) aufgelegt, mit dem Forschungsprojekte deutscher Wissenschaftler mit Partnern aus Mittel- und Osteuropa gefördert werden. Ziel dieser Projekte ist eine gemeinsame Projektantragstellung in den Förderprogrammen des BMBF oder des 7. Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Union. Viele Konsortien aus deutschen und Partnern aus Estland, Lettland und Litauen beteiligen sich mit Projektanträgen bei dieser Bekanntmachung.

Bei dem vom BMBF 2010 veröffentlichten Förderprogramm „Ideenwettbewerb zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Ostseeanrainerstaaten - Circum Mare Balticum –“ („Ostseeausschreibung“) zur Initiierung von interdisziplinären, innovativen FuE-Netzwerken im Ostseeraum mit Beteiligung aller Ostseeanrainerstaaten, beteiligen sich estnische, lettische und litauische Institutionen zusammen mit Partnern aus Polen und den nordischen Ländern an einer Vielzahl von Projekten. Themenbereiche der Projekte dieses Förderprogramms sind Energieforschung, Umweltforschung und -technologien, IKT, Meeresforschung, Innovation sowie Gesundheitsforschung und Biotechnologien. Ziel des neuen Förderprogramms, das auch 2011 wieder aufgelegt wurde, ist es, durch die internationale Zusammenarbeit Innovationspotenziale zu erschließen und internationale Wettbewerbsvorteile deutscher Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Ostseeraum gemeinsam mit ihren Partnern zu stärken.

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