Kanada

Unter den Industrieländern ist Kanada ein wichtiger Partner Deutschlands in der Zusammenarbeit in Bildung und Forschung. Die Forschungs- und Innovationspolitik genießt bei der kanadischen Bundesregierung und in der Öffentlichkeit hohe Aufmerksamkeit. Die politische Priorität der staatlichen Förderung der Wissenschaft fokussiert derzeit vor allem darauf, die Präsenz kanadischer Unternehmen auf den globalen Märkten zu unterstützen. Die formale deutsch-kanadische Kooperation besteht bereits seit mehr als 40 Jahre. Über diese lange Zeit entstand eine intensive Zusammenarbeit, und es konnten immer wieder neue zukunftsweisende Projekte angestoßen werden.
Fördermöglichkeiten für Kanada

 

Politischer Rahmen für die bilaterale Zusammenarbeit in Forschung und Bildung

Deutschland ist eines der wenigen Länder, mit denen Kanada bereits früh ein Regierungsabkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit abgeschlossen hat. Das Abkommen trat am 30. Juni 1971 in Kraft und hat zu einer regen bilateralen wissenschaftlichen und technologischen Kooperation geführt. Im Jahr 2011 wurde das 40-jährige Bestehen des Abkommens zum Anlass genommen, die Kooperation im Rahmen eines gemeinsamen Jubiläumsjahres weiter zu intensivieren.

Seit 1975 besteht darüber hinaus ein Kulturabkommen mit Kanada. Im Jahr 2002 hat das BMBF für die Bundesregierung mit Kanada eine Gemeinsame Erklärung über ein Austauschprogramm für junge Arbeitnehmer unterzeichnet. Zudem wurde 1996 ein Abkommen zwischen Kanada und der EU abgeschlossen.

Neben diesen vertraglichen Rahmenbedingungen ist hervorzuheben, dass Kanada in der letzten Dekade erhebliche F&E-Neuinvestitionen in Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Industrie getätigt hat. Daraus ergeben sich wichtige Potenziale für die Zusammenarbeit.

Schwerpunkte der Kooperation zwischen Deutschland und Kanada

Die Schwerpunkte der Kooperation wurden im Laufe der Zusammenarbeit an die nationalen Prioritäten beider Länder angepasst und konzentrieren sich derzeit im Wesentlichen auf folgende Bereiche:

  • Ein Schwerpunkt gemeinsamen Interesses ist die Pflanzengenomforschung. Im Rahmen der Förderbekanntmachung „Bioökonomie International“ (BMBF/Ref. 617) werden zwei Projekte mit kanadischen Partnern ab 2014 gefördert.
  • Deutschland und Kanada sind strategische Partner im Bereich der Brennstoffzellenforschung. Das BMBF/Ref. 722 (Grundlagenforschung Energie) fördert derzeit ein deutsch-kanadisches Verbundprojekt zum Thema PEM-Brennstoffzellen (Polymerelektrolytbrennstoffzellen).
  • In den Geowissenschaften führen die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gemeinsame Forschungsprojekte mit dem Geological Survey of Canada (GSC) vor allem in den Themenbereichen mariner und terrestrischer Umweltgeologie sowie Polargeologie durch.
  • Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kooperiert direkt mit der Canadian Space Agency (CSA), dem Canada Centre for Mapping and Earth Observation (CCMEO) und verschiedenen Universitäten. Die gemeinsame Nutzung von Radardaten und die wechselseitige Nutzung der Bodenstationen stehen hier im Fokus.
  • Am 29.09.2009 wurde die Helmholtz-Alberta-Initiative unterzeichnet, in der eine Intensivierung der Zusammenarbeit in den Bereichen Umweltforschung und Geowissenschaften vereinbart wurde. Mittlerweile wurde diese Kooperation um das Thema Infektionskrankheiten mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig (HZI) als Partner der University of Alberta erweitert.
  • Auf Grundlage der Vereinbarung zwischen der Helmholtz-Gemeinschaft (Alfred-Wegener-Institut, Geomar, Deutsches GeoForschungsZentrum) und dem Halifax Marine Research Institute, die 2012 unterzeichnet wurde, wird die deutsch-kanadische Zusammenarbeit in der Meeres- und Polarforschung weiter intensiviert.
  • Das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT startete im Juli 2011 eine auf mehrere Jahre ausgelegte Zusammenarbeit mit der University of Western Ontario in London, Ontario. Deutsche und kanadische Forscher werden im gemeinsamen »Fraunhofer Project Centre for Composites Research @ Western« im Bereich Leichtbau, vor allem in Hinblick auf die Automobilindustrie, forschen. Das Zentrum wurde am 05.11.2012 offiziell eröffnet.
  • Seit Februar 2012 besteht das Max Planck UBC Center for Quantum Materials zwischen dem MPI für Festkörperphysik und der University of British Columbia, Vancouver – es ist das erste Max Planck Center mit nordamerikanischen Partnern. Deutsche und kanadische Wissenschaftler erforschen hier auf interdisziplinärer Basis die Quanteneffekte in neuen Materialien, insbesondere im Bereich Magnetismus und Supraleitung.
  • Einen weiteren Baustein der Kooperation bilden die Partnerschaften zwischen einzelnen Ländern und Provinzen: Hier kooperieren Baden-Württemberg mit Ontario, Bayern mit Quebec sowie Sachsen mit Alberta. Zuletzt wurde im Februar 2010 die "Alberta-Saxony Intercultural Internship Alliance" gestartet. An diesem Praktikantenaustausch-Programm sind 15 Hochschulen aus Sachsen und neun Hochschulen aus Alberta beteiligt.
  • Multilaterale Projekte spielen auf Grund der globalen Herausforderungen eine zunehmende Rolle, z.B. in der Umwelt- und Meeresforschung, der Raumfahrt und dem Klimaschutz. Deutschland und Kanada sind enge Partner in entsprechenden Netzwerken.
  • In den Neurowissenschaften ist die Zusammenarbeit von deutschen und kanadischen Wissenschaftlern intensiv und fruchtbar und findet vor allem im Rahmen von europäischen Initiativen, z.B. dem ERA-NET NEURON ("Network of European Funding for Neuroscience Research"), statt. Auch an den “Centers of Excellence in Neurodegeneration (COEN)” und am “Joint Programming Neurodegeneration (JPND)”, beides zunächst Initiativen von europäischen Staaten, sind kanadische Partner beteiligt.
  • Kanada hat im Jahr 2011 den Antrag gestellt, als assoziiertes Mitglied in EUREKA aufgenommen zu werden. Der Assoziierungsvertrag wurde auf der Ministerkonferenz in Budapest am 22. Juni 2012 unterzeichnet.

Ein Höhepunkt der bilateralen Kooperation

Mit einem 2011 unterzeichneten Abkommen wurden das kanadische Förderprogramm CREATE (Collaborative Research and Training Experience) und das Programm der Internationalen Graduiertenkollegs der DFG miteinander verknüpft. Seitdem hat sich die Zusammenarbeit in der gemeinsamen Nachwuchsförderung ausgezeichnet entwickelt. Derzeit werden von der DFG 42 Internationale Graduiertenkollegs gefördert, von denen sieben mit einem kanadischen Partner durchgeführt werden. Kanada ist hiermit gegenwärtig das weltweit erfolgreichste Partnerland in diesem wichtigen Programm.

Förderung der Zusammenarbeit mit Kanada

Neben der Förderung durch die Fachprogramme des BMBF unterstützt das zuständige Länderreferat 214 verschiedene Aktivitäten (z.B. Workshops, Delegationsreisen) sowie die Nachwuchsförderung. Außerdem gewinnen Initiativen zur Werbung für den Studien- und Forschungsstandort Deutschland an Bedeutung.

Besondere Aktivitäten des Internationalen Büros

Die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung mit Kanada erhielt durch das Jubiläumsjahr anlässlich des 40-jährigen Bestehens des deutsch-kanadischen WTZ-Abkommens 2011/12 neue sichtbare Impulse. Das Internationale Büro unterstützt das BMBF bei der Festigung und Weiterentwicklung der neuen Initiativen. Diese standen auch im Rahmen der letzten deutsch-kanadischen Kommissionssitzung zur Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie, die im November 2013 in Berlin stattfand, im Fokus.

Ansprechpartner

  • Dr. Barbara Hellebrandt

    • Fachliche Ansprechpartnerin
    • Heinrich-Konen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 3821-1433
    • Faxnummer: +49 228 3821-1400
    • E-Mail-Adresse: barbara.hellebrandt@dlr.de

© DLR 10/30/2014 11:51 - Alle Rechte vorbehalten.